höre gerade den podcast 038 Schwarzweiße Filmtypen von Absolut Analog und ok, es gibt mehr schwarzweiß-filme und -typen als ich dachte. hier eine auswahl an bildern von einer rolle panchromatischen films mit schön viel korn. eine reise an die polnische ostssee und eine einsame flasche mate.

Film: Kodak T-MAX 400 (5053 TMY)
Kamera: Nikon F4s
Zeit: Juni 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (3,35 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

Jede Geschichte, auch diese Geschichte vom Caravaning, ist eine Geschichte des Klassenkampfs. Nur dass sich hier die gesellschaftliche Demarkationslinie zwischen den Zelten und den Wohnwagen materialisiert. Eine Woche Urlaub in einem Wohnwagen auf einem polnischen Zeltplatz ersetzt ein Semester Soziologie, den Schein gibts an der Rezeption.

Unser Wohnwagen ist über zwanzig Jahre alt und gehörte einer – Achtung! Klischee! – niederländischen Familie und nun der schönen Mitbewohnerin ihren Eltern. Er ist weiß, wie überhaupt alle Wohnwagen1 und es gibt einen gigantischen Zeltvorbau. Im Wohnwagen selbst ist viel Platz zum Schlafen und Verstauen, nur nicht zum Bewegen. Es gibt eine Nasszelle mit Chemieklo, ein Kochfeld mit Gas, Strom, einen Kühlschrank, einen Fernseher.

Perfekt ausgestattet also, nur fließend Wasser fehlt, das muss vom Hahn geholt werden und das Trinkwasser wird im Laden gekauft. Duschen und Klos sind nicht weit, nur warmes Wasser gibt es nicht oft. Dreckiges Geschirr wird auch woanders abgewaschen und so besteht der Tag aus Hin- und Herlaufen und auf den Wegen herrscht geschäftiges Treiben, weil es allen so geht. Dazwischen Rad fahrende und spielende Kinder. Abends Stimmengewirr und Feierlaune. Wer Ruhe sucht, sollte nicht auf einen Campingplatz fahren. Rumliegen und Nichtstun kann man in einem All-inclusive-Cluburlaub, hier wird geschafft und Alltag en miniature gespielt. Unter ständiger Beobachtung, denn Privatsphäre gibt es nur im Wohnwagen, und da ist notorischer Platzmangel. Also akzeptieren, dass jedes Tun nicht unbeobachtet bleibt.

Uns gegenüber wohnt ein veraltetes Ehebärchen, die einen Großteil des Tages vor ihrem Wohnwagen verbringen, stricken und reden. Zwei Monate des Jahres sind sie hier, seit 20 Jahren. Das ist Kontinuität. Sie kennen jeden, quatschen mit jedem. Neuzugänge betrachten sie mit Argwohn. Wenn einer aus der Reihe tanzt, wird er schon mal angeschwärzt bei der Verwaltung, Ordnung muss sein. Kann ja nicht sein, dass einer nach 24 Uhr noch Spaß hat. Das sind zum Glück die einzigen Kleingartennazis, ansonsten viele Familien mit noch mehr Kindern und entspannten Eltern. Im Großen und Ganzen kann man tun, was einem beliebt. Nur bleibt das eben nicht unkommentiert.

Mit denen, die nur ein Zelt habe, hat man nichts gemein, die trifft man nur am Strand und im Wassertrakt, erkennbar am mitgebrachten Wasserkocher, so ein Zelt hat eben kein fließend Strom.

Und nun die Antwort auf die brennendste aller Fragen: Was passiert mit dem Inhalt von einem Wohnwagenklo? Es muss ausgeleert werden, per Hand sozusagen, auf einem kleinen Wägelchen rollt man zur speziell dafür vorgesehenen Anlage…


  1. Offenbar bin ich nicht der einzige, der sich diese Frage stellt. Die Antwort hier, banal, ihr ahnt es: Kosten, Hitze, blabla []

in den nächsten wochen werden wir uns mit einem wichtigen thema beschäftigen: arbeit. vergangenheit, gegenwart und zukunft der arbeit werden wir beleuchten, alternativen aufzeigen und nach hintergünden forschen. eigentlich wollte ich schon anfang des jahres damit anfangen, aber es kam soviel arbeit dazwischen, deswegen jetzt erst. den anfang macht eine kleine buchbesprechung über arbeit anderswo:


ich habe es verschlungen. es ist weder komisch, auch keine liebesgeschichte, und um kultur gehts auch nicht. es geht ums überleben. die handlung ist schnell erzählt: eine handvoll osteuropäer (und ein afrikaner) machen sich auf den weg nach england um geld zu verdienen. weil es da besser bezahlte jobs gibt. doch schnell merken sie, dass die bessere bezahlung durch reichlich abzüge und windige chefs zusammendampft und die jobs knochenarbeit sind. sie merken schnell, dass sie verheizt werden, das große geld machen andere.

es geht um arbeit, die protagonisten sind hochmotiviert und wollen geld verdienen. nicht illegal, sondern durch ehrliche, harte arbeit. dafür sind sie bereit, jeden noch so miesen job anzunehmen. die miesen „personalvermittler“ (aka menschenhändler) nutzen deren situation aus und sind neben den arbeitgebern die profiteure. nicht jedoch die arbeiter.

lösungsansätze bietet das buch nicht, dafür ist es viel zu sehr roman. einmal tritt ein gewerkschafter auf, doch dessen anliegen versteht keiner und er verschwindet ungesehen eine seite weiter. marina lewycka ist eine lesenswerte beschreibung gelungen. eine beschreibung der sehnsüchte, der hoffnung und der verbitterung.

und fährt man im zug oder im bus nach osten oder kommt von dort, dann sieht man sie: die modernen wanderarbeiter, die frauen, die männer. sie arbeiten in ganz westeuropa, teilweise illegal. weil es da jobs gibt, weil da das große geld lockt. arbeitskraft ist schon immer dorthin gegangen, wo arbeit ist, keine frage. die globalisierung und die öffnung des arbeitsmarkts waren da nur katalysatoren. doch zu welchem preis? es leiden die familien und die arbeiter selbst.

ein erster lösungsansatz wäre sicher, die arbeitsbedingungen zu verbessern und die bisher illegalen beschäftigungsverhältnisse zu legalisieren. also eine ausweiterung der arbeitnehmerfreizügigkeit. das würde die arbeit zwar verteuern und damit die produkte. doch letztendlich liegt es auch an uns verbrauchern, die immer billig einkaufen müssen.

meinungen dazu?