Wir gehen dahin, wo es wehtut. Und dekadente Shoppingtempel stoßen uns gleichermaßen ab wie sie uns anziehen. Irgendwo hinter Spandau ist das große Outlet Center, schon ewig, die Betreiber haben bereits mehrmals gewechselt. Riesige Parkplätze umzingeln eine pitoreske Ansammlung kleiner Gebäude – ein Markendorf, das einer brandenburgischen Gemeinde um 1835 ähneln soll1. Dabei sieht das Dorf eher wie Seahaven2 aus.

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Dem geneigten Leser mag dies gruselig erscheinen – in Wahrheit ist es jedoch viel schlimmer. Menschen schieben sich an diesem Samstagnachmittag über die Promenade von Laden zu Laden, jeder bereits mit Tüten bewaffnet, auf denen groß die Labels zu lesen sind. Und diese Menschen sind die liquide Mittelschicht, sie gehen keinen prekären oder gar keinen Beschäftigungsverhältnissen nach, sie verdienen und wollen es zeigen. Das ist kein Berliner Durchschnitt, höchstens Steglitz und Speckgürtel. Man hört auch viel ausländisch und gruselt sich vor der Vorstellung, das dies ein fester Programmpunkt auf der Europareise sein könnte.

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Entsprechend sind die Läden dann auch nicht H&M und C&A dm und Nanu-Nana3, sondern eher so Friedrichstraße, aber da kenn ich mich zuwenig aus. Dazwischen gibts auch Essen, der alten Shopingmall-Regel des Foodcourts folgend.

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Doch was ist das eigentlich, ein Outlet Center? wikipedia weiß es besser: “Fabrikläden befinden sich nicht unbedingt in unmittelbarer Nähe der Fabrik.” Da wird Ware angeboten aus der letzten Saison oder das, was sich nicht verkauft hat. Zu reduzierten Preisen. Kann man nicht in den eigenen Läden machen, da man sich sonst die Preise kaputt macht4. Das zielt auf den ureigensten Jäger- und Sammlertrieb des Menschen. Denn ein rabattierter Schuh schüttet vermutlich die gleichen Hormone aus wie ein erlegtes Mammut5.

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Der Nike-Laden hatte ein technisches Problem, kurz wurde der Laden geräumt und eine Traube bildete sich davor.

Doch was meckere ich hier eigentlich so viele Zeilen lang? Ich war ja selber da und im Gegensatz zu Konsumtempeln in der Innenstadt stolpert man da nicht zufällig rein, sondern entscheidet sich bewußt für die Anreise6. Irritierend und verstörend ist das Shoppingdorf aber schon, ohne dass ich das erklären kann – ob das an dem unreflektierten Shoppen liegt, an der Künstlichkeit, an dem Fehlen jeglicher Natürlichkeit? An dieser Stelle könnte auch Anti-Amerikanismus stehen – immerhin kamen Mall und Outlet über den Atlantik – denken Sie sich ihren Teil. Das Problem sitzt vermutlich tiefer und hat mit Gesellschaftkritik zu tun. Lassen wir das für Heute und freuen uns über diese Statue, einer Ikone des Konsumismus:

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  1. schrob die Morgenpost schon 2009 []
  2. die Küstenstadt unter der Kuppel im Film Truman Show, 1998 []
  3. vgl. dazu Marc-Uwe Klings dezente Innenstadtkritik Das Kettenkarussell []
  4. in der Provinzstraße riecht es manchmal penetrant nach Essig von der Kühne-Fabrik, die haben auch einen Fabrikverkauf []
  5. siehe dazu auch Thaler et al []
  6. es gibt auch einen Shuttle aus Berlin []

Symbolbild (Februar 2006)

Tom König beschreibt auf Spiegel Online seine Einkaufserlebnisse mit viel zu großen Einkaufswagen. Und verrät ein offenes Geheimnis:

Es geht eben keiner mehr dreimal die Woche zu Feinkost Habermann. Stattdessen bevorratet man sich lieber, möglichst für den ganzen Monat.

Unser Einkaufsverhalten sieht anders aus: Drei bis viermal pro Woche zum Discounter, je nach Bedarf. Essen immer für ca. zwei Tage. Hab auch schon überlegt, warum: Es gibt kein Auto, das den Monatsvorrat nach Hause beamen könnte. Und wir müssten auch ziemlich lange fahren, um zum nächsten Feinkost-Delikatessen-Laden zu kommen. In die Wilmersdorfer vielleicht oder tief nach Mitte, vielleicht nach Zehlendorf. Im Wedding gibts derlei Lädens gar nicht.

Ist ein bisschen monokulturell geworden, das Einkaufen. Im Grunde kann man sich zwischen 2-3 Discountern in der Nähe entscheiden, die sich nur minimal voneinander unterscheiden. Gut, die Handelsmarken sind jeweils ein bisschen anders verpackt, aber schmecken tut es überall gleich.

wie sieht das bei der geneigten leserschaft aus?

am wochenende ist wieder das alljährliche holyshitshopping. ich habs da ja noch nie hingeschafft und auch diesmal nicht. erfahrungsberichte anyone?

postbahnhof im ostbahnhof
straße der pariser kommune 8
Sa, 13.12. 12-22h
So, 14.12. 12-20h
Eintritt 3 €


