Telekom in der Palisadenstraße (Berlin-Friedrichshain)

Dass da noch keiner vorher drauf gekommen ist: Technology Review hat einen Artikel über Wissenschaftler, die sich für Verbindungsdaten von Mobilfunkanbietern interessieren, zum Zwecke der Forschung über Soziologie beispielsweise. Ist natürlich ein riesiges Datenschutzproblem. Die Forscher sagen zwar, sie clustern und löschen und schauen sich gar nicht die personenbezogenen Daten an, aber Schindluder wird immer betrieben.

Ein belgischer Forscher hat folgende Entdeckung gemacht:

Dabei fand er heraus, dass die französisch sprechenden und den niederländisch sprechenden Belgier kaum durch Anrufe oder SMS verbunden sind. Für politische Gruppierungen, die eine Teilung Belgiens in zwei Staaten, Wallonie und Flandern, fordern, dürfte dieses Ergebnis ein gefundenes Fressen sein.

Die nächste Frage ist auch, ob die Provider überhaupt diese Daten verkaufen dürfen, immerhin sind es sensible Informationen, die da gespeichert werden. Alles sehr spannend.

Wow. Ein richtig spannender Tatort, von der ersten Minute an. Mit viel geheimdienstlicher Trickserei werden die Kommissare an der Nase herum geführt: Zersetzung, Täuschung, Überwachung. Und am Ende muss Herr Stedefreund für seinen Alleingang bluten. Sehr Forsythesk.

Aber! Die Story um alte Stasi-Seilschaften, die noch Gift aus dem Kalten Krieg einsetzen, ist ja mal sowas von an den Haaren herbei gezogen. Dazu Waffenschmuggel an die Rebellen, um die Welt zu befreien. Hach, das wäre Stoff für einen guten Spionagethriller, aber für die Bremer Kripo? Haarsträubend.

Link +++ Erstausstrahlung!

[xrr rating=5/7]

M. trinkt MilchKühe auf einer grünen Weide, im Grunde das nächstliegende Design. Jedoch, so trivial, so gefährlich: Immerhin soll Milch verkauft werden und kein Fleisch. Dazu ein Hinweis, dass das Produkt mal einen Preis gewonnen hat und die Nährstoffangaben. Mehrere Schriftarten machen das Bild auch nicht rund.

Entspannter Sonntag im Rosengarten

Gibt es etwas schizophreneres als Städter, die sich mehr Grün in der Stadt wünschen? Da können sie doch gleich aufs Land ziehen! Aber nichts da – seitdem es Städte gibt, werden diese vollgepflastert mit Grünflächen, Parks und Stadtwäldern. Der Mensch ist ein eigenartiges Wesen. Und wenn er mal Zeit hat, dann zieht es ihn ins Grüne, Picknicken, Grillen oder Rumliegen, Quatschen, Trinken. Als hätte er keine Wohnung. Als würde er nicht einen horrenden Teil seines Lohns für Miete zahlen.

Berlin macht da keine Ausnahme und hat zu allem Überfluss viele grüne Anlagen. Die Stadtverwaltung unterstützt das auch noch mit Steuergeldern. Das Grünflächenamt ist sofort bei der Stelle, wenn mal ein Ast umknickt oder ein Blümchen zertreten wird. Eine Bankrotterklärung des Menschen vor Mutter Natur. Wollen wir hoffen, dass da Tempelhofer Feld bald zugebaut wird.

Noch ein entspannter Sonntag

Oben im Wedding, genauer: Gesundbrunnen, gibt es den Humboldthain. Mit Flakturm und vielen Bäumen. Und mittendrin der Rosengarten. Ein englischer Garten, mit labyrinthisch angelegten Gehecke und – der Name sagt es – Rosengestrüpp. Zieht dann natürlich die entsprechende Klientel an wie das Licht die Motten: Alte, Gehetzte und Familien. Und da sitzen sie dann und werden grünflächig von der Arbeit abgehalten. Das ist mal wieder typische Mensch: sucht Zerstreuung und entspannt, als hätte er keine anderen Probeme.

