Wir wohnnen in der Krakovská, einer Seitenstraße vom Václavské nám. (Wenzelsplatz) nahe dem Národní muzeum (Nationalmuseum) und dem alten Wenzel auf dem Pferd. Der Reiseführer spricht davon, dass hier am Denkmal alle historischen Ereignisse ihren Anfang nahmen: Revolutionen, Selbstverbrennungen, Demonstrationen, Panzer. Mittlerweile ist der Platz Treffpunkt, Einkaufsmeile, Drogenumschlagplatz, Heimat von mehreren zwielichtigen Etablissements, Touristenmagnet. Herrschaftliche Häuser flankieren den Platz, der sich unerbittlich nach unten zieht, hin zur Altstadt.

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Wir lassen uns treiben, vorbei an fremdartigem und Vertrautem, die großen Marken sind da, der Kapitalismus hat längst gewonnen, es war eine kurze Schlacht Anfang der Neunziger, unblutig und erfolgreich. Wobei die erhabene Architektur der vergangenen Tage noch größtenteils erhalten ist.

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Die Häuser erzählen Geschichten, europäische, tschechische. Hier wurde regiert, hier wurde besetzt. Aber vor allem: gelebt. Heutzutage – der Leser ahnt es – werden die Prager in die Speckgürtel vertrieben, um Platz und Wohnungen zu schaffen für Touristen und Anleger. Hier seien sie am größten im europäischen Vergleich, die Wohnungspreisunterschiede, erzählt der Reiseführer.

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Dunkelheit zieht auf, Touristen aus aller Welt in großen und kleinen Gruppen laufen an Drogendealern, Prostituierten, Händlern vorbei. Es beginnt eine weitere bierselige Nacht, geschlafen wird anderswo.