MonatJanuar 2012

Filmkritik: Revolver (2005)

geschichte von einem, der zu lange im gefängnis saß, dort von seinen zellengenossen so eine art überformel für das perfekte verbrechen gelernt hat und diese nun in der freiheit in böse taten umsetzt. erinnert damit ein wenig an stefan zweigs schachnovelle. leider gerät er an die falschen und ordnet sich zwei üblen kredithaien unter, die coups haben den charme der ocens eleven-reihe. die comic-einblendung erinnern an kill bill. die maßlose gewalt ebenfalls. und zwischendurch hört er stimmen, fahrstühle machen ihm angst, so ganz zurecht kommt er nicht, ein wenig wie in christopher nolans memento. am ende bleibt ein verwirrter zuschauer zurück, ähnlich wie nach lost highway, allerdings fehlen hier witz, ironie und frauen. wahrscheinlich guy ritchies düsterster film, keine leichte kost.

[xrr rating=5/7]

notizen notieren

ich bin ja ein fan vom notizbuch, habe ein paar volle und leere und immer eins mit. man weiß ja nie, was man als nächstes aufschreiben, aufmalen oder mundblasen kann. einigermaßen überrascht war ich dann aber doch vom isometrischen notizbuch. hier gibt es noch mehr raster, auch zum download, mein liebling: das fischaugenraster.

montag morgens, halb zehn in deutschland

weil das gesundheitssystem in d. krankt und also der kinderarzt berstend voll ist, vergnügen wir uns in der gegend, um nicht im verseuchten wartezimmer zu warten. die gegend ist zufällig der prenzlauer berg, dort wo die mieten explodieren, die schwaben gentrifizieren und gören so oft pullern müssen vom grande spiced chai latte decaf. und weil der winter zu kalt ist für spielplatz mit rotzendem kleinkind („ich bin nicht klein, ich bin grooooß!!1elf“), pilgern wir wie jeder anständige konsumist ins örtliche zenter und schlendern durch die arcaden. ganz unten gibt es einen bäcker mit möbilar. donut und käffchen, so könnte jeder montag morgen beginnen.
um uns herum die avantgarde der rentner und vorruheständler vom prenzlauer berg. drei männer unterhalten sich angeregt über die neueste technik, einer doziert: „mit einem HD Recorder, da hast du eine festplatte und da wird der film auf die festplatte gespeichert, kannst du dann später auf dvd brennen.“ andächtiges schweigen und nicken in der runde. pause. „kostet aber tausend euro.“ zuckende mundwinkel.
eine füllige rentnerin, typ wilmersdorfer witwe betritt die szene und bestellt einen riesigen berg sahnetorte, löffelt ihn und geht. ein rentnerpärchen, sie setzt sich, er bestellt und bringt die kaffee an den tisch. man wechselt kaum noch worte miteinander, man schweigt sich an, man kennt sich schon zu lange. hinter uns mittelalte frauen, gackernd, schamtzend, mit den löffeln klappernd.
und auf einmal wird klar: hier ist keine szene, das sind anwohner, keine studenten, keine zugezogenen, die wohnen hier schon immer. und es werden immer mehr. die zukunft deutschlands trägt stützstrumpf zum tanztee und schaufelt sachertorte vorm wöchentlichen arztbesuch.

symbolbild: deutschland (berlin-wedding, juni 2006)

Filmkritik: Hangover 2 (2011)

der nachfolger überrascht leider nicht mehr so richtig, einfach eine verlängerung des ersten teils, diesmal in thailand statt in las vegas. aber ansonsten nicht viel neues, gelacht wird trotzdem, zu komisch ist vor allem Zach Galifianakis, die anderen charaktere reichen da bei weitem nicht ran. wikipedia hat noch eine schöne kritik aus der SZ verlinkt:

„Er ist eine Art Meta-Komödie. Bereits im ersten Teil ging es um den Versuch, sich an den Abend vorher zu erinnern. Der zweite Teil ist also eine Rekonstruktion dritter Ordnung: Die Jungs versuchen einen Abend zu rekonstruieren, der die Rekonstruktion eines Abends war, den sie nur aus Rekonstruktionen kennen.“

[xrr rating=4/7]

rezepte in der literatur

[Don Gately] ist 1,88 groß und wiegt 128 Kilo, aber Broccoli oder eine Birne hat er erstmals im letzten Jahr gegessen. Unter seiner Ägide gibt es mit ausnahmsloser Regelmäßigkeit Folgendes: gekochte Hot Dogs, klitschigen Hackbraten mit Reibekäse und einer halben Schachtel Cornflakes obendrauf von wegen Knusprigkeit […]

so steht es in David Foster Wallace‘ Unendlichem Spaß und so soll es auch sein:

Hackbraten

im buch benutzt der ennet house-bewohner randy lenz den hackbraten zum ködern von hunden:

Wenn der klitschige Hackbratenbrocken hervorgeholt, aus dem Plastikbeutel gewickelt und vom schmalen Saum zwischen Zaun und Gehweg aus hingehalten wird, stellt der Hund unweigerlich das Bellen ein und / oder wirft sich nicht mehr gegen den Zaun, wird absolut unzynisch und freundlich, kommt ans Ende seiner Kette oder an den Zaun, hinter dem Lenz steht, gibt neugierige Laute von sich, und wenn Lenz das Fleischstück knapp außerhalb seiner Reichweite hält, richtet der Hund sich, wenn die Leine oder Kette das zulässt, auf die Hinterbeine auf, tatzt mit den Vorderpfoten auf den Zaun ein und springt gierig hoch, während Lenz ihm mit dem Fraß vor der Nase herumwedelt. […] Das einzige ernsthafte Problem […] ist, dass Lenz eindeutig hinter den Hund gelangen muss, bevor er ihm die Kehle aufschlitzt, weil die Blutungen von weitreichender Intensität sind, und Lenz ist schon bei seinem zweiten R.-Lauren-Mantel und seiner dritten dunklen Wollhose. […]

das bleibt natürlich nicht unentdeckt:

[…] Gately kontrolliert den Kühlschrank und sieht wieder den Beweis, dass sein Spezial-Hackbraten einen heimlichen Liebhaber haben muss, denn von den sorgfältig eingewickelten und auf das stabilste Fach gelegten Resten ist wieder ein großes Rechteck abgeschnitten worden […]