Gunnar Schupelius ist der Franz-Josef Wagner der B.Z.. Auch er versteht sich als Anwelt des kleinen Mannes und schreibt in seiner Kolumne, was ihn bewegt. Damit hat er es sogar schon mal in die ZEIT gebracht. Gestern regte er sich auf über das Bundeswehr-Hausverbot an einer Schule in Karlshorst. Darf er, ist ja Demokratie hier. Aber seine Kritik bleibt nicht lange dezent:

Soldaten unseres demokratischen Landes, die an vielen Orten dieser Welt für Frieden und Ordnung sorgen, werden von den Lehrern einer Berliner Schule geächtet. Das ist eine Unverschämtheit gegenüber den Angehörigen der Bundeswehr und ein schwerwiegender Bruch mit unserer Verfassung. (B.Z.: Bundeswehr-Hausverbot an einer Schule)

Da kann man natürlich anderer Meinung sein. Und weil das so ist, bittet die B.Z. um eifriges Kommentieren. Per Telefon, Mail oder twitter. Ein Kommentarfeld gibt es leider nicht. Und Herr Schupelius scheint auch nicht so viel von twitter zu halten:

Gunnar Schupelius auf twitter

Ein toller Film über Warschaus armen Stadtteil Praga. Über einen Photographen, der sich erst die Kamera klauen lassen muss von einem Kind, damit er lernt, gute Bilder zu machen. Und die Bilder werden noch richtig entwickelt, nix mit Digital. Über Trinker, die jeden Tag vor dem Haus sitzen, aber um telefonische Terminabsprache bitten. Wie ein Märchen: verfallene Häuser, Armut, Gewalt, aber auch viel Herzlichkeit und Freundschaft. Und am Ende wird alles ein bisschen gut.

Leider nur mit deutschen Untertiteln, also ohne Synchronisation.

LINKS: wikipedia +++ imdb

Eine alte Frau schaut den ganzen Tag aus dem Fenster und beobachtet einen Mord im gegenüberliegenden Haus. In der Boddinstraße in Neukölln übrigens. So richtig will ihr das keiner glauben, aber man sollte ja jedem Hinweis nachgehen.

Es entspannt sich ein überraschend ruhiges Kammerspiel. Keine Hektik, kein SEK, keine wilden Verfolgungsjagden. Fast schon langweilig ermitteln die Berliner, sprechen sehr vernünftig miteinander und mit den Zeugen und Verdächtigen. Sehr ernst das alles.

Immerhin wächst Ritters Bart langsam wieder. Und die Pflegerin lässt Stark abblitzen.

LINK +++ Erstaustrahlung!

[xrr rating=5/7]

darf man eigentlich keinem erzählen, ich machs trotzdem, wir sind schließlich blog: ein teil meines abiturs war eine mündliche prüfung im fach kunst. dazu gehörte eine praktische arbeit, ich hab‘ damals so ein käthe kollwitz-dings in speckstein geschliffen (gar nicht mal so ungefährlich). der rest der prüfung bestand dann aus theoretischem gelaber zu geschichte und bildaufbau und blabla. und vor diesem hintergund muss man folgendes bild sehen:

Bauarbeiten am George-Grosz-Platz oben am Ku'damm
Bauarbeiten am George-Grosz-Platz oben am Ku'damm

dann da steckt ganz schön viel hintersinniges drin. muss man nur genau hin schauen. und da sag‘ noch einer, bauarbeiter und die senatsverwaltung für stadtentwicklung hätten keinen sinn für kultur und hintergründiges. und subtilen humor.

Logo von ihrspielplatz.deNeue Kinderspielplätze in Berlin zu finden, war bisher recht schwierig. Doch Dank Oliver Bertram ist dies nun kein Problem mehr. Der Vater und Programmierer füllt seit 2005 seine Datenbank mit Bildern und Infos und stellt diese ins Internet. Auf der Site kann man suchen und bewerten. Zwar funktioniert noch nicht alles so perfekt, aber um neue Ausgehmöglichkeiten fürs Kindsvolk zu finden es sehr hilfreich.

Spielplatz Soldiner Straße
Damit man sich nicht auf solchen Spielplätzen langweilen muss gibt es nun die Internet-Site ihrspielplatz.de!

Im Tagesspiegel stehen noch ein paar interessante Hintergründe zur aktuellen Situation:

In Berlin schreibt das Spielplatzgesetz pro Einwohner einen Quadratmeter Spielplatzfläche vor.

Klar, dass die Praxis ganz anders aussieht. Und auch die Sauberkeit und Attraktivität lässt auf einigen Plätzen nur zu wünschen übrig. Daran wird auch eine übersichtliche Internet-Site nichts ändern. Um aber einen Überblick zu bekommen schon.

nur noch ein paar tage, dann geht das grauen wieder los. das fernsehen und die supermärkte sind schon voll mit fragwürdigen produktkampagnen in schwarzrotgold. autofähnchen für 50cent werden angeboten und höchstwahrscheinlich auch gekauft. plötzlich werden alle wieder zu fußballexperten und benehmen sich wie englische touristen. ist irgendwie zum reflex geworden in den letzten jahren.

Bolzplatz in Leipzig 2006
Bolzplatz in Leipzig 2006

am liebsten auswandern. ganz weit weg. nach südafrika zum beispiel.

