Der Film der Gebrüder Coen ist ein Remake des gleichnamigen Films von 1955. Eine Bande um Professor G.H. Dorr, gespielt von Tom Hanks, gräbt sich im Keller einer gutmütigen alten Dame in den Tresorraum eines Kasinos und raubt die Einnahmen. Alles ist perfekt geplant und geht auch gut. Wenn nicht am Schluß die Alte alles entdecken würde – jetzt muss sie beseitigt werden und das gestaltet sich schwieriger als gedacht.

Eine schöne Roiberpistole im Stil von Oceans Eleven und folgende, nur geht hier so manches schief. Die Bandenmitglieder sind leider nicht die hellsten und so wird es manchmal grotesk. Die Figuren sind meist übertrieben gezeichnet, aber gerade das macht den Film so liebenswert.

Vielleicht nicht der beste Film der Coen-Brüder, aber sehenswert allemal.

[xrr rating=6/7]

eine kleinstadt bei nordhausen, oben links in thüringen. kurz vorm harz, kurz vorm westen. keine 7.000 einwohner, dafür eine lange geschichte. und vor allem: meine oma wohnt dort, hier habe ich oft meine sommerferien verbracht, dieser kleine ort wurde zu meine zweiten heimat.

von weitem und wahrscheinlich auch aus dem weltraum sieht man den riesigen rückstandsberg. denn hier wurde jahrzehntelang kalisalz aus der erde geholt. nach der wende war das vorkommen erschöpft bzw. die förderung zu teuer, seitdem fehlen hunderte arbeitsplätze. tourismus gibt es kaum, die jungen ziehen weg und die kleinstadt blutet aus. leerstand, vergreisung – hier hat man den strukturwandel nicht verkraftet. das ist sehr schade, denn es ist eine schöne stadt mit viel fachwerklicher altbausubstanz.

und viel wald und bergen, ideal zum wandern und so.

Jean-Pierre Jeunet sollten wir uns endlich mal merken: nach Delicatessen (1991), Die fabelhafte Welt der Amélie (2001) nun dieser film mit teilweise den gleichen schauspielern und vor allem Dany Boon (bekannt als Sch’ti).

wahnsinnig grotesk, absurd. handlung, nebenehandlung, rückblenden. kuriose und liebenswerte figuren. dazu noch kritik an der rüstungsindustrie. komisch, albern, intelligent gemacht. es wird nie langweilig – unbedingt ansehen.

[xrr rating=7/7]

toller film über drei unperfekte und ihre rolle in unserer gesellschaft. über den ausbruch aus ihren vorgezeichneten wegen und ein vertörendes, klischeehaftes und unerwartetes ende. mutig und federleicht und schön. manchmal etwas haklig und nervig in der story, aber gut gespielt. ein bisschen wie ein märchen.

[xrr rating=6/7]

wahrscheinlich wurde das internet gemacht, um uns immer wieder das gefühl der orientierungslosigkeit zu geben. egal ob man einmal die woche rein schaut oder einen ganzen abend lang, es gibt immer was neues. wahrheiten, die gestern noch galten, sind heute schon veraltet oder zumindest mit gegenargumenten entkräftet. vielleicht gibt es auch kein wahr und falsch, das ist ja dann eher philosophie. genauso wenig wie es die totale privatsphäre gibt. oder sicherheit im netz.

jedes kleine ereignis wurde irgendwo schon mal verwurstet, zu jeder meldung gibt es unzählige kommentare und noch mehr metaebenen. die meinungen vervielfachen sich im long tail, aber ganz vorn in der wahrnehmung gibt es nur eine meinung, die öffentliche, in den wenigen nachrichtenportalen des deutschen internets kolportiert. sicher ab und zu gibt es twitter-strohfeuer und blogartikel und wasweißichnoch, die es auch in die nachrichtenportale schaffen, dort aber meist als „verrücktes aus dem sogenannten internet“ abgefeiert werden.

internet in regensburg (märz 2007)

in die öffentliche wahrnehmung schaffen es nur wenige sachen, glückliche ausnahmen bestätigen die regel. da war die guttenberg-sache, großartig. da ist wikileaks, deren eigentlich grundanständiges anliegen durch den schillernden assange nun demontiert ist, da sind die revolutionen im nahen osten und nordafrika, die aber weit weniger mit dem internet zu tun hatten, als gemeinhin angenommen. auch die panzergeschichte der letzten woche und die proteste gegen stuttgart21 wären ohne zahlreiche bürgerkommentare im netz kaum so groß geworden. kurz, es gibt schon einiges, was hochkommt. vieles aber auch nicht. vieles verpufft im netz, ist nach einem tag schon vergessen. in den meisten fällen auch nicht weiter schlimm, sonst sehen wir am ende noch katzen bei den tagesthemen.

