egal wie lange du schon in berlin wohnst, es überrascht dich immer wieder. und auch wenn sich dein alltag dem deiner eltern mehr als angenähert hat, es passiert immer und immerwieder und immerimmerwieder, dass berlin dich überrascht, dieses dreckige, fauchige moloch, sündenbabel, überall dreck, schmutz und verdorbene gedanken, zu laute musik und kaputte menschen. unzeitgemäßes und spießiges steht neben szenigem, hippem. die stadt erfindet sich jeden tag neu und du bist nur ihre projektionsfläche. längst hat sie dich und deinsegleichen in sich aufgesogen und du bist ihr treuer diener geworden, ihr sklave. du reist in ihren gelben adern von einem punkt und sie gibt dir das gefühl, dass du alles in der hand hast. vielleicht fährst du am wochenende und in den ferien sogar mal raus, doch stets kommst du zurück, folgst ihren rufen. sie verändert sich, stets, nicht schnell, doch immer und immerwieder, du kannst geschichte in ihr lesen wie in einem buch und gleichzeitig vernichtet sie ihre geschichte, überall, es passiert jeden tag. der senat und all‘ die bezirksämter sind nur willige ausführer ihrer macht, niemand hat die kontrolle, es gibt nur sie. gib dich hier hin, schwimm in deinem kiez, geh‘ bier holen und genieß es, du kannst ihr nicht entkommen….

den soundtrack zu berlin musst du dir selber zusammen stellen, die passenden bilder liefert Martin Swarovski.

man muss due date / stichtag mit hangover vergleichen und damit enttäuscht sein. warum? hier haben wir einen klassischen road movie, dort hatten wir eine sauf-rekunstruktion. in beiden filmen spielt Zach Galifianakis einen eigenwilligen sensiblen einfallspinsel, der sämtliche weiteren hauptdarsteller verblassen lässt. in diesem fall robert downey jr., der hier einfach nur nervt, weil es die rolle eben vorschreibt. mehr als ein paar witzige situationen bleiben nicht.

[xrr rating=4/7]

anmerkung: vor kurzem startete hangover part: II, es bleibt also spannend…

Pilz bei Brückentin (September 2009)

Man muss ja an die Kinder und ihre Zukunft denken, hier ist der Stoff qualitativ hochwertiger und aus garantiert kontrolliert biologisch-ökologischem Mondkalenderanbau. Dafür steht unser Dealer Rudolf St. mit seinem Namen. Zusammen mit unseren neuen Nachbarn denken wir über ein Genusskisten-Abo nach – da kommen die Lebensmittel jede Woche frisch an die Haustür! Allerdings nicht ganz billig, anderseits: Wo bekommt man heutzutage noch gutes Zoich? Und wer garantiert die gesundheitliche Unbedenklichkeit? Die Unabhängigkeit von Genmanipulation und Pestizideinsatz.

Das sind Fragen, die natürlich nur eine Verbraucherschutzministerin beantworten kann und soll. An einer entsprechenden Kennzeichnungspflicht wird gearbeitet:

„An allen Punkten des Aktionsplans wird mit Hochdruck gearbeitet. Wenn es um die Sicherheit unserer Lebensmittel geht, dürfen wir uns keine Schwachstellen leisten“, so Aigner. [BMELV]

So lange wollten wir nicht warten und offen bleibt darüber hinaus, ob nicht die Industrie wieder einmal alles blockiert…

Symbolbild: Strom (September 2004)

Energiekonsens, Reststrommengen, Kaltreserven, Moratorium, Endlagersuche, Energiewende, Restlaufzeit, Laufzeitverlängerung – wir mussten eine Menge Vokabeln büffeln in den vergangenen Monaten. Da ist es fasst schon schade, dass bald abgeschalten wird.

Doch schauen wir nach vorn, es bleibt nicht mehr viel Zeit, die zehn Jahre sind im nu rum. Bald geht uns der Strom aus, das hat natürlich Konsequenzen. Die wichtigsten hier noch einmal im Überblick:

negativ:

  • Stromautos bleiben plötzlich stehen
  • Deinem Kühlschrank geht das Licht aus
  • Du kannst Dein Telefon nirgendwo mehr aufladen
  • Kindersteckdosensicherungshersteller gehen pleite

postiv:

  • Du kannst ungeliebte Termine absagen, weil Dein Auto nicht mehr fährt
  • Du siehst nicht mehr die gähnende Leere in Deinem Kühlschrank
  • Du musst keine Stromabschläge mehr bezahlen
  • Du musst Dich nicht entschuldigen, wenn Du eine Mail / einen Anruf unbeantwortet lässt
  • Dein Kind darf endlich ohne Konsequenzen in Steckdosen fassen

Flyer Motorola Express Exchange (1994)
Faltflyer Motorola Express Exchange (1994)

Eine tolle Innovation. Die Übertragung sämtlicher Daten eines aktuellen Smartphones dauert vermutlich länger als 15 Minuten. Nur kann man es selber machen und braucht keinen autorisierten Fachhändler. Schön auch der „eher unwahrscheinliche Fall, daß Ihr Telefon während der Garantiezeit eine Reparatur benötigt…“ – früher war alles ein bisschen besser. Und größer.

blöd gelaufen, erst hatten wir jörg aus der u-haft befreit, dann wurde er freigesprochen. doch da war es schon zu spät, wir saßen im flieger nach marokko. es gab kein zurück mehr. in rabat erwartete uns dann eine böse überraschung: unser reisebüro hatte mist gebaut und wir wurden nicht von der fremdenlegion begrüßt, sondern von einem zwielichtigen gemüsebauern, der uns seitdem als billige aushilfskräfte missbraucht. seitdem die da alle revolution machen, ist das angebot an willigem und billigem humankapital eingebrochen. und die forderung nach einem mindestlohn macht die zukunftsaussichten auch nicht rosiger. wir hatten also mitleid mit unserem gemüsebauern, wir kapitalisten müssen eben zusammenhalten und so kann man auch nicht von einem missbrauch sprechen. von idealen arbeitsbedingungen aber auch nicht. immerhin werden wir überdurchschnittlich bezahlt und obendrauf gibts eine wochenration zoich – hier im kiffgebirge rifgebirge einfacher zu bekommen als in amsterdam. entsprechend gut ist die laune unter uns männern. zwar vermissen wir unseren benz – den mussten wir in mannheim zurück lassen. doch die arbeitswege sind kurz, wir wohnen bei den tuaregs im zelt, am anfang war das nicht einfach, weil der waffenbesitz uns doch etwas befremdet hat, aber man gewöhnt sich schnell an die örtlichen sitten.

kartoffelernte in der domäne dahlem (september 2006)

die arbeit ist anstrengend, manchmal 14 stunden pro tag, das schnafft nicht jeder. jetzt gerade ist sprossen-saison, karl theodor kann gar nicht genug davon bekommen und steckt sich immer was in die schlüpper für den feierabend. jetzt gerade kaut er wieder eine handvoll. dominique ist glücklich und hat schon eine freundin gefunden. wir sitzen in unserem zelt, während ich diese zeilen tippe. es riecht süßlich und wir lachen über unsinniges. gleich gehts ins bett, der tag war anstrengend und morgen gehts wieder raus. keine ahnung, wie lange wir das noch durchhalten. ein paar tage, wochen, monate? vielleicht bleiben wir auch länger – jörg ist zwar frei, hat aber keine lust auf die deutsche öffentlichkeit und sein ausbruch wird auch nicht straffrei bleiben…

fortsetzung folgt…