Millionenbrücke am Gesundbrunnen

Herr Gideon Böss hat die Königsdisziplin aller Berliner Journalisten und freien Autoren absolviert: Er ist eine Runde Ringbahn gefahren. Und er hat alles aufgeschrieben. Das klingt total spannend und investigativ, nicht. Zu allem Überfluss vergleicht er das kulturelle Leben im Zug auch noch mit den Privatsphäreneinstellungen von Facebook. Dabei kommt er zu einer bemerkenswerten Feststellung:

Verglichen mit der richtigen Welt ist das Internet ein ganz schön verklemmter Ort.

Würde ich sogar unterschreiben. Nicht jedoch seine Aussage, dass Social Networks anonymer seien als eine Zugfahrt. Mehr dazu in den Kommentaren zum Artikel.

Ein paar importierte Bilder aus meinem Flickr-Stream. Machen sich hier so schön geordnet noch besser. Hab ich schon mal erzählt, dass ich genau einmal in meinem Leben Moped gefahren bin und prompt umfiel und die gute neue Levis schrottete im zarten Alter von 14? Nein? Naja, jetzt weiß es die Weltöffentlichkeit…

[xrr rating=6/7]

Erstausstrahlung! +++ LINK +++ Rezension von Kai-Oliver Derks

Alberich bekommt eine Persönlichkeit, sie ist sogar ein wenig verliebt. In den frisch aus der Haft Entlassenen, der schnell unter Mordverdacht gerät. Und der ein wenig ungelenk gespielt wird von Tobias Schenke (hatte unter anderem im Polizeiruf „Alles Lüge“ mitgespielt). Boerne bekommt Höhenflüge und kämpft verbissen für seine Wahrheit gegen alle Widerstände. Zu allem Überfluss fällt das Wasser aus und Thiels Haare verfetten zusehends. Nur Thiels Vater ist sauer, weil er den Finderlohn für die Leiche nicht kassiert und weiter malochen muss für die neue Hinterachse vom Taxi.

Wieder ein kleines Meisterstück, köstliche Dialoge und zwei geschickt ineinander verwobene Fälle. Aber das Konzept nutzt sich langsam ab meiner Meinung nach. Nur immer die gleichen Giftereien wegen Thiels Untermietverhältnis. Boernes unkonventionelle Art, sich in die Ermittlungen einzumischen. Am Ende die obligatorische Verfolgungsjagd – zwar funktioniert das und man schaut es gern‘, doch es hat sich eben nach fast acht Jahren und 17 Fällen abgenutzt, das muss man ja mal sagen. Viel Weiterentwicklung der Figuren gab es nicht in der Zeit.

weißer plastikstuhl
weißer plastikstuhl im discounter für nur ein paar euros
der wohl meiste stuhl aller zeiten ist der weiße plastikstuhl. überall, wo man hin kommt ist er schon da. seine anfänge reichen bis in die frühen achtziger. er hat eine eigene website, eine hommage, eine liebeserklärung: functionalfate.org. und in der new york times stand das auch schon vor jahren. man muss ihn nicht mögen, ihm ist das wahrscheinlich total egal. er ist globalisierung und provinz in einem, er ist funktionalität und gebrauchsgegenstand. ganz sicher nicht ästhetik. aber wer kann schon von sich behaupten, noch nie auf einem gesessen zu haben?

Letzte Woche gabs eine spannende Diskussion zum Thema „Gentrifizierung im Wedding?“ – ich war leider nicht da, dafür der stadtbekannte Soziologe Andrej Holm. Er hat nun die Diskussion zusammen gefasst und veröffentlicht:

Gentrification Blog: Berlin-Wedding: Im Schatten der Aufwertung (15. Mai 2010)

Nun wohn‘ ich schon eine Weile hier, alle paar Jahre erklären zitty und tip den Wedding zur neuen Szene. Die DEGEWO thront wie eine Käseglocke über allem und füllt die unvermietbaren Läden mit Künstlern zum Selbstkostenpreis. Einmal im Monat ist Kolonie Wedding, da kommen merkwürdige Menschen aus anderen Stadtteilen und gucken Kunst. Das Quartiersmanagement versucht ziemlich viel, nicht nur Aufwertung, auch Integration, Sprachkurse und so Sachen.

Schrebergartenglück in Berlin-Wedding
Gartenlauben an der Panke: Wird das bald der einzige bezahlbare Wohnraum im Wedding?

Aber Veränderungen? Sicher, Roibereien und Schusswechsel sind seltener geworden. Die strukturellen Probleme aber bleiben und sind sehr offensichtlich. Armut, hoher Migrantenanteil, jahrzehntelange verfehlte Politik und mieses Image – im Wedding subsumiert sich das alles. Die Bürgersteige werden als Sperrmülldeponien missbraucht (nebenbei: die BSR leistet viel, karrt das Zeug regelmäßig weg – und die Preise steigen), Hundescheiße und aggressive Jungs. Brüllende Mütter auf Spielplätzen. Jedem Gentrifikations-Theoretiker sei ein Besuch des örtlichen Discounters ans Herz gelegt. Wer hier herzieht wegen der billigeren Mieten (Stichwort „Umzugsketten“), der sollte sich auf einiges gefasst machen. Der Ton ist rauer, prolliger und berliniger als anderswo.

