Erscheinungsjahr: 2012

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WIZZYWIG

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eine geschichte um einen fiktiven hacker in den siebzigern/achtzigern. voll mit realen begebenheiten ergibt sich ein stimmiges bild der anfänge des hackens und phreakens. am anfang stand das kostenlose telefonieren mittels simpler pfeiftöne. das wurde professionalisiert und man baute sich blue boxen, an dieser stelle spielen auch apple-gründer Steve Jobs und Steve Wozniak eine reale rolle. weiter gehts mit dem hacken in die datenbank der telefongesellschaft und das manipulieren von abrechnungsdaten.

natürlich kann ein comic nur an der oberfläche der geschichte kratzen, aber der autor schafft einen spannungsbogen bis zum schluss, indem er bspw meinungen aussenstehnder einholt („vox pop“), die story vom befreundeten radiomoderator erzählen lässt und teilweise recht nerdig ins detail geht. ich lese in anderen rezensionen von kritik am zeichenstiel („Der Seitenaufbau erfolgt nahezu immer im gleichen Bildraster, die Zeichnungen wirken statisch.„, Michael Brake in taz, 1.6.2014) – mir hats gefallen und text und bilder passen stimmig.

H I N W E I S
in diesem zusammenhang empfehle ich einmal mehr das wunderbare hörspiel Captain Crunch von Evrim Sen und Denis Moschitto, WDR 2010

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Das Herz der Nation an der Bushaltestelle: Polnische Reportagen

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Polen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, das war wohl eine wilde Zeit, die vieles hinweg gefegt hat, viel neues gebracht hat, aber vor allem auch Unsicherheit und Armut. Im Gegensatz zur ehemaligen DDR gab es kein reiches Westdeutschland – man war auf sich gestellt. Die Reportagen stammen aus den späten Neunzigern, Anfang Nuller. Nowak geht dahin, wo die Menschen leiden, er besucht die Abgehängten und Alleingelassenen, Kranken, Kaputten. Trotz allem ist viel Hoffnung in den Menschen.

Die Reportagen sind frei von Wertung, Gefühlen, Eindrücken, es kommen ausschließlich die Protagonisten zu Wort, der Autor hält sich zurück. Das sind keine schmalzigen #relotius-Stücke, das sind handwerklich tolle Reportagen.

Leider ein wenig stiefmütterlich lektoriert, es sind einige Fehler drin.

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Morphin

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ein buch über einen, der alles hat, sich zwischen seinen identitäten bewegt, dem alles geschenkt wird. und plötzlich wird polen überfallen. als pole wird er in die kurzen kampfhandlungen 1939 involviert und bewegt sich nach der kapitulation durchs kaputte warschau, wird agent und es gibt noch mehr identitäten.

ein buch wie ein rausch, mit höhen und tiefen, abgründigen abstürzen und moralischer abstinenz. man möchte den protagonisten schütteln und zur vernunft bringen, weil er so wenig rückgrat hat, so schwach ist und dennoch liest man weiter. es sind die wirren des krieges, der so wenig krieg ist und mehr besatzung. es beginnen die judenverfolgungen, aber unser held ist kein freund der juden, lieber verzieht er sich zu seiner affäre. wird deutscher und verrät seine liebsten und sich selbst.

das buch liest sich wie im rausch, ähnlich zu Der Boxer vom selben autor, dennoch ist es ernster, beklemmender, unfertig, wie ein ungeschliffener diamant.

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Vier neue Nachrichten

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vier kurzgeschichten über kaputte menschen in zeiten des internets. in einer ähnlich kaputten sprache, woanders heißt das postmoderne. und wie wallace lässt auch cohen den leser verstört und rätselnd den buchdeckel zuklappen. da geht es nicht nur mir so.

die geschichten sind kleine universen, haben nichts miteinander zu tun, aber die sie bevölkernden gestalten ähneln sich. es sind zweifelnde, irgendwie zerstörte charaktere. einer will einen kompromittierenden blog über sich verschwinden lassen und geht daran fast zugrunde. einer schreibt beipackzettel, denkt aber bereits an sein großes buch, realität und fiktion verdrehen sich. in der dritten geschichte gehts um eine college-klasse, die angeleitet von ihrem prof ein haus bauen, erzählt aus der retroperspektive. die letzte geschichte ist am komplexesten und schwierig zu fassen. aus verschiedenen perspektiven werden pornoindustrie, menschenhandel und das leben im postsowjetrepubliken beleuchtet. am ende gehts zu wie bei sorokin. immer wieder greift der erzähler in die erzählung ein, alles verschwimmt.

ob das gut ist, wird sich bei weiteren büchern zeigen, warten wir es ab, mich hat es ausreichend verstört, sodass ich mehr davon brauche.

