Farbe: bunt

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Effingers

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vor jahren las ich Käsebier erobert den Kurfürstendamm, eine geschichte über einen sänger im berlin der späten zwanziger jahre. Effingers erzählt von zwei familien und umspannt die zeit kurz nach der reichsgründig bis zum ende des zweiten weltkriegs.

die geschichte ist fiktiv, trägt aber durchaus autobiographische züge und ist eingebettet in wahre begebenheiten. es ist – ähnlich wie die Buddenbrooks – eine geschichte vom niedergang einst angesehender familien. man wohnt mondän am rand des tiergartens und empfängt jeden sonntag familie und freunde. doch neue zeiten kommen und das alte geld wird weniger, die industrialisierung erfordert neue investitionen, gefragt sind unternehmer und fabrikanten. doch auch deren existenz ist nach dem ersten weltkrieg bedroht und wieder ist umdenken und anpassung erforderlich. beide familien sind jüdisch, der aufstieg der nazis und die verfolgung löscht fast alle mitglieder aus.

durch heirat verweben sich die unterschiedlichen familien, es gibt konflikte zwischen altem und neuem geld, zwischen den generationen, zwischen müttern und töchtern. politische und religiöse gräben tun sich auf, neue perspektiven und lebensentwürfe sind möglich in der zeit nach dem ersten weltkrieg, kopfschüttelnd kommentiert von der alten generation.

geschrieben in mal kurzen, mal langen kapiteln, viele gespräche, briefe, beobachtungen, zeitungsartikel. und viel berlin, die heimliche protagonistin, ihre transformation von der biedermeierschen residenzstadt zur weltmetropole.


siehe auch:

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Faserland

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der beginn der popliteratur. der ätzende ich-erzähler zeigt uns seine welt, reist durch deutschland und ist irritiert von seinen freunden. alle tragen abgewanzte barbour-jacken (das musste ich nachschlagen). die alten freunde sind komisch geworden, man versteht sich nicht mehr, oder nimmt die falschen drogen. überhaupt geht es drunter und drüber mit der hauptfigur, geld spielt keine rolle oder man hat zuviel davon. gearbeitet wird nicht, man lebt. dekadent und kaputt. die fehlende sympathie mit den figuren wird durch den flüssigen erzählstil ausgeglichen, es ist ein dünnes büchlein, der wikipediaeintrag ist fast ebenso lang. muss man das 2021 noch lesen?

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Panikherz (Hörbuch)

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tatsächlich habe ich um die bücher und artikel des autors immer einen bogen gemacht. das popliterarischen gibt sich eben auch als stumpfsinnig. offenbar habe ich echt was verpasst. nun denn, vorliegendes buch ist seine (vorläufige) autobiographie, sozusagen das ehrlichste von allen. die knapp 17h hörbuch (vom autor gelesen) sind ein gewaltiger ritt durch die musikszene der neunziger, drogensumpf, entzugsklinik und rückblick am pool in LA. ein imposantes leben, viele abstürze, viele bekannte weggefährten. vor allem Udo Lindenberg und Bret Easton Ellis. schön geschrieben und auch ein bisschen knifflig, man muss sich als hörer konzentrieren, um die zeitebenen nicht durcheinander zu würfeln. die vielen namen und fremden stimmen sind auch ablenkung, selbstschutz, damit er sich nicht mit sich und seinen problemen auseinander setzen muss. das mag frustrierend sein, anderseits ist es ein eindrucksvoller blick auf die medienbranche und ihre mechanismen. man möchte nicht tauschen.

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Der Abfall der Herzen (Hörbuch)

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der autor entdeckt seine tagebücher, die er als jugendlicher in der provinz geschrieben hat. immer tiefer und intensiver setzt er sich mit seiner vergangenheit auseinander. der leser bekommt episoden, eskapaden und allerlei anekdotisches mit. wir treffen im jetzt die weggefährten von damals, sie erinnern sich gemeinsam. im hörbuch dazu noch ihre o-töne. es war eine stinkormale kindheit und jugend in rheine, so viel klischee muss sein. und doch hat dieser permanente abgleich zwischen tagebuch, erinnerung und wahrnehmung ihren eigenen reiz und man kann nicht weghören. anstrengend ist es, für den autor, wie auch für den leser. die schmerzen des damals sind noch da und tun wieder weh. kaputte liebe, die schläge, die kopfschmerzen nach den nächten.

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Trinker, Cowboys, Sonderlinge: Die 12 seltsamsten Präsidenten der USA

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spannende reise durch die geschichte der amerikanischen präsidenten. durch eine sehr deutsche brille gesehen, aber höchst unterhaltsam. trump wird kaum erwähnt, das buch entstand aber natürlich unter dem einfluss seiner absurden amtsführung. das buch kratzt höchstens an der oberfläche, als einstieg aber dringend zu empfehlen und liefert genügend stoff, um sich intensiver mit dem land der gegensätze und verrücktheiten auseinander zu setzen.

