am donnerstag kam auf arte „johnny cash at folsom prison“, ein gut gemachte doku über JRs leben und gefängnis-konzerte. über die leute, die dabei waren, die er inspiriert hat und so weiter. kann man gar nicht alles erzählen, muss man gesehen haben. müsst ihr mal auf der artewebsite wühlen, obs da noch verfügbar ist. da hab ich jetzt keine nerven für. hängengeblieben jedenfalls ist dieses video. großartige story, beeindruckend gespielt und gesungen vom meister und animiert von den filmemachern:

[youtube jxvR7ZUjaJk]

dieses jahr wurde abgewrackt, und zwar im ganz großen stil. allein der name schon: UMWELTprämie! 1.746.267 noch funktionierende autos wurden eingedampft (ein paar haben es dann doch noch woanders hin geschafft) und dafür wurden neue produziert. das war mit umwelt nicht mehr viel. sogar die wikipedianer sind sich diesmal einig, dass das quark war. und die fette deutsche autoindustrie bekommt ihre krise eben 2010. ich könnt mir uffregen, die ganze zeit. aber lassen wir das, ich muss ja an meinen persönlichen co2-verbrauch denken.
und überhaupt das klima! da wars im dezember noch mal richtig schön und die miesmacher aus aller herren länder treffen sich in kopenhagen und wollen das klima abschaffen. zum glück gibts nur gezänk und keine einigung. die zweigradgrenze (2°, nicht zweig-rad) war das ziel, das verfehlen wir zum glück um etliche grads nach oben. wäre auch noch schöner: die politiker beschließen den permafrost, damit keiner mehr in den park geht, sondern ins einkaufszenter und konsumiert. aber nicht mit uns! da drehen wir die heizung auf bei offenem fenster und lassen das warmwasser beim zähneputzen mal so richtig fließen. wäre doch gelacht, wenn wir konsumenten da nicht auch ein wörtchen mitzureden hätten. und überhaupt: was treffen die sich denn da in dänemark, warum nicht dubai oder afrika. ist doch viel wärmer. versteh‘ einer politiker.

ach, das war ein jahr (und jahrzehnt). vorbei.

büchertrödel 1
also echt jetzt mal. keine noch so geniales und ausgefuchstes empfehlungssystem kann eine buchhandlung oder ein antiquariat ersetzen. nicht mal an den verlockenden charme einer bücherkiste auf dem trödelmarkt kommt das internet ran. da ich erwiesenermaßen kein literaturprofi bin, wähle ich bücher spontan aus, nach klappentext, empfehlungen oder geruch. manchmal nach farbe, einband oder gebrauchsspuren. das buch muss eine geschichte haben. es muss mich ansprechen, zu meiner stimmung passen und dick genug sein. nichts verachte ich mehr als bücher mit weniger als zweihundert seiten. da kann es noch so gut sein: die enttäuschung, nach wenigen hundert seiten wieder aufzuhören, nein, den schmerz tu‘ ich mir nicht an.

wie anders ist es doch im internet: da vergleicht man, wägt ab, gewichtet die kundenrezensionen und entscheidet sich dann doch dagegen. weil es irgendwem mal nicht gefallen hatte oder weil der preis zu hoch ist. nein, dann doch lieber gut sortierte buchhandlung.

und überhaupt bücher, ich habe mehrere regale voll und will doch immer wieder neue. manche habe ich noch nicht mal gelesen, andere habe ich wieder verkauft. und in ganz krassen fällen habe ich sie wieder gekauft. jedes buch in meinem besitz hat eine geschichte. die kann ich erzählen, auch wenn ich mir sonst nichts merken kann.

aber vielleicht ist das alles gar nicht so wichtig.

dies nun war das zweite jahr in der krise. mittlerweile haben wir uns dran gewöhnt und es geht wahrscheinlich auch in den nächsten jahren noch kriselnd weiter. zwar ist das system noch nicht zusammengebrochen, aber man arbeitet dran. immerhin hat sich deutschland nun eine schwarzgelbe regierung gegönnt, damit das volk wenigstens wieder ordentlich eindreschen kann auf konservative und liberale. war ja immer schwierig mit rot und grün und rotschwarz. am schönsten zu beobachten war die opelrettung. ein krimi, wie ihn dan brown nicht besser schreiben hätte können. inklusive russen und arabern und einer überforderten regierung. und am ende kommt doch alles anders. herrlich. hoffen wir gemeinsam auf noch ein paar monate krise. denn konjunktur kann jeder.

