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Wer oder was ist eigentlich ein Renminbi?

Weil ich es mir partout nicht merken kann:

Der Renminbi […] ist die Währung der Volksrepublik China und wird von der Chinesischen Volksbank herausgegeben. (wiki)

Seid mal ehrlich: Habt Ihr das gewußt? Ich jedenfalls nicht. Den Yuán hat man irgendwie schon mal gehört, klar. Klingt ja auch wie Yen. Aber Renminbi? Abgefahrener Name jedenfalls. Die Unbekanntheit könnte aber auch daher rühren:

Da Renminbi außerhalb der Volksrepublik China nicht gehandelt werden, ist es nicht möglich, CNY-Beträge nach China zu überweisen. (wiki)

Warum das eigentlich wichtig ist? Nun, weil wir langsam anfangen müssten, uns mit China zu beschäftigen, meint Ihr nicht?

update: uff. Warum werden manche Schriftzeichen angezeigt und manche nicht richtig? Bei wikipedia gehts doch auch! Noch so ein Ding, an das wir uns gewöhnen müssen…

angezündet

Im Wedding wird weniger geböllert als in den Jahren zuvor. Normalerweise wurde doch schon drei Tage vor dem 31. Dezember der Ausnahmezustand ausgerufen! Was läuft hier schief? Kann es sein, dass die durchaus professionelle Videokampagne der Berliner Feuerwehr Wirkung zeigt? Ein Beispiel (Ab 1:50min gehts richtig los, davor ist die heile Welt Prenzlberg zu sehen!)

[youtube 0Y7LPx9PPZk]

Oder hat die Finanzkrise schon mit harter Wucht das Prekariat erreicht? Sind Böller gar teurer geworden? Wir wissen es nicht, interessiert uns auch nicht besonders. Wir freuen uns auf einen ruhigen und friedlichen Jahresabschluß.

In diesem Sinne wünscht Euch die gesamte Redaktion einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und verknallt Euch nicht beim Böllern, wa?

zurückbleiben, bitte!

Thilo Sarrazin, Finanzsenator und ausgewiesener Experte in finanzieller Lebensgestaltung hat sich verzockt. Ein paar U-Bahnen und Straßenbahnen der BVG hat er verkauft an windige Amerikaner. Dann mietete er sie wieder zurück. Und ein paar ulkige Wertpapiergeschäfte liefen auch noch. Deren Wert geht aber im Zuge der Finanzkriese nun gegen null. 157 Mio. Euro futsch, sagt die Morgenpost. Schon jetzt werden Rufe laut, Herr Sarrazin müsse gehen. Dann würde er wahrscheinlich von H4 leben müssen, aber das kann er ja ganz ausgezeichnet.

beantragt [+update]

so wirklich verstanden habe ich die aktion nicht. aber darauf hinweisen werde ich dürfen: es geht wohl darum, der GEMA zu zeigen, wie antiquiert das urheberrecht in deutschland ist. oder so. übrigens halte ich GEMA und GEZ für denselben verein. und obige aktion für waldverschwendung… (via)

[update:] hat wohl doch nicht geklappt.

als mich mal meine uni abgezockt hat:

zwanzig euronen ziehen sie mir aus der tasche, weil ich zu spät überwiesen habe. ist aber auch schlau: die frist auf einen samstag (26.07.) legen und abwarten. und schwuppsdiwupps, ganz unkompliziert geld verdient. zum glück fließen diese zusätzlichen gelder dann in eine bessere ausstattung der uni und die qualität der lehre steigt ins unermessliche. und vielleicht bleibt dann auch mehr zeit für eine vernünftige rechtschreibprüfung.

Ende der Rückmeldefrist bedeutet die Zahlung muss bei uns eingegangen sein. Das kann bei einer Überweisung an einem Freitag (25.07.) nicht funktionieren, somit wurde die Säumnisgebühr erhaben. Der noch ausstehende Betrag von 19,94 € ist noch zu überweisen.

grmpf, eigentlich ärgere ich mich ja nur über mich selber. trotzdem! ein bisschen kulanz hätten sie ja zeigen können. finde ich. kleinkariert. pft.

rechtfertigung

kastanienallee heute saß ich ganz stilsicher im prenzlbezirk in einem szenigen dings auf der kastanienallee. aber ich hab da nix konsumiert. ganz ehrlich jetzt. würde ich nie machen. ich wurde gezwungen. und ich hab zeugen. könnt ihr mal sehen! also kommt jetzt nicht an und beschwert euch. ha!

