Erscheinungsjahr: 2011

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Die Capitana

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die geschichte von Mika Feldman de Etchebéhère habe ich zuerst beim kaffeehaussitzer entdeckt und regelrecht verschlungen.

geschickt verschachtelt geschrieben nehmen wir am leben einer frau teil, deren lebensgeschichte auf der einen seite so typisch für das 20. jhd ist und auf der anderen seite so außergewöhnlich. sie kämpfte im spanischen bürgerkrieg und befehligte eine truppe revolutionäre, litt unter den stalinistischen säuberungen, erlebte in berlin den aufstieg der nazis, in paris führte sie ein armes künstlerleben und schrieb ihr leben lang. was will man mehr. und sie hatte ideale, stand auf der richtigen seite und verteidigte ihre ideen um jeden preis. aus unserer trägen 21. jhd-perspektive wirkt das so weit weg, dabei sollten wir alle ein bischen mehr wie mika sein.

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Eins, zwei… Eins, zwei, drei, vier… Die Achtziger (Hörbuch)

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rasante geschichte über einen jungen musiker und seine freunde, die in köln in den achtzigern versuchen fuß zu fassen. aber doch immer wieder vom leben auf die fresse kriegen. musik, alkohol, drogen, sex, man hat es nicht einfach. irgendwann der plattenvertrag, aber vergeigt. dazwischen sex und exzess. der tote freund, die freunde, die sich abwenden. sex auf der weihnachtsfeier. alkohol, schwerer kopf am nächsten morgen. interessanterweise dazwischen abhandlungen über die damaligen bands, ihre einflüsse, ihre bedeutung. achso, sex auch. und drogen, die harten auch. das hörbuch glänzt durch zarte versuche, die stimmung mit musik zu untermalen, leider sehr zurückhaltend. auch spannend, dass man sich immer stammkneipen traf – handys gab es bekanntlich nicht. manchmal kommt das wehmütige durch, das opa-erzählt-vom-kriege-gefühl. vetten erzählt unironisch über eine hoch ironische zeit, ganz anders als sven regener, aber nicht uninteressant.

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Wunderlicht

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wie schon Die Entdeckung des Hugo Cabret ist auch dieses buch ein kleiner schatz. aufwändige bleistiftzeichnungen und text erzählen zwei geschichten, die ineinander verwoben sind und von freundschaft und familie handeln. von gehörlosigkeit und einsamkeit. aufgrund der vielen bilder ist man schnell durch und es bleibt zeit zum nachdenken.
lesen sie dieses buch gemeinsam mit ihren kindern, es bieten sich viele gelegenheiten zum reflektieren und diskutieren.

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Nikotin

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„Ich höre nur Musik von Menschen, die nicht rauchen.
Und sehe da: mein Plattenschrank ist leer.
Ich lese nur noch Bücher von Menschen, die nicht rauchen.
Eigentlich nur Kafka, denn der hatte TBC.“
– Rainald Grebe

ein großes schwadronieren über die sucht des autors, der zwar aufgehört hat, aber wie jeder süchtige, nicht aufhören kann, über seine sucht zu reflektieren. nebenbei eine kulturgeschichte des rauchens, eine reflektion über westdeutsche sozialisation. über erste und letzte zigaretten mit verweisen auf die zigarette in kunst und kultur, insbesondere auf Smoke / Blue in the Face von Wang/Auster (1995), die ich persönlich sehr schätze.

mein persönlicher text ist natürlich nichts dagegen.

drauf gestoßen bin ich dank eines eintrags im techniktagebuch.

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Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit

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Das Buch habe ich schon mehrere Jahre, fast zuende gelesen – wir sprachen bereits darüber, als der Franzose mal zu Gast war. Dann kam die Krimkrise und der politische Umbruch in der Ukraine 2014 und die Hauptthese des Buchs verblasste vor der Wirklichkeit.

Die These ist, dass – abgesehen von Weltkrieg eins und zwei – die Anzahl der bewaffneten Konflikte seit Jahrhunderten zurück geht. Er führt dies auf eine Korrelation mit dem, was wir unter Zivilisation verstehen, zurück. Je fortschrittlicher eine Gesellschaft ist, desto weniger Gewalt wird produziert. Anhand allerlei Statistik belegt er seine These. Unsere Wahrnehmung sei natürlich verzerrt, weil wir jedes Ereignis, jeden Anschlag sofort medial präsentiert bekommen. Aber selbst die Anzahl der Toten pro Konflikt gehe zurück.

