Holunderblüten-Pfannkuchen (Mai 2008)

„…die Holunder-Pfannkuchen sollen nach altem Glauben die Fruchtbarkeit und den Kindersegen fördern…“

jetzt, wo der frühling endlich da ist und die natur eine menge schmankerl bereit hält, sollte man sich über sein tun und lassen im wald bewußt sein. denn:

„Im Nationalpark ist es generell nicht gestattet, die Wege zu verlassen und Pflanzen zu entnehmen“

und:

…das Entnehmen und Aneignen von Blumen, Gräsern, Farnen, Moosen, Früchten und Pilzen in der wild lebenden Natur in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf ist erlaubt. Eine gewerbsmäßige Entnahme ohne Erlaubnis der Behörden ist jedoch verboten und stellt eine Ordnungswidrigkeit nach dem Naturschutzgesetz dar.“

so siehts nämlich aus. im harz wird nämlich das trendgemüse bärlauch gemundraubt und das ist schlecht bis verboten. also reißt euch zusammen und geht lieber in den laden, das ist auch besser fürs BIP.

(via steffen)

gestern abend war götz werner zu gast im radialsystem v. 1.000€ für jeden, so der reißerische titel der veranstaltung. mit dabei adrienne göhler, die lieber über die kulturgesellschaft geredet hätte als über die schmutzigen details des bedingungslosen grundeinkommens (BGE).

Götz Werner im Gespräch mit Adrienne Goehler (April 2011)

wir besucher seien alle oberschicht, nicht vom hubraum her, eher im kopf. wie anders ist es zu erklären, dass hunderte von leuten 10€ eintritt für eine podiumsdiskussion bezahlen, die nach knapp zwei stunden schon vorbei ist? göhler las aus werners buch vor, dann hielt er ein referat aus dem stegreif und am ende durfte das publikum putzige fragen stellen. zwischendurch wurde immer mal wieder an den unmöglichsten stellen geklatscht, nennen wir es den anne will-effekt.

das thema selbst bleibt spannend, der abend lies mehr fragen offen, als er beantwortete und das war absicht. das bedingungslose grundeinkommen, die soziale absicherung für jeden ohne nachfrage. bedeutet nicht, dass niemand mehr arbeiten gehen braucht. bedeutet eher, dass nicht mehr jeder unterbezahlte scheiß gemacht werden muss. dass freiberufler und arbeitnehmer auch mal etwas ablehnen dürfen, dass nicht mehr überstunden um jeden preis geleistet werden müssen. dass zwielichtige geschäftmodelle untergehen werden, die auf lohn-dumping setzen, wie so manches callcenter. werner selbst schlägt erstmal 1000€ vor, über die höhe lässt er aber mit sich sprechen, menschenwertes leben soll möglich sein. wer mehr braucht, geht arbeiten. wem das reicht, kann andere dinge tun, sich selbst verwirklichen oder den ganzen tag fernsehen gucken.

vor allem geht es werner um unser altes, verkrustetes denken, dass wir nur menschen sind, wenn wir einer lohnarbeit nachgehen. das will er bekämpfen, wir sollten aufhören, uns über unseren gehaltszettel zu definieren. denn schon jetzt gibt es so viel gesellschaftsstützende arbeit, die nicht oder wenig bezahlt wird und trotzdem unverzichtbar ist: kindererziehung, ehrenamtliches, haushalt, altenpflege. all das wäre auf einmal etwas wert. denn wir arbeiten immer für andere, der wert unserer arbeit wird von anderen bewertet.

und es geht um das jetzige ungerechte und diskriminierende system der transferleistungen. wer schon einmal hartz4 beantragt hat, kennt das: demotivierte sachbearbeiter schnüffeln in der privatsphäre und vermuten betrug, verschleppen die bewilligung. das wäre auf einen schlag erledigt, eine ganze armee von beamten könnte sich ihren hobbys widmen.