[picture by nolifebeforecoffee, license]

i’ve got the spirit, but lose the feeling

Its getting faster, moving faster now, its getting out of hand,
On the tenth floor, down the back stairs, its a no mans land,
Lights are flashing, cars are crashing, getting frequent now,
Ive got the spirit, lose the feeling, let it out somehow.

nicht besser als der strummer letztens, aber anders.* und ehrlich gesagt, so gut kannte ich joy division vorher garnicht. die liefen eben immer so nebenbei. das wird sich ändern bei mir. aber zum film: großartige schwarzweiß-aufnahmen, jede kameraeinstellung ein meisterwerk für sich, die musik passt zum film und andersrum. die schauspieler spielen gut, doch verlieren sie sich in der story, genau wie der protagonist. alle sind ein bisschen kopflos und schauen verwirrt. ist wohl gewollt, aber für den zuschauer irritierend. grönemeyer spielt auch mit, hab ihn garnicht erkannt. und es wird viel über musik geredet. der verfall von curtis rückt zunehmend in den mittelpunkt und der zuschauer leidet mit. diesmal sinds keine drogen, die den verkannten künstler zerstören (oder er sich selbst), sondern seine krankheit. mit frauen hält er sich auch zurück, habe nur zwei gezählt. so richtig rock’n’roll also nicht, er war mehr so der künstler. das macht ihn nur noch spannender. und die musik sowieso. dieser film war längst überfällig!


* das schöne am bloggen ist ja, dass man überhaupt nicht erklären muss, über was man eigentlich schreibt. und strukturiert schreiben können andere!

wedding-klicks

  • [Ama:] Viele Fragen, kaum Antworten… HipHop im Jahre 08
    Und mal ganz ehrlich: Will jemand von euch in Compton, der Bronx, im Banlieue, der Favella oder in nem Pappkarton in Berlin Wedding leben, nur um das Image zu boosten? Und wenn jemand von euch dort lebt – wollt ihr dort weiterhin leben?
  • Fritz Teufel – Kommunarde und Bürgerschreck
    Später verdingte sich Teufel als freier Mitarbeiter der «taz» und als Fahrradkurier. Dann wurde er krank. Heute lebt er zurückgezogen in Berlin-Wedding.
  • tagesspiegel: bernauer straße. gelebte grenze.
    Die Bernauer Straße trennt zwei Lebenswelten. Im Süden wohnen die Aufsteiger, im Norden die Geringverdiener. Zueinander finden beide Gruppen selten.
  • Eine Vorliebe für Wörterbücher. Die Dichterin Ann Cotten
    Das Haus, in das Ann Cotten vor kurzem in Berlin-Wedding gezogen ist, ist unsaniert. Im Nebenhaus befindet sich eine türkische Bäckerei. Nachdem sie mit einer Freundin zusammengewohnt hat, ist dies ihre erste eigene Wohnung in Berlin. Im 2. Hinterhof. Dort, wo es ruhig ist, die Großstadt weit weg, blickt sie auf einen Friedhof.

bambi. tot.

die berliner polizei setzt neue maßstäbe in der diskussion um sterbehilfe. und beweist damit einmal mehr, dass im revier eher geklotzt als gekleckert wird. bayern braucht für seine problembären gesetze und verwirrte politiker – wir knallen sie einfach ab (im übertragenen reh-sinne). und das ganze im gutbürgerlichen und familienfreundlichen bezirk pankow!
doch hier nun die harten fakten:

Mit einem gezielten Schuss aus seiner Dienstwaffe erlöste gestern Nacht gegen 23 Uhr 45 ein Polizist in der Schönerlinder Straße in Pankow ein schwer verletztes Reh von seinen offensichtlichen Qualen. Vorausgegangen war ein Verkehrsunfall, bei dem das Tier schwer verletzt wurde. Das tote Reh wurde zur Revierförsterei gebracht. Menschen waren nicht in Gefahr. [quelle]

hier schreibt der kulturpessimist noch selbst:

den ball flach halten, abflachende wirkung, flachbildschirm – kein wort wird mehr vergewaltigt wie flach, in allen seinen unerträglichen beugungen und zusammensetzungen. die krönung des ultraflachen sind die flatrates. wiki eiert rum und wird sich nicht klar über den ursprung des begriffs. sicher wieder ein sch(w)eineanglizismus. mögen wir zwar nicht, sagen aber dann doch hin und wieder handy. nun, seit wann also flatrates? den anfang machte das fernsehen. da gibts seit jahrzehnten unbegrenzt rotz für eine läppige gebühr. wird zwar nicht gerne gezahlt, aber die gebührenknechte bemühen sich. dann kamen der öffentliche nahverkehr, das telefon und internet. und wohl auch saufen. also soviel wie möglich für einen festpreis. das konzept allerdings ist mindestens so alt wie der urknall: seitdem gibts kohlenstoff, soviel wie du eben bist. also nix sonderlich neues. den höhepunkt bildet zweifelsfrei die praxisgebühr. und so dringt die flatrate in alle unsere lebensbereiche ein und unterhölt das eiserne gesetz vom preis. denn: können wir den wert einer sache überhaupt noch schätzen, wenn er ständig und überall verfügbar ist? wird der kaffee besser, wenn er immer gleich nachgebrüht wird? wird ein zoobesuch aufregender mit einer jahreskarte? was kommt als nächstes? die gammelfleisch-flat beim örtlichen discounter? wohnen in einer wohnung für einen monatlichen festpreis?

irgendwann muss das ein ende haben, verehrte leserschaft. denn wenn wir den wert einer sache garnicht mehr einschätzen können, was sind wir dann überhaupt noch selber wert? wann kommt die flatrate auf die flatrates? es wird zeit, dass wir uns darüber gedanken machen. die kulturflatrate scheint mir da der falsche weg.

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Now playing: Knorkator – Alles ist Scheiße

das beständigste ist der wechsel

Alles verändert sich, wenn du es veränderst.
Doch du kannst nicht gewinnen, solange du allein bist!

[rio reiser]

achtung, pathos: es gibt nicht viel, was sich nicht ändert im leben eines menschen. mitmenschen kommen und gehen, soziale umstände geben sich die klinke in die hand und ab und zu zieht man auch einfach mal um. und diese veränderungen sind wichtig, sehr geehrte zuhörer. wichtiger vielleicht noch als das, was wir tatsächlich machen und nicht machen. am anfang nennen wir es ausprobieren und wenn es uns gefällt, machen wir damit weiter. nach einiger zeit wirds langweilig und wir suchen neue wege, neue erfahrungen. wichtig dabei ist womöglich, dass wir uns selber treu bleiben. wir selber bleiben und nicht aufhören, die umstände zu hinterfragen. und wir sollten die geschichten, die erfahrungen nicht vergessen. um aus ihnen zu lernen. und um beim nächsten mal genau den selben fehler zu machen. denn das geschieht ganz automatisch. wir ändern uns nicht, können nur so manches unterdrücken. doch worauf will ich eigentlich hinaus? wozu das alles? meine lieben leser, schon lange habe ich darüber gegrübelt, jetzt will ich es als theorie formulieren. als weltumspannende these spucke ich es in den weltraum und warte auf gegenargumente oder vorbehaltlose zustimmung. dieser text wird entweder gnadenlos ignoriert von den verantwortlichen oder er wird in die (musik-)geschichte eingehen. als abrechnung, als schonungslose aufdeckung der wahren wahrheiten dieser unserer zeit. es wird leute verstören, die verantwortlichen werden endlich zur verantwortung gezogen und pixelroiber wird von den titelseiten der zeitungen des landes herunter grinsen. als entdecker und schonungsloser aufklärer. doch zum wesentlichen, meine damen und herren. lange hab ich nachgedacht und es brauchte mehrere lebensjahrzehnte, um die theorie so knackig zu formulieren und um sie scheinbar so achtlos hier hinzuspucken:

die kosmologische konstante existiert

ich habe sie entdeckt und will sie in kurzen, prägnanten sätzen formulieren: schaltet man das radio ein, und dabei ist es egal, wo auf dieser welt und welcher sender und welcher kultureller backround und soziales umfeld, jedenfalls, wenn man das radio einschaltet, dann ist es mit vollkommener und auch erschreckender! logik sicher, dass eine der folgenden bands gespielt wird: Radiohead, U2 und REM. innerhalb der ersten zehn minuten. und jetzt mögen sie kichern, ob der nichtigkeit meiner entdeckung. aber halt! sehen sie denn nicht den großen zusammenhang dabei? dass es womöglich einen größeren sinn dabei gibt? dass sie mit ihrem beschränkten (hüstel) geist gar nicht den gesamtkontext sehen? bei mir jedenfalls hat sich ein tiefer hass in die seele gebrannt und nun verwechsel ich die bands immer wieder und bringe sie durcheinander. ganz ehrlich. und schuld daran ist diese große mediale verschwörung im äther. wer kann helfen?