Man kann das in Anbetracht derzeitiger Konflikte zynisch finden, aber ich wette, statistisch haben auch IS, Syrien und diverse Anschläge in der letzten Zeit nicht viel geändert. Wir sind noch weit vom Weltfrieden entfernt, aber wir versinken auch nicht in Gewalt, wie das eine durchschnittliche Tagesschau behauptet.

Lesenswert auch die Besprechung bei Volker Strübing und wikipedia.

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Ready Player One

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Computer games are not only pop culture they are parts of our identity. This book is for all who have spend hours of hours in their youth in front of displays. It’s full of citations and allusions from famous and obscure games and movies of the 80ies and early 90ies. The story is set somewhere in near future when virtual reality and real life become one big game. When big companies control your identity and life. When earth is fucked up. And when there is only one chance to change the future to somthing better.

It’s real fun to read. Steven Spielberg is directing the movie adaption currently which will be published next year wikipedia says.

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The Martian

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never read such a detailed nerdy story before. astronaut mark watney is lost on mars and now he has to survive. almost the entire book is written in log entries in offensive language but also with a bunch of technical and nerdy stuff. imagine the process of creating water from a scratch or planting potatoes in a tiny hab on a planet without any track of life or just to set up some communication. once the NASA gets scent of someone is left on mars they concentrate all ressources and energy to save him – this kind of humanity is the real fiction in my guess, some kind of hollywood-esque story telling which is not realistic. but who knows? perhaps in near future we will be more emphatically than today.

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Weißer Wedding

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ein krimi, der im wedding spielt. von einem der es wissen muss: Matthias Eberling war von 2008-11 kiezschreiber (vorher: Tina Veihelmannwir berichteten).

Bild: emons-verlag.de
Bild: emons-verlag.de

es geht um einen privatdetektiv, der im kiez (hier: gesundbrunnen) aufgewachsen ist und sich von auftrag zu auftrag hangelt. dazwischen allerlei dunkle, aber liebenswerte gestalten. die plastischen beschreibungen lassen einem sofort an reale leute denken, die man jeden tag im kiez trifft – ohne dass der autor in plumpe stereotype verfällt. es geht um einen toten in den gleisanlagen unterhalb der millionenbrücke. um windige journalisten und um einen kiez, der so farbenfroh, trist und gegensätzlich beschrieben wird, wie er tatsächlich ist. als bonus noch kurzgeschichten mit den gleichen protagonisten. macht spaß.

ähnlich, auch gut:

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Berlin blutrot

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sechszehn kurzkrimis von ganz verschiedenen autoren. ganz unterschiedlich, alle spielen sie mehr oder weniger in berlin, in allen geht es um grausames. ich bin ja nicht so der krimi-fan, aber das ist wirklich gutes und schnell zu konsumierendes zeug.

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Wenn das Schlachten vorbei ist

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eine geschichte der unwägbarkeit der argumente. auf der einen seite die wissenschaftler, die die artenvielfalt auf einer insel vor der küste kaliforniens durch eingriffe in die natur bewahren wollen, auf der anderen seite die militanten naturschützer, die das abschlachten von eingeschleppten arten um jeden preis verhindern wollen. dazu die lebensgeschichten der akteure und der inseln. gewohnt großartig miteinander verwoben, nichts anderes sollte man von boyle erwarten. nicht sein bestes buch, aber ein sehr politisches. wobei er zu vermeiden versucht, für eine seite stellung zu beziehen. es ist kompliziert, eine lösung hat er nicht, aber eine tolle geschichte.

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Der bleiche König – 76%

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nach einigen verwirrten kapiteln nun das erste zentrale, längere stück. die geschichte eines ich-erzählers – ist es wallace selbst? der sich windet, sich rechtfertigt. die vergangenheit deutet und sie dreht. seine geschichte erzählt, seine jugend- und studienzeit, seine drogenexperimente, die ganze dramatik einer verlorenen generation, unter dem eindruck von vietnam und watergate der ideale und gefühle beraubt vor sich hindöst und erfahrungen macht, ohne voran zu kommen. so zumindest der vorwurf der eltern.

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auch hier finden wir wieder das motiv des früh gestorbenen übervaters. während es im unendlichen spaß der gründer und leiter der tennisakademie war, der seinen kopf in die mikrowelle steckte, ist es im bleichen könig der korrekte, distanzierte, disziplinierte sachbearbeitervater, der – enttäuscht von frau und sohn – letztendlich in der überfüllten ubahn zu tode kommt. wir lernen einen sohn kennen, der erst spät – zu spät – in die gedanken- und gefühlswelt seines vaters eindringt oder einzudringen versucht. der kaputtniksohn wird letztendlich auch sachbearbeiter, wenn auch nur auf zeit. hier offenbaren sich motive wie bei kafka.