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Verteidigung der Missionarsstellung

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Ein Wolf Haas ohne Brenner? Das funktioniert, und zwar besser als erwartet. Ein Buch über die Liebe ohne Schmalz, ohne Beschreibungen von Irgendwas. Ein Roman, bereinigt um alles, konzentriert auf das Wesentliche, den Dialog. Existenzialistisch, fast wie in Wittgensteins Mätresse. Mit schnuckeligen Spielereien im Layout, [ANMERKUNGEN IN ECKIGEN KLAMMERN] und Sprachwissenschaftlichen Überlegungen. Lesen Sie dieses Buch, machen Sie langsam, es ist leider viel zu schnell vorbei…

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Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte: David Foster Wallace. Ein Leben

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max

das leben von David Foster Wallace war kein einfaches und so ist auch die biographie nicht leicht. es gab höhen, erfolge, zufriedenheit, glück. öfter jedoch gab es depression, nachdenken und (zumindest anfangs) drogen. ein kurzes leben – er wurde nur 46. er hatte früh erfolg mit dem besen, er schrieb den unendlichen spaß und eine menge kurzgeschichten. er gab kurse zum kreativen schreiben und literaturtheorie, wahrscheinlich hat er zu viel übers schreiben nachgedacht. seine depressionen und die starken medikamente in verbindung mit heftigem drogenkosum taten ihr übriges. ob er glücklich war? ich bezweifle es. aber wissen kann man es nicht, auch nicht nach der lektüre vorliegender biographie, die nur eine annäherung an leben und werk ist. aber eine empfehlenswerte.

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Prag. Eine Stadt in Biograhien

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biographien_prag

man kann sicher einer stadt auch über jene menschen nähern, die sie geprägt haben, die hier lebten und wirkten. zwanzig biographien, die eng mit der stadtgeschichte und der europäischen geschichte verknüpft sind. die hier lebten, litten, starben:

  • Wenzel von Böhmen
  • Karl IV.
  • Jan Hus
  • Judah Löw
  • Rudolf II.
  • Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein
  • Wolfgang Amadeus Mozart
  • Božena Nemcová
  • Bedrich Smetana
  • Antonín Dvorák
  • Jaroslav Hašek
  • Franz Kafka
  • Max Brod
  • Edvard Beneš
  • Egon Erwin Kisch
  • Lenka Reinerová
  • Alexander Dubcek
  • Emil Zátopek
  • Miloš Forman
  • Václav Havel

anschaulich erzählt und verknüpft mit touristischen zielen. nett.

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Der wilde Kontinent: Europa in den Jahren der Anarchie 1943 – 1950

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Ein gutes und wichtiges Buch. Weil es aufräumt mit Mythen und schwarzweißer Geschichtsschreibung. Es gab nie eine Stunde Null, die Einteilung in Gut und Böse greift viel zu kurz. Der zweite Weltkrieg war eine Sammlung von Konflikten verschiedenster Art: kulturell, rassistisch, national, religiös, usw., die sich teilweise überlagerten. Lowe dekliniert dies an den Besipielen Polen/Ukraine, Jugoslawien, Intalien, Frankreich, Deutschland durch. Zum Teil existieren diese Konflikte immernoch oder brachen in den Neunzigern wieder aus. Alle Besatzungsmächte, allen voran die Sowjets, aber auch die Westallierten, haben sich nicht so sauber verhalten, wie dies teilweise imm noch dargestellt wird. Bei der Darstellung lokaler Gräueltaten muss man natürlich immer den fabrikartigen Holocaust Nazideutschlands in Bezug setzen. Es diskutiert sowohl die Rheinwiesenlager wie auch die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten. Im Vordergrund stehen die Schicksale von Millionen von Menschen, die nach den offiziellen Kriegshandlungen unter den verschiedensten Bedingungen ums Leben kamen. Es ist kein schönes Buch und es macht keinen Spaß, aber es ist wichtig und gehört zu den besten, was ich je über das Thema las.

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Der Trafikant (Hörbuch)

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nette geschichte von einem jungen mann, der seine ausbildung in einer wiener trafik absolviert und zwischen nazis, erster liebe und sigmund freud verschollen geht. schön vorgetragen vom autor selbst. ich hatte mir mehr erwartet, die story ist ganz amüsant, nur leider sind die figuren allzu eindimensional und vorhersehbar. anderseits mochte ich die unaufgeregtheit, ist man gar nicht mehr gewohnt.