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Now playing: Radiohead – House of Cards

liebe regierung,

wie kommt ihr nur immer auf diese wahnsinnig sinnvollen ideen? bilder ins internet stellen! das muss man sich mal vorstellen! wieso ist da noch niemand vorher drauf gekommen? dabei ist es doch so naheliegend, das web bietet sich sozusagen an zum zeigen von digitalen bildmaterial! ich ziehe meinen hut. ich finde es auch klasse, dass ich mir jetzt unzensiert die echten knaller der deutschen geschichte reinziehen kann. so mit nazis und so.

klar kommen jetzt die ganzen neidischen spinner und beleidigen euch. von wegen ihr seid teuer und überhaupt nicht internet-tauglich. die sind nur sauer, weil sie selbst nicht auf diese geniale idee gekommen sind. also mach nur weiter so.

und die preise finde ich überhaupt nicht überzogen. immerhin soll man die deutsche geschichte nicht so verramschen. es war schließlich nicht alles schlecht… und jetzt ist ja auch nicht alles gut! basta.

eine frage habe ich allerdings noch: wieso sehe ich bei der suche immer nur „Dieses Bild kann aus rechtlichen oder sonstigen Gründen nicht angezeigt werden“?

auf dem bahnhof der flüstergleise…

wir lieben unsere bvg - 1
ich finde ja, dass die mal wieder übertreiben. ganze drei monate dauert die sperrung meiner lieblings-u-bahn-linie. ein ersatzverkehr mit bussen ist eingerichtet. und so steht man denn im stau und denkt unsinn vor sich hin:

Vom 30. Juli bis 28. Oktober 2007 werden dann rund 2500 Tonnen Schotter aus- und wieder eingebaut, elf Weichen, drei Kreuzungsweichen sowie 1200 laufende Meter Gleis und Stromschienen erneuert beziehungsweise umgebaut. Gleichzeitig nutzen wir die Sperrung, um im Bahnhofsbereich 300 Meter betonierte Fahrbahn durch das übliche Schottergleis zu ersetzen. [quelle]

die angeblichen gleisbauarbeiten sind doch völliger quatsch. flüstergleise! berlin hat kein geld für solch unsinnigen firlefanz. deswegen hier die wahrheit. schonungslos und klar. die bezirksverwaltung mitte (mit den Ortsteilen Wedding, Gesundbrunnen, Hansaviertel, Tiergarten, Moabit und Mitte) versucht in kooperation mit dem land berlin und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung im Bundesministerium für Gesundheit sabine bätzing (scheiße, wo ist denn der anfang der satzes…?). jedenfalls ganz offiziell: aufwertung des problemkiezes durch (fast) kostenfreie stadtrundfahrten. es reicht eine gültige fahrkarte. kontakt zwischen den insassen der busse und den einheimischen ist ausdrücklich erwünscht. zur gezielten kontaktaufnahme wird besonders geschultes personal eingesetzt. diese damen und herren im dunkelblau-gelben outfit und mit mütze weisen freundlich und dezent auf den ersatzverkehr hin und sind auch sonst sehr hilfsbereit. offensichtlich wurden die u-bahn-fahrer zu gleisbauarbeiten gezwungen. oder absolvieren sprachkurse. damit sie „MIT DEM FAHRRAD NICH IN‘ ERSTEN WAGN‘!!!“ (vgl. dazu KRÖMER et al.) auch in anderen sprachen brüllen können. die berliner sollen ihren wedding wieder kennen und ihn lieben lernen. denn auf schnöden u-bahnfahrten vergisst man schnell das aussehen und schwups-di-wupps wacht man auf in einer völlig fremden stadt. für nächstes jahr ist ein größeres projekt geplant: einstellung des gesamten berliner s-bahn-verkehrs. ein ersatzverkehr wird eingerichtet…

danke, liebe bvg!

ps: falls das wieder erwartens doch nicht stimmen sollte: höchstwahrscheinlich wird da unten an den atomplänen des inneministeriums gearbeitet. das würde auch die lokale klimaerwärmung um spontan zwanzig grad hier in der gegend erklären… ich geh dann mal baden…