eine utopie? sicher.
eine alternative? auf jeden fall.
unbezahlbar? wohl kaum, schon jetzt leben 60% aller deutschen von transferleistungen aus den unterschiedlichsten töpfen. das geld ist da, bzw. muss es nur durch güterströme gedeckelt sein, wie werner berichtet. geld kann gedruckt werden, es muss dann aber auch ausgegeben werden, damit es funktioniert.
ungerecht? unsinn, das jetzige system ist ungerecht.
sozialismus? auch das nicht, es geht nur um eine neubewertung von arbeit. alles tun hat einen wert und sollte demnach auch anständig bezahlt werden. wir sollten aufhören, den leuten geld zugeben, damit sie zuhause bleiben und andere 40-60 stunden die woche arbeiten lassen.

was auf jeden fall gestern abend klar wurde: das BGE ist keine antwort auf alle fragen, kein heilsversprechen, keine neue gesellschaftsform. eher eine anpassung an die veränderten lebens- und arbeitsbedingungen unserer welt.


was bisher geschah: lasst uns mal reden. über arbeit. pt.1 und pt.2

die alten herren ermitteln, einer wird abgeknallt und liegt den rest des abends im krankenhaus. der andere hastet nur hin und her und die junge kollegin könnte auch alles alleine machen. der plot löst sich von seinen protagonisten und läuft alleine weiter. eine entführung, eine geldübergabe und eltern, die sich von ihrer tochter entfremdet haben – alles schon mal dagewesen und irgendwie altbacken. am ende dann der unvermeidliche SEK-einsatz. trotzdem wirkten alle müde, lustlos und wenig engagiert. nicht schön.

+++ LINK +++ Sonntag, 17.04.2011

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townhouses auf dem gelände des ehemaligen alten schlachthofs im prenzlauer berg (april 2011)

so siehts da jetzt aus auf dem ehemaligen alten zentralvieh- und schlachthof an der s-bahn storkower straße – da haben sich die townhäusler richtig ausgetobt und uniforme blocks hingesetzt, die ganz schön nach 60er-jahre retro-future aussehen. amerikanisches suburbania, ihr wisst schon.

dabei sah es bis vor ein paar jahren noch ganz anders aus, alte baracken und allerlei verlassenes standen rum und erzählten von einer anderen zeit. erzählten ein stück industriegeschichte. heute muss man bei döblin nachlesen oder dieses kleine video schauen.

sicher, es gibt nicht nur townhäuser, auch ein park hat sich verirrt und die ehemalige rinderauktionshalle bekommt einen subway. so schade ist das alles nicht, es ist nur wieder ein kleines stück berlin verschwunden. da muss man aber nicht traurig sein. und man muss sich eine familie im townhause glücklich vorstellen.

Kran-Porno an der ehemaligen Rinderauktionshalle (April 2011)

Alles im Eimer - September 2008 in der Hala Targowa in Wroclaw, Polen

Die Schwarz-Gruppe ist kein linkes Aktionsbündnis gegen den Kapitalismus – ganz im Gegenteil, dahinter verbirgt sich Lidl und Kaufland und noch ein bisschen mehr. Laut einem Spiegel-Bericht werden in diesen Märkten die Zuckerpackungen nur noch in haushaltsüblichen Mengen verkauft. Weil doch die Polen kommen und alles weghamstern. Der Weltmarktpreis für Zucker ist nämlich gestiegen. Das hat zwar Auswirkungen in Polen, nicht aber in Deutschland. Weiß der Geier1, warum. Ich hab‘ zwar ein paar Jahre lang BWL studiert, aber so richtig versteh‘ ich das nicht. Eine kurze Recherche zum Zuckerpreis bringt auch keine Erhellung: Mal ist von krassen Anstiegen die Rede, dann wird der baldige Fall prophezeit. Einige Länder hatten gute Ernten, in Florida gab es einen Kälteinbruch und in Brasilien war es zu trocken. Das ist widersprüchlich und ergibt keinen Sinn. Führt aber zu solch‘ Kleinoden:

„Die Spekulanten […] hatten den Preis schließlich bis Ende Januar auf bis zu 30 US-Cent pro Pfund getrieben. Waren die Importeure vorher schon vorsichtig, war es nun mit der Kauffreude ganz dahin. Indien cancelte schließlich den Kauf von 100.000 Tonnen, Ägypten sogar 300.000 Tonnen und auch Pakistan zuckte zurück. Und nach wie vor lässt die hohe Preisvolatilität die Importeure verhalten zurück. […] zum einen erweist sich die physische Nachfrage aufgrund der hohen Preisvolatilität zurückhaltend und zum anderen schwindet das spekulative Interesse, welches zuvor die Preise noch weiter nach oben getrieben hatte…“ (quelle)

Ringelringelreihe – hä? Alles klar. Ich weiß, wie schräg drauf man sein oder welche Drogen man zu sich nehmen muss, um ernsthaft über den Zuckerpreis debattieren zu können – klar ist:

„…kostet Haushaltszucker in Deutschland derzeit um die 65 Cent pro Kilogramm. In Polen zahlten Verbraucher dagegen zwischen 1,25 und 1,70 Euro dafür“ (SPON)

Warum allerdings die Schwarz-Gruppe das Zeug rationiert und nicht ein Bombengeschäft draus macht, indem sie einfach mehr in die Grenzregionen liefert, das entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich fahren sie es ein paar Kilometer weiter nach Polen, um dort höhere Gewinne zu erzielen. Denn schon längst gibt es Lidl und Kaufland auch in Polen, selbstverständlich unter demselbengleichen Namen.

Kleiner Tipp für unsere östlichen Nachbarn: In Steglitz in einem Lidl steht noch eine Palette Fein Zucker.


  1. das Wappen Polens ziert ein Adler: „Einer Legende zufolge beschloss der legendäre erste Herrscher Polens, Herzog Lech, beim Anblick eines Adlers, der bei Sonnenuntergang in seinem Horst nistete, dieses Bild als sein Emblem zu verwenden“ []

Symbolbild (Februar 2006)

Tom König beschreibt auf Spiegel Online seine Einkaufserlebnisse mit viel zu großen Einkaufswagen. Und verrät ein offenes Geheimnis:

Es geht eben keiner mehr dreimal die Woche zu Feinkost Habermann. Stattdessen bevorratet man sich lieber, möglichst für den ganzen Monat.

Unser Einkaufsverhalten sieht anders aus: Drei bis viermal pro Woche zum Discounter, je nach Bedarf. Essen immer für ca. zwei Tage. Hab auch schon überlegt, warum: Es gibt kein Auto, das den Monatsvorrat nach Hause beamen könnte. Und wir müssten auch ziemlich lange fahren, um zum nächsten Feinkost-Delikatessen-Laden zu kommen. In die Wilmersdorfer vielleicht oder tief nach Mitte, vielleicht nach Zehlendorf. Im Wedding gibts derlei Lädens gar nicht.

Ist ein bisschen monokulturell geworden, das Einkaufen. Im Grunde kann man sich zwischen 2-3 Discountern in der Nähe entscheiden, die sich nur minimal voneinander unterscheiden. Gut, die Handelsmarken sind jeweils ein bisschen anders verpackt, aber schmecken tut es überall gleich.

wie sieht das bei der geneigten leserschaft aus?

Solide Story, spannend bis zum Ende und gute schauspielerische Leistung. Die Bayern waren in Höchstform. Nur die Klischees waren allzu überzeichnet – da die alkoholkranke Hartz-Mutter mit ihrer etwas überforderten Tochter – dort die reiche Ehefrau mit wenig Einblick in die Finanzen und dem Fotografen-Schönling als Lover. Aber das muss wohl so sein, um die anschließende Anne Will-Debatte zu befeuern. Ein wenig mehr Differenzierung und graue Schattierung hätte dem Fall gut getan. Witzig auch die Einblendung, wenn telefoniert wird: So Siebziger, aber total ungewohnt für einen Tatort.

