weil das gesundheitssystem in d. krankt und also der kinderarzt berstend voll ist, vergnügen wir uns in der gegend, um nicht im verseuchten wartezimmer zu warten. die gegend ist zufällig der prenzlauer berg, dort wo die mieten explodieren, die schwaben gentrifizieren und gören so oft pullern müssen vom grande spiced chai latte decaf. und weil der winter zu kalt ist für spielplatz mit rotzendem kleinkind („ich bin nicht klein, ich bin grooooß!!1elf“), pilgern wir wie jeder anständige konsumist ins örtliche zenter und schlendern durch die arcaden. ganz unten gibt es einen bäcker mit möbilar. donut und käffchen, so könnte jeder montag morgen beginnen.
um uns herum die avantgarde der rentner und vorruheständler vom prenzlauer berg. drei männer unterhalten sich angeregt über die neueste technik, einer doziert: „mit einem HD Recorder, da hast du eine festplatte und da wird der film auf die festplatte gespeichert, kannst du dann später auf dvd brennen.“ andächtiges schweigen und nicken in der runde. pause. „kostet aber tausend euro.“ zuckende mundwinkel.
eine füllige rentnerin, typ wilmersdorfer witwe betritt die szene und bestellt einen riesigen berg sahnetorte, löffelt ihn und geht. ein rentnerpärchen, sie setzt sich, er bestellt und bringt die kaffee an den tisch. man wechselt kaum noch worte miteinander, man schweigt sich an, man kennt sich schon zu lange. hinter uns mittelalte frauen, gackernd, schamtzend, mit den löffeln klappernd.
und auf einmal wird klar: hier ist keine szene, das sind anwohner, keine studenten, keine zugezogenen, die wohnen hier schon immer. und es werden immer mehr. die zukunft deutschlands trägt stützstrumpf zum tanztee und schaufelt sachertorte vorm wöchentlichen arztbesuch.

symbolbild: deutschland (berlin-wedding, juni 2006)

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