[ein direktes update von dem hier]

story #1 (Fragment)

diese geschichte lagert seit über sieben jahre auf meinem rechner. sie ist geprägt, von meiner jugendlichen naivität. damals habe ich noch gedacht, das leben ist verzwickt und kompliziert. Ha! hätte ich gewusst, dass es eigentlich noch schlimmer ist und fast genauso passieren wird… aber lest selber: 

Sie fragte mich, ob ich Lust hätte, mit in die große Stadt zu fahren. Warum nicht, sagte ich mir, was gibt es zu verlieren. Sie war nicht mein Mädchen, nicht mal annähernd. Aber ich war scharf auf sie. Was stand also einer gemeinsamen Fahrt im Weg?

Am Abend saß ich alleine bei mir im Zimmer, hatte mir eine Flasche billigen Martini-Verschnitt gekauft und trank ihn hastig aus einem Whisky-Glas. Irgendetwas bluesig-souliges lief im Radio, ich saß einfach nur da, trank und rauchte. SIE hatte mich gefragt, warum ausgerechnet mich? Ich kam einfach nicht dahinter, konnte mich aber auch nicht überwinden, sie anzurufen.

Sie war hübsch, hatte das, was Männer anzieht: Eine sonderbare Mischung aus gutem Aussehen und Ausstrahlung. Sie war intelligent, vielleicht ein wenig naiv. Soweit ich das beurteilen konnte (ich hatte bis dahin nicht viel mit ihr geredet), war sie also genau das Richtige für mich. Ich dachte also die ganze Zeit an sie, was werden wir machen, sollte ich mich an sie ranmachen? Oder sie als einen guten Kumpel behandeln? Vielleicht hatte sie mich nur gefragt, weil sie nicht alleine fahren wollte oder ich nur eine Pufferzone zwischen ihr und einem neuen Freund sein sollte (genaugenommen vermutete ich so was, das passierte mir nämlich öfters – Frauen nehmen mich bei ihren ersten Rendezvous mit und ich sollte dann sagen, was ich von ihm halte. Ich rate dann immer von dem Typen ab, in der Hoffnung, die Frau ist so deprimiert und geht mit mir am selben Abend ins Bett – manchmal klappt es, manchmal sehe ich sie nie wieder.)

Ich goss mir noch ein Glas ein, zündete mir noch Eine an. Draußen war es schon lange düster, ich saß auf meiner Couch und überlegte. Eine seltsame Situation. Jetzt war ich zu besoffen, um noch einen klaren Gedanken zu fassen und ging ins Bett. Kurze Zeit später war ich eingeschlafen.

Die Reise ging in aller Herrgottsfrühe los, ich rasierte mich und marschierte zum Bahnhof, trank dort einen Kaffee und aß irgendwas beobachtete die Menschen um mich herum. Sie wollten zur Arbeit. Hetzten in ihren Anzügen, quälten sich in die Züge oder studierte nervös die Fahrpläne. Das Frolein kam mal wieder zu spät, entschuldigte sich verlegen. Komisch, früh sehen alle Frauen irgendwie sexy aus, Männer dagegen einfach nur verschlafen. Wir gingen zum Zug, stiegen ein. Wir redeten nicht viel, über was denn auch, wir kannten uns ja kaum. Ich glaube, ich kannte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ihren Nachnamen. „Hey, wie heißt du eigentlich?" Sie guckte mich verdutzt an, als wäre ich irgendein Irrer, der ständig alles vergisst. Sie war so herrlich naiv. "Dein Familienname", fügt ich erklärend dazu. "Blomke" seltsam, dachte ich mir, ein sehr kalter Schauer lief mir über den Rücken. "Meine erste Frau hieß auch so", erklärte ich, "Was n Zufall!". "Nee ist es nicht – Sabrina ist meine Schwester".

Rumms. Da war es wieder mein altes Leben. Stress, Kinder und Sabrina. Es war kein sehr schöner Abschnitt meines Lebens. Gleich nach der Heirat hassten wir uns, ich konnte ihre Freunde nicht leiden, ihr gingen meine Frauengeschichten auf den Sack. Eigentlich heirateten wir nur wegen der Kinder. Nach zwei Jahren trennten wir uns – trotz der Kinder. Ich verzichtete auf alles, hatte keinen Bock auf den alten Mief, alles hätte mich an sie erinnert. Ich zog in eine andere Stadt, ordnete mein Leben neu und vergaß diese Jahre der Abhängigkeit und der Gebundenheit. Ich brauchte Abwechslung, neue Freunde. Damals fing ich auch mit Schreiben an.

