4500541333_fc21736b7c_z
im bild: die yenidze in dresden, über hundert jahre alt. wird bestimmt bald abgerissen, weil zu islamisch

jetzt demonstrieren sie zu tausenden in dresden und anderswo gegen asylanten und einwanderer. das ist etwas surreal, denn auch wenn deutschland immer so homogen und arisch tut, ist es längst heterogener als es so mancher wahrhaben will. nur nicht in sachsen, da ist man selbst als hesse noch ausländer. ich verstehe die demos als ausdruck der angst vor verlusten, vor der realität. was ich nicht vestehe, ist, warum der stramme nationalist keine kinder kriegt, um sein vaterland zu retten? in sachsen wird lieber gestorben als geboren, schlimmer ist es nur im saarland, in sachsen-anhalt, thüringen und brandenburg1. da helfen keine schwarzrotgoldene fähnchen auf der demo gegen asylanten.

und ich verstehe auch die asylpolitik deutschlands nicht. da werden wieder mauern errichtet, die einreise wird schier verboten2. asylanten dürfen nicht arbeiten, obwohl man sich in diesem unseren staat einzig über arbeit definiert. wer hat hier wovor angst? dabei braucht der exportweltmeister billige arbeitskräfte, die unter dem mindestlohn unseren müll und unsere kacke wegputzen! da winken doch satte renditen und dividenden für deutsche traditionsunternehmen. wo ist die fdp, wenn man sie mal braucht?

öffnet die grenzen für alle, die europäische geschichte ist geprägt von migration und völkerwanderung. anerkennt menschenrechte auch für menschen außerhalb der EU. und bekämpft NSA, BND und frontex, die wahren feinde der menschheit.


  1. siehe dazu Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Geborene und Gestorbene nach Bundesländern 2011 []
  2. stichwort drittstaatenregelung []

IMG_20141107_170654

die ganze aktion am vergangenen wochenende zum 25. jahrestag des mauerfalls war beeindruckend und sicherlich auch einmalig, da haben sie sich was schönes ausgedacht. etwas ätzend dagagen war die weitesgehend unreflektierte berichterstattung rund um den gedenktag: ein paar zeitzeugen, eine gratis-bild, ostalgisches zum schmunzeln, anekdoten und anekdötchen. der sieg über den einstigen politischen gegner wird zelebriert und dargestellt, als gäbe es eine klare und unvermeidliche historische linie vom mauerbau zur wiedervereinigung. dabei wollten die demonstranten von 1989 zuerst gar keine wiedervereinigung; es war nicht klar, ob die damalige sowjetunion nicht doch militärisch intervenieren wollte; es gab ein breites bündnis in der bunderepublik gegen eine wiedervereinigung. aber so ist das wohl mit der geschichtsschreibung, die macht immer der gewinner.

am brandenburger tor gab es ein bratwurst, bier und ein fanfest für ein deutschland, das sich in letzter zeit ein bisschen zu viel selbst feiert. ganz so, als gäbe es etwas zu feiern.

und bei all‘ dem schwarzrotgoldenen trubel gingen die wenigen leisen töne zum gedenken an die novemberpogrome 1938 völlig unter. das ist bitter.

SAM_8366

SAM_8369

SAM_8383

SAM_8395

SAM_8400

IMG_20141103_080306

diesmal ein etwas verwirrter kommentar auf einem ausrangierten fernseher in der stettiner. in der nähe stand dann noch mehrmals putin geschrieben. bald kommen die seperatisten nach berlin und dann gibt es sogenannte wahlen und wir müssen alle wodka trinken. wehret den anfängen.

bitte hier entlang:

http://www.youtube.com/watch?v=pty0yNPeubk

Hinweis: unter dem video dieser dialektisch großartigen aktion versammelt sich die avantgarde der kommentarschreiber des deutschsprachigen internets.

und während im mittelmeer die flüchtlinge absaufen, organisieren wir unser gedenken an die überwindung von unrecht … mit halteverboten und sperrungen:

IMG_20141102_145219

IMG_20141103_075957

und dann klopfen wir uns auf die schultern, wie toll wir alle auf der straße gegen überwachung und für meinungsfreiheit und begrüßungsgeld waren. und dann singt helene fischer das lied der deutschen und gauck reitet nur mit einer fahne bekleidet durchs brandenburger tor, dem sonnenuntergang im westen entgegen.