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Willkommen in Lake Success (Hörbuch)

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vorweg: das habe ich nicht zuende gehört. zu langatmig, schwafelnd, ohne ziel und unterhaltung. es geht um einen reichen broker, der seine lebensgeschichte aufarbeitet, während er bus fahrend vor seiner frau flieht. der new york times-bestseller ist irgendwie politisch, aber auf einer sehr verkopften ebene und als europäer schwierig zu dechiffrieren. ähnlich erging es mir beim buch Kleiner Versager vom selben autor.

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Willow in Deutschland (Hörbuch)

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das habe ich nicht zuende gehört und es lässt mich ratlos zurück. auch wenn Christian Ulmen das hörbuch liest. auch wenn die idee witzig ist – ein außerirdischer kommt nach deutschland und wundert sich über menschen im allgemeinen und die deutschen im besonderen – so ist es doch seltsam flach und vorhersehbar. zu platt die witzchen und zuwenig absurd. auch wenn das buch im ruhrgebiet (?) spielt und die dortigen verhältnisse charakterisiert werden. nein, das haben wir alles schon mal besser gelesen, bei Douglas Adams natürlich, selbst bei Horst Evers, der sich unfassbar übernommen hat, aber viel bessere ideen hatte.

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Der Schneemann (Hörbuch)

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Nach Das Schlangenmaul mein zweites Buch von Fauser, diesmal gehts um einen abgeranzten Vertreter, der plötzlich eine Menge Kokain hat und es versucht zu verkaufen. Das führt ihn in üble Gegenden von München nach Frankfurt bis Holland. Natürlich fühlt er sich verfolgt und verraten, wird es auch, aber anders als gedacht. Auf niemanden kann er sich verlassen, lässt sich aber trotzdem mit den Falschen ein. Die Story ist linear und man kommt aus dem Kopfschütteln über den Protagonisten Blum nicht heraus. Interessanter sind aber die Dialoge und pessimistischen Weltanschauungen. Es gibt nicht viel Hoffnung in der BRD der achtziger Jahre. Alles ist Sumpf und kaputt, jeder will dich übers Ohr hauen. Die lakonische Erzählweise Fausers kann einen den Tag versauen. Dabei bewegt er sich erzählerisch zwischen Hunter S. Thompson und Don Winslow. Und auch spannend, wie sich die Sprache und auch die Gesellschaft nach mittlerweile fast vierzig Jahren geändert hat. Wie Fauser über Migranten und Ausländer schreibt, würde heutzutage sofort Shitstorms erzeugen, man muss es also als historisches Dokument lesen bzw. hören.

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Das Leben des Vernon Subutex, Teil 1

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Kann man Frankreich verstehen? Immer wenn man glaubt, die französische Seele erkundet zu haben, passiert wieder etwas unerwartetes. Dieser Tage sind es die Gelbwesten, die allwöchentlich Furore machen und mediale Aufmerksamkeit bekommen. Seit ein paar Jahren die Mouvance identitaire (dt.: IB). Und immer wieder soziale Proteste (siehe dazu). Mir dünkt, die französische Gesellschaft ist radikaler und fortschrittlicher und auch weiter in der Debatte um soziale Fragen als die verschnarchten Deutschen. Auch wenn die Antworten der Franzosen manchmal erschrecken.

Das passende Buch zur Debatte lieferte Virginie Despentes bereits 2015. Es ist ein verstörendes Buch und leider viel zu schnell zu Ende. Der ehemalige Plattenverkäufer verliert die Wohnung, zieht von Freund zu Freund, hat Höhen und Tiefen, rutscht dann in die Obdachlosigkeit. Die Wirklichkeit hat natürlich nichts zu tun mit der romantischen Vorstellung vom Pariser Clochard.
Neben diesem Hauptstrang gibt es einige Nebenstories, teilweise wird aus der Sicht der Freunde erzählt. Da sie sich bereits in ihren Vierzigern und Fünfzigern befinden, geht es oft um früher, also die Neunziger Jahre. Einer aus der Clique hatte Erfolg und Kohle, ist aber inzwischen tot.
Dazwischen immer wieder popkulturelle Referenzen und Namen, die dem deutschen Leser nicht unbedingt alle was sagen. Egal. Oberflächlich fühlt es sich an wie eine Mischung zwischen Philippe Djian und Bret Easton Ellis. Es gibt viele Drogen und Highs und Abstürze.
Dazwischen immer wieder die politischen Ansichten der Protagonisten, ihre Biographien, ihre Ansichten. Kurz: Alle Leben sind verkorkst, es gibt weder Hoffnung noch Liebe, nur Sucht oder Resignation. Nur Radikalität und Verbitterung. Die Flüchtlingsdebatte wird ähnlich geführt, man fürchtet Überfremdung.
Auch wenn es ätzend ist und anstrengend zu lesen, bin ich doch auf Teil 2 und 3 gespannt.