dazu passt ganz vorzüglich die neueste folge vom elektrischen reporter mit übler zukunftsaussicht. da wird das andere extrem beschrieben, jeder bekommt nur das zu sehen, was zu seinem profil passt. bis hin zur sperrung kritischer kommentare. und klar, dazu gibt es inzwischen auch einige metakommentare, wie diesen, den ich aber, ehrlich gesagt, nicht verstehe.

was ist also zu tun? wir brauchen bessere filter. persönliche, nicht automatische. das könnte anstrengend werden. aber ist die einzige lösung. ich empfehle den oberflächlichen blick auf spiegel online für den groben nachrichtenüberblick, den tagesspiegel fürs lokale, die nachdenkseiten von albrecht müller und anderen fürs kritische, spreeblick und nerdcore für unterhaltung und netzpolitik fürs netzpolitische. weitere verlinkungen dort.

und ob ein google-institut an der HU uns wirklich weiterbringt, sei dahin gestellt und wird auch nur die zukunft zeigen.

tipp für heute: mal wieder cookies löschen

sie sind zu einer kleinen pest verkommen, die analyse-scripte und tracker auf websites. ursprünglich erfunden, um dem seitenbetreiber ein werkzeug zur messung seiner reichweite an die hand zu geben, füttern sie nun werbenetzwerke und social networks mit daten. ein besuch bei spon beispielsweise wird an vier weitere dienste gemeldet (ivwbox.de; vgwort.de; twitter.com; xoutube.com) bei bild.de sind es sogar fünf (ivwbox.de; transfermarkt.net; smartadserver.com; finanzen.net; nuggad.net), auf pixelroiber.de laufen zwar keine analyse-scripte, dafür zahlt man für das einbinden fremder inhalte einen großen preis (myvideo.de; flattr.com, twitter.com; youtube.com).

diese aufrufe kann man permanent sperren, etwa mit der browsererweiterung ghostery. und jetzt kann man sie sich auch grafisch anzeigen lassen. heise berichtete von dem firefox-addon collusion, und so gehts:

  1. collusion.xpi herunter laden
  2. in firefox installieren, neustarten
  3. ganz unten rechts findet sich nun ein kleines symbol, klicken
  4. ein neues tab öffnet sich, in anderen tabs rumsurfen
  5. das collusion-tab füllt sich langsam mit inhalten und dürfte nach einiger zeit so aussehen:

screenshot collusion

nicht alle scripte sind per se böse, aber trotzdem ist es komisch, dass sie alle unsere daten bekommen beim surfen, ohne dass wir das groß merken. also blocken die dinger!

(hinweis: die überschrift ist natürlich geklaut)

auf wikipedia gibt es eine liste von liedern über berlin, da kann man so manch‘ abgründiges finden. wir begeben uns dahin, wo es wehtut. und das solltet ihr auch tun. raus aus eurer subkultur und rein in die gegenkultur des schlagers, denn, obwohl schon vor fünfzig jahren tot geglaubt, lebt dieser nach wie vor, hat seinen festen sendeplatz in den öffentlichen und wird immer wichtiger, glaubt man an die bevölkerungspyramide. das perfide dabei: der schlager unterminiert die gesellschaft, indem er – ansonsten völlig ironiefrei und unpolitisch – das leben kommentiert, in eigentlich oberflächlichen texten findet sich so mancher hinweis auf extremes gedankengut. aber der reihe nach.

lieder über und aus und von berlin finden sich einige. im grunde gehts immer um dasselbe. liebeserklärungen an eine stadt. an die verflossene liebe. oder aber es wird gut und gerne kritisiert, der dreck, die sprache, die unfreundlichkeit, alles bekannt und nichts neues. scheinbar gilt es unter musikern als trés chic, ein lied mindestens im repertoire über die stadt aller städte zu haben.

hier die hitliste der grausamkeiten. absolut und indiskutabel.