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Ein Hologramm für den König (Hörbuch)

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ein früher mal erfolgreicher berater aus usa muss für einen auftrag nach saudi-arabien. da elerbt er dann allerlei kurioses und findet zu sich selbst. ein roman über den kulturen clash, aber auch einer über einsamkeit und sehnsucht nach anderen. es ist ein buch über die globalisierte weltwirtschaft und ihrer (meist negativen) auswirkungen in familie, beziehungen und arbeit. wie alle bücher von eggers bleibt man alleine und etwas ratlos zurück nach der lektüre, aber man will auf diese erfahrung nicht verzichten.

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Was man für Geld nicht kaufen kann – die moralischen Grenzen des Marktes

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Sandel gilt als Vorbild für Mr Burns von den Simpsons und als Mitbegründer der kommunitaristischen Strömung.

Im vorliegenden Buch kritisiert er die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre, große Teile des menschlichen Miteinanders zu vermarkten: VIP-Lounges in Stadien, Emissionsrechte, Werbung auf der Stirn, Polzieautos. Also jenen Auswüchsen des Kapitalismus, die wir gemeinhin als Ausverkauf bezeichnen. Das ist bemerkenswert, weil er erstens Amerikaner und zweitens Harvard-Prof ist. Aber vielleicht sagt das mehr über mein Amerika-Bild aus als über ihn…

Das Buch trieft nicht vor linker Rhetorik und marxscher Dialektik, sondern kritisiert den Neoliberalismus in einer klaren und verständlichen Sprache.

Ein Argument ist besonders bermerkenswert: Wir werten die Dinge ab, sobald wir ihnen einen Preis geben. Das klang schon bei Sedlá?ek und Graeber an und es lohnt sich ein wenig, darüber nachzudenken.

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Kriegszeiten: Eine grafische Reportage über Soldaten, Politiker und Opfer in Afghanistan

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2014-02-05 19.49.47

Ein kluges und wichtiges Buch über den Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Es kommen Soldaten zu Wort, Hintergründe werden erläutert und die Verniedlichung des Einsatzes durch Worte in der Heimatfront wird scharf kritisiert. Es ist ein Krieg, den die Nato-Truppen führen und er ist verloren. Das liegt nicht an den Soldaten, als vielmehr an Politik und dem ganzen Setting. Weil es kein Ziel gibt, nur Geschwurbel.

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Sommerfest (Hörbuch)

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2014-03-11 19.19.35

wie schon in Radio Heimat geht es um – der Leser ahnt es – Heimat. Der arbeitslose Schauspieler will nur kurz nach Bochum und das Haus seiner Eltern verkaufen. Er trifft seinen alten Freunde und sein altes Leben. Es ist, als wäre er nie weg gewesen und doch ganz anders. Viel Bla und Bla, dazwischen skurrile Storys, die liegen im Ruhrgebiet nur so auf der Straße. Vor allem die Geschichte mit seiner ewigen, aber entfremdeten Freundin Charlie nervt. Das machen aber die abgefahrenen anderen Gestalten wieder wett. Alles in allem ziemlich seichte Unterhaltung, kann man sich anhören, muss man aber nicht.

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Der König von Berlin

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ja, das ist gut. keine sammlung von kurzgeschichten, ein ganzer roman diesmal. mit einem kommisar aus niedersachsen, der in die harte welt des berliner verbrechens versetzt wird und sich erstmal zurecht finden muss. eine rattenplage, ein mysteriöser todesfall, ätzende kollegen und ein alter freund – es ist alles dabei, was einen guten roman ausmacht. gewohnt flüssig erzählt und mit viel witz und charme dekoriert, man sieht evers vor sich, wie er beim schreiben grinst. stellenweise etwas langatmig, aber die geschichte ist zu spannend, um einfach aufzuhören.

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Einmal durch die Hölle und zurück (Hörbuch)

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Der Nachfolger von Schneller als der Tod ist ähnlich, ein bisschen mehr Story, dafür weniger Geschwindigkeit. Oder die Hörbuchfassung bremst das aus, keine Ahnung. AUf jeden Fall geht es um einen Monsterfisch und der Mafiakiller im Ruhestand macht sich mit einer Paläontologin auf die Suche. Erinnert stellenweise ein bisschen an Schätzings Schwarm und am Ende gibt es noch ein wütendes Pamphlet gegen US-Regierungen, die den Klimaschutz verkacken und / oder bewusst torpedieren. Das Buch wird nicht langweilig, auch wenn verwirrend viele unterschiedliche Figuren auftreten. Sogar Sarah Palin ist dabei.

Es gibt darüber hinaus auch eine Version mit Christoph Maria Herbst und anderen, die kenne ich aber nicht.