lasst uns mal reden. über arbeit. pt.1

in den nächsten wochen werden wir uns mit einem wichtigen thema beschäftigen: arbeit. vergangenheit, gegenwart und zukunft der arbeit werden wir beleuchten, alternativen aufzeigen und nach hintergünden forschen. eigentlich wollte ich schon anfang des jahres damit anfangen, aber es kam soviel arbeit dazwischen, deswegen jetzt erst. den anfang macht eine kleine buchbesprechung über arbeit anderswo:


ich habe es verschlungen. es ist weder komisch, auch keine liebesgeschichte, und um kultur gehts auch nicht. es geht ums überleben. die handlung ist schnell erzählt: eine handvoll osteuropäer (und ein afrikaner) machen sich auf den weg nach england um geld zu verdienen. weil es da besser bezahlte jobs gibt. doch schnell merken sie, dass die bessere bezahlung durch reichlich abzüge und windige chefs zusammendampft und die jobs knochenarbeit sind. sie merken schnell, dass sie verheizt werden, das große geld machen andere.

es geht um arbeit, die protagonisten sind hochmotiviert und wollen geld verdienen. nicht illegal, sondern durch ehrliche, harte arbeit. dafür sind sie bereit, jeden noch so miesen job anzunehmen. die miesen „personalvermittler“ (aka menschenhändler) nutzen deren situation aus und sind neben den arbeitgebern die profiteure. nicht jedoch die arbeiter.

lösungsansätze bietet das buch nicht, dafür ist es viel zu sehr roman. einmal tritt ein gewerkschafter auf, doch dessen anliegen versteht keiner und er verschwindet ungesehen eine seite weiter. marina lewycka ist eine lesenswerte beschreibung gelungen. eine beschreibung der sehnsüchte, der hoffnung und der verbitterung.

und fährt man im zug oder im bus nach osten oder kommt von dort, dann sieht man sie: die modernen wanderarbeiter, die frauen, die männer. sie arbeiten in ganz westeuropa, teilweise illegal. weil es da jobs gibt, weil da das große geld lockt. arbeitskraft ist schon immer dorthin gegangen, wo arbeit ist, keine frage. die globalisierung und die öffnung des arbeitsmarkts waren da nur katalysatoren. doch zu welchem preis? es leiden die familien und die arbeiter selbst.

ein erster lösungsansatz wäre sicher, die arbeitsbedingungen zu verbessern und die bisher illegalen beschäftigungsverhältnisse zu legalisieren. also eine ausweiterung der arbeitnehmerfreizügigkeit. das würde die arbeit zwar verteuern und damit die produkte. doch letztendlich liegt es auch an uns verbrauchern, die immer billig einkaufen müssen.

meinungen dazu?

  1. Pingback: neues aus der roiberhöhle - lasst uns mal reden. über arbeit. pt.2
  2. gestern abend war götz werner zu gast im radialsystem v. 1.000€ für jeden, so der reißerische titel der veranstaltung. mit dabei adrienne göhler, die lieber über die kulturgesellschaft geredet hätte als über die schmutzigen details des bedingungslosen grundeinkommens (BGE).

    wir besucher seien alle oberschicht, nicht vom hubraum her, eher im kopf. wie anders ist es zu erklären, dass hunderte von leuten 10€ eintritt für eine podiumsdiskussion bezahlen, die nach knapp zwei stunden schon vorbei ist? göhler las aus werners buch vor, dann hielt er ein referat aus dem stegreif und am ende durfte das publikum putzige fragen stellen. zwischendurch wurde immer mal wieder an den unmöglichsten stellen geklatscht, nennen wir es den anne will-effekt.
    das thema selbst bleibt spannend, der abend lies mehr fragen offen, als er beantwortete und das war absicht. das bedingungslose grundeinkommen, die soziale absicherung für jeden ohne nachfrage. bedeutet nicht, dass niemand mehr arbeiten gehen braucht. bedeutet eher, dass nicht mehr jeder unterbezahlte scheiß gemacht werden muss. dass freiberufler und arbeitnehmer auch mal etwas ablehnen dürfen, dass nicht mehr überstunden um jeden preis geleistet werden müssen. dass zwielichtige geschäftmodelle untergehen werden, die auf lohn-dumping setzen, wie so manches callcenter. werner selbst schlägt erstmal 1000€ vor, über die höhe lässt er aber mit sich sprechen, menschenwertes leben soll möglich sein. wer mehr braucht, geht arbeiten. wem das reicht, kann andere dinge tun, sich selbst verwirklichen oder den ganzen tag fernsehen gucken.
    vor allem geht es werner um unser altes, verkrustetes denken, dass wir nur menschen sind, wenn wir einer lohnarbeit nachgehen. das will er bekämpfen, wir sollten aufhören, uns über unseren gehaltszettel zu definieren. denn schon jetzt gibt es so viel gesellschaftsstützende arbeit, die nicht oder wenig bezahlt wird und trotzdem unverzichtbar ist: kindererziehung, ehrenamtliches, haushalt, altenpflege. all das wäre auf einmal etwas wert. denn wir arbeiten immer für andere, der wert unserer arbeit wird von anderen bewertet.
    und es geht um das jetzige ungerechte und diskriminierende system der transferleistungen. wer schon einmal hartz4 beantragt hat, kennt das: demotivierte sachbearbeiter schnüffeln in der privatsphäre und vermuten betrug, verschleppen die bewilligung. das wäre auf einen schlag erledigt, eine ganze armee von beamten könnte sich ihren hobbys widmen.
    eine utopie? sicher.
    eine alternative? auf jeden fall.
    unbezahlbar? wohl kaum, schon jetzt leben 60% aller deutschen von transferleistungen aus den unterschiedlichsten töpfen. das geld ist da, bzw. muss es nur durch güterströme gedeckelt sein, wie werner berichtet. geld kann gedruckt werden, es muss dann aber auch ausgegeben werden, damit es funktioniert.
    ungerecht? unsinn, das jetzige system ist ungerecht.
    sozialismus? auch das nicht, es geht nur um eine neubewertung von arbeit. alles tun hat einen wert und sollte demnach auch anständig bezahlt werden. wir sollten aufhören, den leuten geld zugeben, damit sie zuhause bleiben und andere 40-60 stunden die woche arbeiten lassen.
    was auf jeden fall gestern abend klar wurde: das BGE ist keine antwort auf alle fragen, kein heilsversprechen, keine neue gesellschaftsform. eher eine anpassung an die veränderten lebens- und arbeitsbedingungen unserer welt.

    was bisher geschah: lasst uns mal reden. über arbeit. pt.1 und pt.2

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