+++ LINK +++ Erstausstrahlung: 10.04.2011

[xrr rating=5.5/7]

die vorratsdatenspeicherung bleibt weiterhin thema. beziehungsweise sollten wir uns über unsere technischen möglichkeiten klar werden. und über die gefahren, die mit diesesn möglichkeiten einhergehen. vor ein paar jahren schrob ich über verschlüsselte mail-kommunikation. und seit ein paar monaten hab‘ ich auch endlich jemanden, mit dem ich verschlüsselt maile – funktioniert dank der app APG auch auf dem androiden. soweit, so gut.

das problem…

doch was ist eigentlich mit dateien? ich bin ja ein freund der dropbox, dem simplen online-speicher in der cloud (wir berichteten) mit dem man seine dateien an jedem rechner immer aktuell hat. sensible daten sollten da nicht hin, ist zwar passwortgeschützt, aber man weiß ja nie… erst heute ist eine sicherheitslücke beschrieben wurden. was liegt also näher, als sensible dateien dort nur verschlüsselt abzulegen, sodass nur ich sie öffnen kann? und warum nicht mit dem gleichen (demselben?) schlüssel, den ich auch zum mailen verwende?

…und die lösung!

und siehe da! es gibt ein programm namens cryptophane, das genau dies kann. es greift auf die vorhandene gnuPG-installation zu und auf die hinterlegten schlüssel. bietet eine grafische oberfläche und nistet sich ins windows-kontextmenu (rechtsklick) ein. wie das in anderen betriebssystemen aussieht: keine ahnung – ich bin nur windows-nutzer. um das ganze zu erklären, eine kleine anleitung.

und so sieht das praktisch aus:

  1. zuerst brauchen wir gnuPG auf dem rechner, importieren oder erstellen dort unseren privaten schlüssel.
  2. dann installieren wir cryptophane
  3. wir starten cryptophane und wählen encrypt im menu. jetzt suchen wir uns eine datei, am besten eine in der dropbox:

    screenshot cryptophane

    oder wir klicken mit rechts auf die datei und wählen encrypt and/or sign:

    screenshot cryptophane - kontextmenu

  4. im folgenden dialog haken wir encrypt with public key und sign with secret key an und wählen jeweils unseren eigenen schlüssel:

    screenshot cryptophane - verschlüsseln

  5. passphrase eingeben (das supergeheime passwort!), die datei wird verschlüsselt:

    screenshot cryptophane - erfolgsmeldung

  6. aus blabla.xlsx wird blabla.xlsx.gpg im gleichen ordner. die ursprüngliche, unverschlüsselte datei kann nun gelöscht werden. dank dropbox-mechanismus wird die datei automatisch hochgeladen und steht sekunden später auf allen anderen clients zur verfügung. nur eben verschlüsselt, sodass niemand unbefugtes darauf zugreifen kann. kompletter datenmüll, excel beispielsweise meldet:

    screenshot excel: datei kann nicht geöffnet werden

  7. wollen wir die datei wieder entschlüsseln auf einem anderen rechner, gehen wir genauso vor. datei mit rechtsklick anwählen, decrypt anklicken:

    screenshot cryptophane - entschlüsseln

  8. neuen dateinamen wählen, passphrase eintippen und fertig:
    screenshot cryptophane - entschlüsselt!

was sonst noch?

so weit, so gut. toll wäre es, wenn das alles automatisch funktionieren würde. dass man nur seine passphrase eintippen müsste beim öffnen und die entschlüsslte datei sich wieder löscht nach dem schließen. aber das wäre zuviel verlangt. toll wäre es auch, wenn solche funktionen gleich von haus aus im betriebssystem vorhanden wären. aber ich glaube, da können wir lange warten.

