ich will nochmal Wolf Lotter aufgreifen:

„Der Kapitalismus ist entwicklungsfähig, während die Kritik an ihm stagniert.“

man sieht das wunderschön an che guevara-bettwäsche, myfest, guy fawkes-masken – die symbole der subversiven kritik werden kommerzialisiert und konsumierbar gemacht und verlieren dabei jeden charakter. das ist wie bei den grünen, deren hehre ideale von einst sind inzwischen CDU-mainstream, die partei im grunde überflüssig, weil sie sich nicht schnell genug neue themen gesucht haben. der konservative von heute kauft bio und lebt nachhaltig. genau so, wie der kapitalismus kritisiert wird, aber bitte schön bei einem guten wein von lidl und spotify im hintergrund. selbst der nonkonformismus an sich, der marihuana-konsum ist inzwischen legal kommerzialisiert, zumindest in teilen der USA. wenn Sie heute gegen etwas sein wollen, müssen Sie schon autos oder flüchtlingsheime anzünden oder einen sprengtoffanschlag planen.

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die linke hat sich verloren in ewigen debatten über gender und politischer korrektheit, ist im mainstream angekommen, kritik kommt nun von rechts und das ist nie gut. brüllhälse fordern die absetzung der regierung merkel, politisch klar denkende verteidigen die flüchtlingspolitik der kanzlerin, die flüchtenden ertrinken derweil im mittelmeer. es ist ein absurdes theater. die staaten der EU wollen wieder nationalstaaten sein, deutschland wartet nur auf einen bismarck. aber eigentlich benötigt es einer starken linken, die die probleme beim namen nennt, mit dem finger in der bankenwunde bohrt und die regierung hinterfragt.

auch wenn es nervt im jahr 3 nach snowden: verschlüsselung ist wichtig und richtig und tut nicht weh, außer vielleicht dem ein oder anderen geheimdienst. und auch wenn wir messenger benutzen, die verschlüsseln, bei emails tun wir uns noch schwer damit. dabei hat sich in den letzten jahren viel getan rund um pgp in sachen usability. mit thunderbird und dem addon enigmail gehts auf dem desktoprechner komfortabel. unter android mit openkeychain und k9 mail ist es endlich auch mobil benutzbar und für den browser gibts inzwischen mailvelope – top!

sehr spannender podcast über einen weniger bekannten. sein begriff der „offenen gesellschaft“ ist ein anderer als unserer, dennoch hilft es, sich mit ihm zu beschäftigen.

Voltaire begründet die Toleranz damit, dass wir einander unsre Torheiten verzeihen sollen. Aber eine weit verbreitete Torheit, die der Intoleranz, findet Voltaire mit Recht schwer zu tolerieren. In der Tat, hier hat die Toleranz ihre Grenzen. Wenn wir der Intoleranz den Anspruch zugestehen, toleriert zu werden, dann zerstören wir die Toleranz und den Rechtsstaat.

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Der Film zum Buch ist so zu ziemlich das unlustigste, was ich in den letzten Monaten gesehen habe. Und ich ahne auch schon den Grund, bei wikipedia heißt es nämlich:

„Im Buch erschießt Hitler keinen Hund.“

Was im Buch und Hörbuch wunderbar funktioniert hat, weil da genug Zeit und Raum war, geht hier leider total schief: Die Balance zwischen bitterem Humor und subtiler Gesellschafts- bzw. Medienkritik. Wir begleiten Hitlers erneute Machtergreifung lediglich medial, eine Auseinandersetzung jenseits des Öffentlichen findet nicht statt. Dafür viel brachialer Humor und Gejohle, Cameo-Auftritte, Seitenhiebe und Schenkelklopfer. Am befremdlichsten noch sind die pseudorealen Straßeninterviews. Es stößt einen ab.

Einen Metaschraubendreh weiter jedoch meine Lieblingsstelle: Im Hörbuch (gelesen von Christoph Maria Herbst) verwechselt der Kisoskbesitzer Hitler mit dem Schauspieler Michael Kessler in Switch reloaded, der dort eine Hitlerparodie („Obersalzberg“) im Setting von Stromberg gibt. Da Stromberg von Herbst gespielt wird , ist das schon gut (haha). Im Film tritt dann Kessler als Moderator auf, es wird auch ein Ausschnitt aus Switch reloaded zitiert. – Findet das außer mir noch jemand lustig?