[youtube _NXBzyxKF0U]

der tagesspiegel hat bilder von Jens Passoth, der durch berlin gezogen ist und die handlungsplätze von döblins berlin alexanderplatz fotografiert hat: tegeler gefängniss, sophienstraße, schlachthof an der landsberger und immer wieder rosenthaler.

das buch hab‘ ich schon mehrmals durch und vor allem der anfang ist ganz große literatur. nicht nur der stil, auch das geschilderte berlin: schmutzig, schnell, laut, alles wird umgebaut und an jeder ecke lauert gefahr. und das beste: wenn ich durch berlin laufe, dann fühle ich mich manchmal auch ein bisschen wie franz bieberkopf.

deswegen: mal wieder döblin lesen!

auch wenn der einsatz von google analytics derzeit diskutiert wird: wir sind hier schon einen schritt weiter. seit ein paar monaten setze ich die software piwik ein, die nutzerdaten liegen also in der derselben datenbank wie die inhalte und werden nicht heraus gegeben. schon gar nicht an google. bis heute wurden aber auch die IPs der besucher in dieser datenbank abgelegt, verschlüsselt zwar und wohl nicht so leicht zugänglich, aber immerhin. das ist nun auch geschichte, denn ab sofort werden keine IPs mehr gespeichert, dank diesem kleinen hack. darüber hinaus werden dank eines plugins auch keine IPs von kommentatoren gespeichert (mehr dazu hier).

jetzt muss ich nur noch ein paar plugins und dienste überprüfen und dann bekomme ich sicherlich auch das gütesiegel „Wir speichern nicht“.

(via, via)

Eye-Fiwir sind ja hier sehr innovationsfreundlich immer*. deswegen ein kurzer hinweis auf ein wirklich tolles produkt: eine speicherkarte mit integriertem wlan-dings zum bilder ins internet hochladen. das ist schon mal toll. noch besser: das ding geotaggt die bilder und videos selber. schreibt also rein, wo sie aufgenommen wurden. wie das technisch geht, steht hier. hab ich zwar nicht ganz verstanden und ich frag‘ mich auch gerade, ob das wirklich funktioniert. die dinger sind zwar nicht ganz billig (ab $50), aber sie ersparen immerhin eine menge arbeit.

(via)

* das meine ich tatsächlich so, auch wenn der satz ganz anders klingt.

michael jackson ist schon vor jahren gestorben. zumindest als mensch. übrig geblieben ist eine verschobene wahrnehmung, eine zerrfläche der gesellschaft in form des king of pop. schon die musiklehrerin in der grundschule zwang uns zu einer diskussion, ob sich schwarze menschen zu weißen umoperieren lassen dürfen. wir wunderten uns ob der modernen technischen möglichkeiten, hatten aber nicht viel beizutragen zur diskussion. wohlgemerkt, das war vor fast 20 jahren, anfang der neunziger. und dann waren die skandale um seine kinderliebe. und der auftritt bei thomas gottschalk. und immer wieder diskussionen über nasenoperationen und komischen lebenswandel. in ruhe gelassen hat man ihn nie. die öffentliche wahrnehmung schwankte zwischen mitleid und hass. war das neid? angst? ich weiß es nicht, es hat mich nie sonderlich interessiert und die musik fand ich jetzt auch nicht so dolle. aber er war teil meines lebens geworden, unser aller lebens. popkulturgeschichte eben. so wie die beatles, obwohl john lennon noch vor meiner geburt gestorben ist. und überhaupt: michael jackson kauft 1985 die rechte an allen beatles-werken.

und nun ist er also gestorben. dieselben heuchler, die sich immer über sein lebensstil beschwert hatten, die haben am lautesten geheult. aber dass die eklige berichterstattung vielleicht zu seinem abgefahrenen weltbild beigetragen hat, darüber hat keiner gesprochen.

sei’s drum, nun ist’s vorbei. und als kleine hommage an einen künstler, den ich nie so richtig leiden konnte, ein video von philippinischen gefangenen, die thriller performen:

[youtube rTSueUEaQo0]

heute zum thema kulturpessimismuskritik. mein feedreader verwies heute sehr oft auf einen artikel von kathrin passig: standardsituationen der technologiekritik. und weil der text so lang ist, habe ich ihn mir ausgedruckt. das mache ich manchmal, bei langen und schwierigen texten, die nicht gleich zu verstehen sind. insofern bin ich auch ein internetausdrucker. gebe ich offen zu, kann man mir später dann nicht vorwerfen.

nun liegen also die acht seiten internet vor mir. und die haben es in sich. lange nicht mehr soviel gescheites und bemerkenswertes gelesen. insgesamt acht argumente bzw. argumentationsstufen zählt die autorin auf. argumente gegen neue technologien. und sie zieht parallelen. zu längst etablierten technologien und deren anfänglicher kritik. mit vielen o-tönen und zusammenhängen macht sie klar: jede neue technologie wurde erstmal abgelehnt, argwöhnisch betrachtet und für tot erklärt. dass sich zum beispiel die schreibmaschine durchgesetzt hat: reiner zufall.