es gibt genau zwei arten von menschen: die einen, die auf dem unterschied zwischen den wörtern „das gleiche“ und „dasselbe“ beharren und die anderen, die ständig von ersteren ermahnt werden. wie kreuzzügler in heiliger mission wird da erbittert und mit ernster miene belehrt. dass es sehr wohl einen unterschied gibt und man doch bitte darauf achten sollte. da kennt der grammatiker keine gnade und wiederholt es in den unmöglichsten situationen. mein ureigenster versuch, das gespräch in solchen momenten ad absurdum zu führen, indem man beide begriffe wahllos verwendet und miteinander mischt, ist gescheitert. fundamentalistische grammatikaner sind leider völlig ironiefrei.

aus einem forum:

wie in der Mathematik (a = b) so auch in der Grammatik. Gleicheit, wie auch Ungleichheit setzt immer mehrere (in der Regel 2) Objekte voraus zwischen denen überhaupt ein Vergleich stattfinden kann. Das Wort selbst bezieht sich dagegen in seiner Wortbedeutung auf sich (Reflexiv).

(tail-end) recursion im lidl am beispiel romanesco - september 2009

das ewig selbe im immer gleichen also – oder:

Projektionen finden sich daher auf unterschiedlichen Abstraktionsniveaus und Schöpfungsebenen. Sie dienen dazu, die Vielfalt und Kreativität des Bewusstseins zu erfahren und in allen Erfahrungen potentiell das Ewig Immergleiche als Ur-Grund allen Seins zu entdecken. (BUSAM, Renate: Projektion und Manifestation)

der kurier hatte es ja heute ganz groß auf dem titel: die obduktionsergebnisse von eisbär knut liegt auf dem tisch. von einem killervirus ist die rede. sogar die todesursache konnte endlich geklärt werden:

„In den Lungenbläschen fanden wir Pflanzenpartikel, ein Zeichen, dass Knut ertrunken ist.“

ganz groß. als bonbon gibt es nun auch hier knut-relevante bilder. inklusive blick in den kopf. wohl bekomms.

Blick aus dem Hausflur in der Soldiner 37 (Nov 2005)

Der Tagesspiegel erklärt die Geschichte hinter Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“1. Das ist ganz schön spannend, weil Fallada die Geschichte einer realen Familie erzählt – von den Hampels in der Amsterdamer Straße 10 im Wedding. Widerstand in der Nazizeit, nicht von der Generalität, sondern ganz einfachen Menschen, die unter dem Einsatz ihres Lebens selbst geschriebene Postkarten verteilen in den Hausfluren des Weddings:

„Es ist dringend notwendig, dass vernünftige Deutsche (!) sich endlich einreihen im Kampfe gegen die kriegsschuldige Hitler Regierung Bande!“

Darüber gibt es nun auch ein Buch von Manfred Kuhnke2.


  1. vor 15 Jahren mal gelesen und noch im Schrank – jemand Interesse? []
  2. KUHNKE, Manfred: Die Hampels und die Quangels. Authentisches und Erfundenes in Hans Falladas letztem Roman. Herausgegeben vom Literaturzentrum Neubrandenburg. Federchen Verlag, Neubrandenburg 2001, 173 Seiten, erhältlich über die Hans-Fallada-Gesellschaft in Carwitz für 13 Euro, www.fallada.de []

lidl-regal, februar 2011

ein regal im supermarkt, voll mit günstigem und überflüssigem. allein die zusammenstellung! prominent unten im bild: knusprige speckkrusten aka schweineschwarten in fett gebacken – damit vertreibt man jeden gast. rechts daneben brezeln, die schmecken wie salzstangen. darüber bad-spray und haselnuss-krokant, china-glücks-keske, weight-watchers-zeugs und ganz oben (nicht im bild) hunde- und katzenfutter.