Altbausubstanz im Wedding
Wolkenkulisse an der Wriezener Ecke Biesentaler

Und so schnell wird sich das auch nicht ändern. Sicher, die Mieten werden teurer, die Frage ist nur, wie schnell. Aber ob sie je das Niveau von Prenzlauer Berg erreichen, bleibt zweifelhaft. Die Voraussetzungen sind eben andere, hier gibt es keine Immobilienfirmen, die nach der Wende billig Häuser gekauft haben. Hier gibt es kaum Leerstand (und wenn, dann nur in unzumutbaren Plattenbauten). Hier gibt es (noch) keine Szenekneipen, nur künstlich erzeugtes Künstlerleben (siehe oben). Saniert wird auch, aber nicht mehr als anderswo. Viel Kaputtes wurde abgerissen nach dem Krieg und durch zweifelhafte Architektur ersetzt, die Jahrhundertwende-Häuser wurden kontinuierlich modernisiert und sind durchweg in einem passablen Zustand. Arabisch- und türkisch-stämmige Familien bleiben durchschnittlich länger in Wohnungen als beispielsweise Studenten, die nach ihrem Studium woanders hin ziehen. Alles Gründe gegen eine beschleunigte Aufwertung.

Hugo-Heimann-Bibliothek, Swinemünder Straße
zweifelhafte 70er-Jahre-Architektur: Dreck auf Knallorange mit runden Ecken

Hier im Haus haben sich die Mieter auch fast komplett ausgetauscht, im Flur stehen plötzlich Kinderwagen und alle sind jünger als noch vor ein paar Jahren. Wo sind die alten Mieter hin? Ist das schon Gentrifizierung oder ein ganz normaler Prozess in einem Mietshaus? Die Grenzen sind fließend und vielleicht bin ich auch Teil der Bewegung, Auslöser oder treibende Kraft. Keine Ahnung.

Ich finde, bei dieser Diskussion ist auch ganz viel Hass, Sozialneid und Ignoranz dabei. Klar, dass Luxuswohnprojekte scheiße sind. Aber es ist eine Entwicklung. Aufhalten kann man das nicht, schon gar nicht stoppen. Zieht man eben um, wenns einem nicht mehr gefällt. Oder hab ich irgendwo was falsch verstanden?

auch wenn ich schon neun jahre in berlin wohne: es gibt immer noch ecken, die ich noch nicht kenne. vieles ist überraschend, weil berlin meistens gar nicht nach berlin aussieht, sondern ganz anders. alt-tegel ist zum beispiel so ein faszinosum: da denkste, du bist irgendwo in meckpomm1 und hinter der promenade lauert die ostsee. oder die fahrradwege an sämtlichen kanälen, spreen und haveln2, sehen sämtlich aus wie friesland.

und irgendwann wird es auch mal wärmer, da gibts noch viel mehr zu entdecken.


  1. wer meckpomm sagt, sagt auch prenzlberg und beweist, dass er keine ahnung hat []
  2. so genau weiß man ja nie, an welchem gewässer man sich grad befindet []

sterben ist nicht schön. aber manchmal muss es eben sein. bis vor ein paar jahren brauchte der weddinger nicht mal als toter seinen kiez verlassen und konnte sich zünftig vor ort einäschern lassen. in einem wirklich hübschen häuschen. dem berliner senat war der ofen aber zu teuer und nun ist selbiger aus und steht zum verkauf. ein besuch (lebend!) lohnt aber trotzdem, wurden hier zB auch die attentäter von 1944 verbrannt. drumherum ist ein urnenfriedhof und alles ist so dörnröschenmäßig verwachsen. der etwas andere sonntagnachmittagausflug. romantisch, nicht?

auch schick: das krematorium als kubisches panorama

Der Himmel über Pankow
Der Himmel über Pankow

Wo wir gerade bei Flughäfen waren: Auch Tegel, dieses Betonmonster im Norden Berlins soll 2012 geschlossen werden. Viele Reinickendorfer und Pankower atmen erleichtert auf. Ob es wieder einen Volksentscheid geben wird? Oder wütende Proteste von ehemaligen Rosinenbombern? Auf jeden Fall wirds ruhiger im Bürgerpark und anderswo. Keine schweren Maschinen im Vier-Minuten-Takt überm Picknickkorb. Keine lästigen Gesprächspausen.