Warum verfolgt mich mein altes Leben auf diese absonderliche Weise, warum kam ich mir damals im Zug so verfolgt vor, ich hatte Angst vor Sabrina, damals vielleicht noch mehr als heute, nach allem was vorgefallen war. Ich fragte mich, warum die Schwester, die ich vorher noch nie gesehen hatte – sie war lange Zeit, glaube ich, in Afrika -, mich unbedingt mit mir treffen wollte, warum sie mit mir verreisen wollte.

Mein Leben ist eigentlich noch nie spannend gewesen. Gut ich war fünf Jahre in Afrika, aber das war’s auch. Früh fing ich mit studieren an und irgendjemand hat mir mal angeboten, irgendeine Forschungsprojekt im Dschungel zu machen. Es hat mir gefallen, es war eine schöne Zeit. Mal was anderes. Aufgewachsen bin ich in einer Kleinstadt, Vater ist früh gestorben und Mutter hat uns zwei großgezogen. Meiner Schwester ist zwei Jahre älter als ich und hat schon immer (in der Schule mehr als jetzt vielleicht) mehr Glück mit Männern. Mich interessierte die Wissenschaft mehr als das.

Als ich nach den fünf Jahren wieder zurückkam hatte sich viel verändert. Meine Mutter ist gestorben, meine Schwester hatte geheiratet, Kinder bekommen und war schon wieder geschieden. Ich mochte sie, wohnte eine Zeitlang bei ihr. Wir hatten viel Spaß, sie erzählte mir viel über ihren Ehemaligen. Sie hatten keinen Kontakt mehr miteinander, er bezahlte sein Geld regelmäßig aber mehr auch nicht.

Eine Zigarette am Sonntag Morgen ist die beste in der ganzen Woche. Es ist Ende Oktober, die letzten Sonnenstrahlen erwärmen meine Wohnung, die Pflanzen und mich. In den Sonnenstrahlen wirkt der blaue Dunst so poetisch, unbekümmert. Es ist nun schon einen Monat her, seitdem wir in der großen Stadt waren. Es war die Reise, von der ich so viel erhofft hatte, es war die Frau, von der ich soviel erwartet habe. Jetzt ist alles vorbei, ich sitze am Sonntag morgen alleine an meinem Schreibtisch und denke nach über Zigarettendunst. Ich bin alleine – alles ist so wie vorher, nichts, aber auch gar nichts hat sich geändert.

Die Reise stellte sich schon bei der Anreise als Fehler raus. Sie war die Schwester meiner Ex-Frau, eine zugegebenermaßen scheiß Situation. Wir schwiegen eine Weile und dann unterhielten wir uns über unsere Pläne in der großen Stadt. Über Sabrina fiel and diesem Tag kein Wort mehr. Sie wollte feiern, ich wollte andere Leute sehen. Mal raus aus dem Kleinstadt-Mief. Den Rest der Fahrt haben wir beide gelesen. Ich konnte mich nicht konzentrieren, betrachtete sie mir die ganze Zeit. Es hätte mir eigentlich von Anfang an auffallen müssen – sie hatte große Ähnlichkeiten mit Sabrina. Sie war groß und hatte diese komische Blomke-Nase, ein wenig klein, aber nicht zu klein.

keynote #3

es gibt wohl nichts entspannteres, als morgens mit kaffee und kippe die
lokalnachrichten dieser republik zu studieren. was bewegt die stadt und
metropolregion nürnberg?

die führerlose fahrerlose u-bahn heißt lieber automatische, weil das
angenehmer klingt. trotzdem fahren noch fahrer mit, weil das vertrauen
schafft…
sauf-parties (die mit der alkohol-flatrate), werden auch hier
diskutiert. man denkt unter anderem über eine härtere sperrstunde nach.
traurig.
und landrätin gabriele pauli hat sich nicht aus- sondern angezogen (mit
lack und leder) und ließ sich ablichten für ein eher zweitrangiges
magazin. das sorgt für gesprächsstoff.
hinter das geheimniss des nazistadions bin ich noch nicht gestiegen,
aber ich bleibe dran!