dies nur zur dokumentation. das römische reich ist untergegangen, weil alle nur rumlagen und weintrauben gefressen haben. wir werden bald aussterben, weil wir vor dummheit gar nicht mehr merken, was wir in uns reinstopfen. da kann auch die regal-bestückung egal sein.

in tausend jahren werden intelligentere lebensformen unsere kassenzettel finden und nur mit dem kopf schütteln…

„Es gibt das böse Wort, dass jedes Volk die Regierung besitzt, die es verdient.“1
– STEFAN WOLLE, 1999 –

Vielleicht irre ich ja in der Annahme, dann korrigiert mich bitte: Kann es sein, dass es derzeit weder Struktur noch Ordnung, noch Richtung, noch Visionen2 gibt? Immer nur um den ranzigen Brei reden und wenn wirklich mal was passiert, dann tritt man zurück? Was ist denn das für eine Politik. Da können wir das doch gleich selber machen. So per Facebook oder Petition. Die Schwamm-Intelligenz im Bundestag hilft uns jedenfalls nicht weiter, da muss man sich nicht wundern, wenn die Jugend nicht mal mehr politikverdrossen wird.

Reichstag im März 2011

Es mag ja sein, dass diese unsere Regierung eine stabile und verlässliche ist – nur für was steht sie? Wie soll man denn bitteschön dagegen sein, wenn man nicht weiß wofür? Selbst gegen Atom sind sie mittlerweile und gegen Stuttgart – diese wichtigen Themen wurden uns Regierungskritikern genommen! Sicherlich gibt es noch genug Reibefläche, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Politik langweilig und grau geworden ist und einen Hosenanzug anhat. Gähn.

Bundeskanzleramt im März 2011

Gehts eigentlich nur mir so oder seht Ihr das ähnlich?


  1. WOLLE, Stefan: Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989. Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn 1999, S. 52 []
  2. „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ – HELMUT SCHMIDT – Altkanzler mit viel Meinung []

Mittelpromenade und Alhambra (Dezember 2008)

sonntag morgen um halb sechs im wedding, es wird langsam hell, vögel zwitschern, autos fahren die müllerstraße hoch und die seestraße runter. die straßenbahnen lassen auf sich warten. wie stählerne, leuchtend gelbe königinnen gleiten sie majestätisch über die schienen.

der imbiss zur mittelpromenade1 hat schon geschlossen, nur der kiosk daneben hat schon auf. davor ein mittdreißiger mit großem hund. und seine junge und aufgetakelte freundin. die soll das hundeführen erlernen, stellt sich aber nicht sehr geschickt an, unser mittdreißiger wird ungeduldig, schreit sie an. nuckelt an seiner bierflasche und kann sich kaum noch grade auf den beinen halten. ein paar jüngere kommen vorbei, es wird getuschelt, geschrien, der hund wird umarmt, alles sehr abstrakt. ist das jetzt schon kleinkriminalität oder noch assi? der betrachter wird es nie erfahren, denn irgendwann kommt auch mal die straßenbahn und bringt einen nach hause. zeit wirds.


  1. vgl. dazu WERNING, Heiko: In Bed with Buddha. Ein episodischer Entwicklungsroman []

Frontalangriff aufs Gesundheitssystem: Die Kassen bezahlen nicht alle Leistungen, die benötigt werden, sondern nur die billigsten Medikamente. Ein alter Arzt in Berlins diesmal gar nicht so szeniger Mitte zahlt drauf und den Patienten geht es besser. Blöderweise stirbt aber einer und nun ermittelt die Mordkommission.

Ganz schön ruhiger, nachdenklicher Tatort, auch Felix Stark hat Beschwerden. Ritter verguckt sich in Susanne, lässt es aber wieder, als er ihr krankes Kind bemerkt. Nicht sehr schön, aber wahrscheinlich nah an der Realität.

+++ Link +++ Erstausstrahlung: 03.04.2011

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