und immer wieder die parallelen zum internet, denn darum geht es im eigentlichen im text. dass es immer noch genügend menschen gibt, die es ablehnen oder zumindest den sinn der weltweiten vernetzung nicht verstehen (wollen). und es gibt menschen, die kommen zwar mit dem internet als solchem klar, aber twitter und facebook lehnen sie als unnützem kropf ab. stark abhängig vom alter der autoren sei das, schreibt passig. und hat wohl recht. denn genauso gehts mir, blogs find‘ ich toll, aber bei twitter habe ich den nutzen für mich selbst immer noch nicht entdecken können*.

als ausweg formuliert sie die these vom verlernen, denn wir haben uns in unserem leben zuviele lösungen angeeignet, die teilweise oder ganz durch neue techniken ersetzt werden. zum beispiel braucht niemand mehr das know-how und die ausrüstung einer dunkelkammer, um hochwertige photographien zu produzieren. aus diesem grund haben sich am anfang auch viele gegen digitalkameras gewehrt. zum verlernen kommt dann noch die zeit dazu: die menschen werden älter und andere wachsen nach. nur in den meinungsbildenten redaktionen sitzen noch die älteren und meckern. und schreiben kulturpessimistische texte.

aber vielleicht (und das ist jetzt meine these) brauchen neue technologien die anerkennung von kulturkritikern? immerhin bedeutet das, dass sie sich damit auseinander gesetzt haben. dass sie den sinn gesucht haben und den vorteil für sich. und auch wenn sie keinen gefunden haben und dies in langen und bösen essays kundtun: das neue wird so einer breiten masse zugänglich gemacht und hinterfragt. die anhänger des neuen reagieren und ätzen zurück, versuchen sich aber gleichzeitig zu erklären und hinterfragen somit ihre eigene meinung. und das ist doch sowas von gesund. wenn wir alles unkommentiert akzeptieren würden, dann hätten wir längst den sich selbst nachfüllenden kühlschrank und roboter für unsere zehennägelpflege.

insofern bin ich für die beherzte errichtung eines ministeriums für kritik in wissenschaft, technik und kultur. und zwar auf alles förderalistischen ebenen dieser republik. erster minister wird dr. edmund stoiber. der ist grad frei und kann ganz ungezwungen kritisieren.

* wobei ich mich immer öfter erwische, aktuelle ereignisse bei twitter zu suchen. die live-haftigkeit dieses mediums ist einfach unwiderstehlich…

bei der ZEIT gibt es einen guten artikel zur aktuellen hochschuldebatte / bildungsstreik. ich selbst streike nicht. weil ich nicht kann, ich habe keine zeit. das studium frisst die ganze zeit. echt jetzt mal. und die freie zeit muss für die familie bleiben. ganz klarer fall. aber ich bin einverstanden mit den meisten der forderungen. dass sich was ändern muss. dass bologna zumindest überarbeitet werden muss. dass die profs und mitarbeiter auch miteinbezogen werden sollten. denn die situation ist unerträglich: die lehrpläne sind zum teil diesselben geblieben, nur die regelstudienzeit wurde verkürzt. das ganze credit point system ist noch unausgereift, verlangt an manchen stellen zuwenig und anderswo zuviel aufwand. es fehlt die erfahrung, das muss dringend überarbeitet werden. vor ein paar semestern noch hätt‘ ich mitgemacht beim besetzen und streiken, doch jetzt will ich endlich fertig werden und raus aus diesem unerträglichen system aus (falschem) leistungsdruck und klausurenstress. auch das womöglich eine folge von bologna: dass jeder nur an sich denkt. womöglich sollte man tiefer diskutieren: welchen stellenwert ein studium und und ein student in der gesellschaft hat. wofür das alles? führt die verschulung der universitäten nicht automatisch zu schlechter ausgebildeten fachkräften, die nur straight nach vorne denken und nicht nach rechts und links? übrigens auch der grund, warum es dieses jahr keinen adventskalender gibt hier. auch eine form des streiks. immerhin.

fröhliche vorweihnachtszeit!

die universität leeds hat eine stellenausschreibung veröffentlicht. für immerhin 31,513 britische pfund untersucht man die arbeitsplätze und -bedingungen von lap dancers*. erfahrungen mit der durchführung von forschungen in der weilichen sex-industrie werden voraus gesetzt („Experience of interviewing and conducting surveys is essential, as is prior experience of conducting research in the female sex industry.“)

ist auch wichtig, sag ich mal.

(via)
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  • (gibt es dafür eine deutsche übersetzung und eine männliche form?) wikipedia hat mal wieder die passenden worte gefunden:

Bei einer speziellen Variante des Tabledance, dem Lapdance (engl. lap = der Schoß) tanzt der Tänzer zwischen den Beinen des sitzenden Gastes oder setzt sich auf seinen Schoß um sich zur Musik zu bewegen oder Geschlechtsverkehr in einer sitzenden Position zu imitieren. Dabei ist ein gewisses Maß an physischem Kontakt und Berührungen zwischen Tänzer und Gast gegebenenfalls möglich. (wikipedia)

bei death proof bspw. gab es eine sehr anschauliche szene.