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Illuminatus! Das Auge in der Pyramide.

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ein wahnsinniges buch und nun endlich habe ich es auch mal gelesen. sollte man ja eher machen, wenn man unter zwanzig ist aber naja. im grunde gibt es mehrere sich überlappende handlungen und protagonisten und alles passiert gleichzeitig und doch woanders und der leser steht vor einem scherbenhaufen. aber das ist nicht schlimm, im nächsten halbsatz geht ein anderer handlungsstrang weiter. es gibt so viele kulturelle und popkulturelle referenzen und – nach inzwischen mehr als 40 Jahren – kann man die wirkung des buches kaum übertreiben. ohne es gelesen zu haben, jeder kennt die seltsamen vertrickungen der illuminaten, die bedeutung der 23, die pyramiden und goldenen äpfel. aber es stimmt ja alles, hat sich ja niemand ausgedeacht.

HEIL DISKORDIA!

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Spirou in Berlin

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Spirou und Fantasio, das habe ich als Kind oft gelesen. Für den aktuellen Band durfte Flix zeichnen und texten und es ist toll geworden. Die beiden Helden verschlägt es nach Ost-Berlin und sie bekommen Ärger mit Stasi & Co. Tolle Details sind zu entdecken, es macht Spaß. Kauft es, verschenkt es – ihr macht dabei nichts falsch.

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Kinderland

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dicker comic über kindheit und jugend im ostberlin der untergehenden ddr. der protagonist mirco watzke aus der 5a hat ärger mit älteren, seinen eltern, lehrern und sich selbst. zum üblichen erwachsenwerden kommen zwang und absurditäten des ddr-alltags. schön gezeichnet und spannend zu lesen. am ende des buches wird die mauer geöffnet und es gibt begrüßungsgeld. aber für mirko ist die politik nicht wichtig, er will nur tischtennisspielen. und so wird das private politisch und das politische privat, wie in allen büchern und filmen über dieses kleine absurde land, was es seit mittlerweile fast 30 jahren nicht mehr gibt.

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Berlin Feuerland: Roman eines Aufstands (Hörbuch)

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März 1848 – Barrikaden, Schüsse und Revolution. Die Arbeiter erheben sich gegen Armut, Frühkapitalismus und König. Man will mitbestimmen und sich nicht gnadenlos ausbeuten lassen. König und Militär reagieren nervös und schießen zurück. Der Aufstand endet unglücklich, am Ende haben alle verloren. Es gibt ein bisschen Demokratie, Adel und König revidieren ihre Zugeständnisse.
Die spannenden Ereignisse dieser Tage werden anschaulisch erzählt, eingebettet in die Geschichte einer unglücklichen Romanze und einer (imho) mißglückten Spionage-Nebenhandlung. Der Roman ist sehr gut recherchiert, es entsteht ein plastisches Berlin-Bild.
Trotzdem ist es in unserer Zeit entstanden, wir lesen und rezipieren es vor dem Hintergrund unserer eigenen gesellschaftlichen Grundordnung, sich in damalige Gedanken und Entscheidungen hineinzuversetzen fällt schwer. Aber daran krankt wohl jedes Buch mit historischem Inhalt.

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Ready Player One

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Computer games are not only pop culture they are parts of our identity. This book is for all who have spend hours of hours in their youth in front of displays. It’s full of citations and allusions from famous and obscure games and movies of the 80ies and early 90ies. The story is set somewhere in near future when virtual reality and real life become one big game. When big companies control your identity and life. When earth is fucked up. And when there is only one chance to change the future to somthing better.

It’s real fun to read. Steven Spielberg is directing the movie adaption currently which will be published next year wikipedia says.

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The Martian

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never read such a detailed nerdy story before. astronaut mark watney is lost on mars and now he has to survive. almost the entire book is written in log entries in offensive language but also with a bunch of technical and nerdy stuff. imagine the process of creating water from a scratch or planting potatoes in a tiny hab on a planet without any track of life or just to set up some communication. once the NASA gets scent of someone is left on mars they concentrate all ressources and energy to save him – this kind of humanity is the real fiction in my guess, some kind of hollywood-esque story telling which is not realistic. but who knows? perhaps in near future we will be more emphatically than today.