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„Der Schlüssel, der der Bürokratie vorausgeht, ist die Fähigkeit, Langeweile auszuhalten. Effizient in einem Milieu zu funktionieren, das alles Vitale und Menschliche ausschließt. Gewissermaßen ohne Luft zu atmen.
Der Schlüssel ist die Fähigkeit, ob angeboren oder erworben, die andere Seite der Routine zu finden, des Nichtigen, des Bedeutungslosen, des Repetitiven, des sinnlos Komplexen. In einem Wort, unlangweilbar zu sein.“

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klar geht es um die steuerbehörde und der ihr innewohnenden langweiligen tätigkeiten: abgestumpfte mitarbeiter, endlose gänge, eine verwirrende architektur und kafkaeske workflows. aber vor allem beweist sich wallace einmal mehr eine sehr scharfsinnige beobachtungsgabe. jeder protagonist hat irgend einen tick, einen zwang, eine vergangenheit, eine einstellung. hier werden keine romanfiguren beschrieben, hier greifen wir ganz tief in die küchenpsychologische trickkiste. und diesmal sind es keine drogen, sondern das leben an sich, was den handelnden übel mitgespielt hat.

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ich bin gerade bei mrs rand und ihrer erzählung über ihre zeit in der klapper und es ist endlos und verwirrend und nicht schön, eher anstrengend. aber in großer literatur geht es eher selten um mich…

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Der bleiche König – 28%

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Meta: Für mich gab es keine schmucke iPad-Version, mir hat der Verlag einen Stapel Papier geschickt. Aber ich werde mich durchkämpfen und die Beiträge im Social Reading-Hub verfolgen, auch wenn es dort gerade etwas schleppend läuft…

Das Buch wurde nie fertig gestellt, dem Autor kam sein Freitod dazwischen. Wir haben es also mit einem Fragment zu tun, der Verlegers Meinung nach besten Version. Und wieder grandios übersetzt von Ulrich Blumenbach, das merkt man schon in den ersten Zeilen. Ähnlich wie der Unendliche Spaß ist auch dieses Buch kein vollendetes Werk aus einem Guss, sondern eine lose Sammlung von Texten, die (scheinbar) alle ein ähnliches Thema haben, nur leicht ineinander verwoben. Das Fragmentarische des Bleichen Königs könnte also auch geplant sein. Auch wenn ich nicht der Erste bin mit dieser Erkenntnis: Das Buch wirkt wie ein Blog und muss als Gesamtes betrachtet werden.

Die Story handelt – soweit man das nach ein paar Kapiteln sagen kann, von der US-amerikanischen Steuerbehörde IRS, vor allem aber von ihren Angestellten. Und die haben natürlich alle ihren Schaden und werden auf die ganz eigene Wallace’sche Art charakterisiert. Dazwischen die ganze Palette des menschlichen Leids: Zwänge, Drogen, Familiendrama – das beschreibt Wallace wie kein anderer.

Soviel erstmal dazu, es werden weitere Erkenntnisse folgen, die per Klick verfolgt werden können…

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Gegengift. Wie euch die Zukunft gestohlen wird. Was ihr dagegen tun könnt (Hörbuch)

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Hier hat jemand richtig schlechte Laune und beschimpft mich. Weil ich nichts mache und mich nicht wehre. Und deswegen geht es jetzt Europa schlecht und der Welt. Weil ich mich in meinem Konsumismus und dem Angestelltendasein eingerichtet habe. Ihr übrigens auch, ihr seid mindestens genauso blöd. Aber zum Glück gibt es ihn. Ihm geht es gut. Er ist seine eigene Firma, der hat mal rischtisch Geld und Wohnungen und weiß wo es langgeht. Da sollten wir ihm mal zuhören und eigene Firmen gründen. Er hat auch ein paar Regeln auf Lager, was man beachten muss, damit das Investment gelingt. Alles kein Problem. Mit ihm wäre der Kapitalismus ein besserer. Das könnt ihr ihm glauben.

Wer sich gerne von einem besserwisserischen Sonnenkind beschimpfen lassen will, kann hier bedenkenlos zugreifen. Alle anderen sollten doch bitte arbeiten gehen, um die Rendite selbstverliebter Schnösel zu steigern.

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