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jetzt ist schon wieder was passiert. und schon wieder ist LIDL involviert. und ich bin darauf reingefallen. na toll. da verkauft also unser lieblings-LIDL fläschken, die so aussehen, wie normale. doch in wahrheit sinds pfandflaschen für 25cent. und bringt man die zurück, werden die meist nur mit 8cent erstattet. die differenz von 17cent nennt man pfandschlupf und der landet in den taschen der LIDL-funktionäre. skandal, das.

in den nächsten wochen werden wir uns mit einem wichtigen thema beschäftigen: arbeit. vergangenheit, gegenwart und zukunft der arbeit werden wir beleuchten, alternativen aufzeigen und nach hintergünden forschen. eigentlich wollte ich schon anfang des jahres damit anfangen, aber es kam soviel arbeit dazwischen, deswegen jetzt erst. den anfang macht eine kleine buchbesprechung über arbeit anderswo:


ich habe es verschlungen. es ist weder komisch, auch keine liebesgeschichte, und um kultur gehts auch nicht. es geht ums überleben. die handlung ist schnell erzählt: eine handvoll osteuropäer (und ein afrikaner) machen sich auf den weg nach england um geld zu verdienen. weil es da besser bezahlte jobs gibt. doch schnell merken sie, dass die bessere bezahlung durch reichlich abzüge und windige chefs zusammendampft und die jobs knochenarbeit sind. sie merken schnell, dass sie verheizt werden, das große geld machen andere.

es geht um arbeit, die protagonisten sind hochmotiviert und wollen geld verdienen. nicht illegal, sondern durch ehrliche, harte arbeit. dafür sind sie bereit, jeden noch so miesen job anzunehmen. die miesen “personalvermittler” (aka menschenhändler) nutzen deren situation aus und sind neben den arbeitgebern die profiteure. nicht jedoch die arbeiter.

lösungsansätze bietet das buch nicht, dafür ist es viel zu sehr roman. einmal tritt ein gewerkschafter auf, doch dessen anliegen versteht keiner und er verschwindet ungesehen eine seite weiter. marina lewycka ist eine lesenswerte beschreibung gelungen. eine beschreibung der sehnsüchte, der hoffnung und der verbitterung.

und fährt man im zug oder im bus nach osten oder kommt von dort, dann sieht man sie: die modernen wanderarbeiter, die frauen, die männer. sie arbeiten in ganz westeuropa, teilweise illegal. weil es da jobs gibt, weil da das große geld lockt. arbeitskraft ist schon immer dorthin gegangen, wo arbeit ist, keine frage. die globalisierung und die öffnung des arbeitsmarkts waren da nur katalysatoren. doch zu welchem preis? es leiden die familien und die arbeiter selbst.

ein erster lösungsansatz wäre sicher, die arbeitsbedingungen zu verbessern und die bisher illegalen beschäftigungsverhältnisse zu legalisieren. also eine ausweiterung der arbeitnehmerfreizügigkeit. das würde die arbeit zwar verteuern und damit die produkte. doch letztendlich liegt es auch an uns verbrauchern, die immer billig einkaufen müssen.

meinungen dazu?

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der stern hat es, spiegel schreibt ab und wir regen uns auf und schreien nach gerechtigkeit, nach dem eingreifenden staat und versprechen nie wieder zu lidl zu gehen. ganz ehrlich.

daraufhin kauft keiner mehr bei lidl und es kommt zu entlassungen. wahrscheinlich müssen frau M. und N. zuerst gehen. aber zum glück sind wir zufrieden und satt und fühlen uns besser, wieder mal die welt gerettet zu haben.

(stattdessen sollten wir mal anfangen nachzudenken, in was für einer welt wir eigentlich leben wollen?)

[nachtrag:] inzwischen haben es alle und jeder bloggt drüber. so langsam glaube ich eher an eine geschickte stern-kampagne (morgen kommt er mit diesem titel) – doch was wird da neues drin stehen? und wetten, dieses skandälchen schaffts sogar in die tagesschau…?

btw: wo waren denn die ganzen moralwächter als die bunderegierung ähnliches vorhatte? 30.000 unterschriften! unter aller sau. echt jetzt mal.

essen

heute abend gabs tk-essen. willkommene abwechslung zur üblichen döner-, stullen- und bäckerbaguette-ernährung. highlight genug also, um ein wenig darüber zu schreiben. das zeug hieß ‘gyros reispfanne’ und war wirklich lecker. irgendwann letzte woche beim discounter um die ecke gekauft und fast vergessen im kühlschrank. der untertitel ‘leckere mediterane küche’ hat auch wirklich nicht zu viel versprochen. fühlte ich mich beim essen ein wenig wie zeus in Ηράκλειο. fehlte nur noch sonne, wärme und guter wein. aber ich schweife ab. hergestellt wird das ganze von elbtal, eine frosta-gesellschaft mit sitz im heimischen sachsen. frosta hat sogar einen corporate blog. wie toll. upps, schon wieder arbeitsplätze erhalten. da schmeckt das essen gleich doppelt. in nur 10minuten in der pfanne gebrutzelt und lecker. sogar das gyros schmeckte wie beim mitte-döner. ein manko gibts allerdings: die masse aus der tüte entspricht nicht der endmenge. das fällt irgendwie in sich zusammen. kann das vielleicht jemand erklären? den preis kann ich hier nicht wiedergeben, ich schaue beim einkaufen nicht auf den preis, das mag jetzt dekadent klingen, ist aber eher faulheit.

anmerkungen an mich: demnächst mehr wert aufs essen legen // nach weiteren tollen tk-produkten ausschau halten // eventuell mich irgendwo zum essen einladen, selber kochen soll ja auch schmecken // endlich mal wieder politischer bloggen