[5. Platz: Curry Sauce feat. Frank Zander: „Frank Zander“]

das lied basiert auf dem 2010er-hit Barbra Streisand von Duck Sauce, dazwischen gibt es große dialektik des altmeisters:

berlin ist reich
berlin ist arm
berlin ist schön
berlin ist hässlich
es ist satt und hungrig,
nüchtern und besoffen
aber am wichtigesten ist ja:
berlin ist meine stadt
frank zander!
[…]
berlin ist leer und voll
berlin ist alt und neu
berlin ist unglaublich
frank zander!

da bleiben natürlich fragen offen, die kaum beantwortet werden können und wollen. jedoch muss man sagen: zander ist urberliner und: „Der Urgroßvater Frank Zanders war ein persönlicher Freund von Heinrich Zille.“ (wiki) – da kann man schwer gegenargumentieren, das muss man so stehen lassen und sich verneigen vor dem urgstein.

[4. Platz: 2raumwohnung: Berlin 2011]


Annette Humpe mit 2raumwohnung — Berlin 2011 – MyVideo

annette humpe singt nochmal ihren hit aus den achtzigern, der text überarbeitet (inklusive gentrifizierung und alles), etwas weniger aggressiv gesungen und mit schickem video. etwas zu glatt, zu müde, man nimmt es ihr nicht wirklich ab.

[3. Platz: Bernhard Brink: Berlin 2010]

[youtube bj3LsSLlBCU]

immerhin hat er nach 16 semestern jura sein studium abgebrochen, wilde zeit. vielleicht war er sogar ein hippie, man weiß es nicht.

Und kommst du irgendwann
nochmal nach Berlin
Weißt du genau wo ich zu finden bin
Dann werden wir beide
bis Morgens um Neune
in Kreuzberg um die Häuser ziehn
Ich würd mich freun
dich noch mal wiederzusehn
und vielleicht sagst du dann
du willst nie mehr gehn
mir ist es vor Jahren
genauso ergangen
Ich konnt den Zauber dieser Stadt
auch nicht widerstehn

aber es ist wie eine drohung: da läufst du morgens auf arbeit und stolperst über einen total breiten brink mit anhang, die die ganze nacht durchgefeiert haben. will man das? und auch im video sieht es nicht so aus, als wäre eine durchzechte nacht mit ihm besonders spannend. wahrscheinlich fängt er irgendwann an zu singen…

[2. Platz: Anna Depenbusch & Band (mit Anne de Wolff): Glücklich in Berlin]

[youtube BFC4WN4qb5Q]

dem mädel kann man nicht böse sein. ein bisschen wie dota singt sie da vor sich hin von ihrer großen liebe in der großen stadt.

Ja, es ist schön, wenn Du mir schreibst, wen Du so triffst und was Du treibst
In dieser Stadt kennst Du Dich aus
Ich mein´ wer sehnt sich da nach Hause?
Ein Teil von mir freut sich sehr für Dich
Und ein Teil denkt: Berlin wär´ nichts für mich
[…]
Hallo, wie schön Dich hier zu sehen, es scheint Dir gut zu gehen
Ich glaube, Du bist glücklich in Berlin

argumentativ ist das natürlich arm und klingt auch ein bisschen vorwurfsvoll und unterwürfig. und deprimiert. so psycho ein wenig. was soll man da nur antworten?

[1. Platz: Ute Freudenberg: Auf den Dächern von Berlin 2011]

[youtube WSjpmxTIOQs]

ohgottohgott. ute freudenberg und ihr namensloser gesangspartner rammen den stachel in die frisch verheilte wunde der deutsch-deutschen teilung.

Wir hatten Sparwasser und Jähn,
und ihr den Kaiser und den Lindenberg.
Und doch: Ich hörte damals schon
deine „Jugendliebe“.
Wir lebten selbstbewußt und frei
und träumten uns am Traum vorbei.
Im Helmstedt endete die Welt,
doch hinter’m Horizont
ging’s weiter – für uns.
[…]
War uns die and’re Welt auch fremd
und haben Mauern uns getrennt,
im Herzen war’n wir immer eins.
Ja, wir waren blutjung
und uns’re Träume gleich.
Auf den Dächern von Berlin
sah’n wir die Sonne westwärts zieh’n
und den Himmel ungeteilt.

da fragt man sich: meinen die das ernst? relativieren die da den ddr-unrechtsstaat? ist das schon verfassungsfeindlich? oder wird hier die persönliche und völlig apolitische persönliche erfahrung angesprochen, jenseits von stasi und diktatur? dieses es-war-nicht-alles-schlecht und auf-mauerflüchtlinge-habe-ich-nie-geschossen? man mag es kaum glauben, fast 22 jahre nach der wiedervereinigung. revanchismus? der trabi im hintergrund als symbol oder nur effekthascherei?

[bonustrack: broken comedy: berlin]

…ohne worte…