das habe ich längst ausgelesen, aber die abschlußkritik bin ich noch schuldig: Ayn Rands Atlas Shrugged

ein wichtiges (und wuchtiges) stück weltliteratur. gerade vor dem hintergrund weltwirtschaftskrise wieder aktuell geworden. erzählt wird die geschichte geschäftsführerin und erbin einer eisenbahngesellschaft. doch statt mit technischen details muss sie sich mit einer veränderten politik und gesellschaftlichen stimmung auseinandersetzen: die schelte bekommen nun die manager und eigentümer, da sie zu wenig für die öffentlichkeit tun und nur an ihren profit denken. die politik reagiert und greift in den markt ein, reguliert ihn zu tode und nach nur ein paar jahren erlahmt das ganze land (hier: die usa in einer 50er-Jahre zukunftsvision). die besitzer reagieren und verschwinden unerhörter weise, ihre firmen übernimmt der staat und richtet sie zu grunde. nur frau taggart, die eisenbahnmagnatin hält durch und kämpft gegen intrigen, dummheit und engstirnigkeit. währenddessen geht ihr eigener konzern vor die hunde: züge entgleisen, brücken stürzen ein, lukrative strecken werden geschlosen, um politisch motivierte streckenabschnitte bedienen zu können. nach und nach wird klar, wohin all‘ die ehemaligen kapitalisten hinverschwunden sind und wer ihr anführer ist, eben jener john galt. das buch gipfelt in der rede galts. diese rede ist tief in der amerikanischen kultur verankert, wird zitiert und auf youtube finden sich mehrere rezitationen. zum beispiel diese hier:

[youtube yOt6rUkU5xY]

im kern geht es um die frage, wieviel staat verträgt der markt, wo muss er eingreifen, muss er überhaupt oder ist es nicht viel besser, dem unternehmer alle freiheiten zu lassen? darüber kann man ewig diskutieren, das ist hoch spannend. und ich habe, der leser ahnt es bereits, eine etwas andere meinung als ayn rand und ihr john galt. sie malt an der stelle zu schwarzweiß. das kann man ihr vorwerfen. und dass ihr buch kein großer literarischer wurf ist. eher ein monstrum. aber im gleichen atemzug muss man sagen, dass sie weit über den neoliberalismus hinaus denkt (ihre philosophie nennt sich objektivismus). sie lässt einen ihrer protagonisten sagen:

„Widersprüche gibt es nicht. Wenn ihr meint, ihr hättet es mit einem Widerspruch zu tun, überprüft eure Prämissen. Ihr werdet feststellen, dass eine davon falsch ist.“ (hier gefunden)

und das ist großartig. die ermahnung zum denken. immer wieder neu. ohne feste paradigmen, ohne den ballast von vorgefertigten meinungen. in der tradition von aristoteles und kant. das unterschreibe ich sofort. und auch den ansatz, ihre philosophie in romanform zu gießen statt in unlesbare aufsätze: nobel. nur das ergebnis scheitert an sich selbst. oder zumindest an ihren literarischen fähigkeiten.

nichtsdestotrotz empfehle ich dieses buch all jenen, die selber denken (wollen). man muss ja nicht immer mit der autorin einer meinung sein.

[xrr rating=5/7]

Der einzige und letzte Polizeiruf mit Kriminalhauptkommissar Friedrich Papen, gespielt vom inzwischen verstorbenen Jörg Hube. Ein gut gemachtes Lehrstück über Verantwortung und Gehorsamkeit. Mit leider aktueller Brisanz: In Afghanistan sterben bei einem Anschlag drei Soldaten, der Untersuchungsbericht kann keine Ungereimtheiten erkennen. Nur ein paar Unverbesserliche, die dabei waren wollen die Wahrheit herausfinden und entführen den damals Verantwortlichen und stellen ihn auf eine Tretmine im bayerischen Wald. Nimmt er seinen Fuß runter, wird die hochgehen. Derweil ermittelt Papen zusammen mit Frau Steiger von der Bundeswehr unter Hochdruck, denn lange hält ein Mensch das nicht aus auf so einer Tretmine. Nicht mal ein Elitesoldat. Die Frauen der Opfer werden befragt und es tun sich Abgründe auf. Die Soldatin wird gezwungen, ihr Bild von der Truppe zu überdenken. Schnell geht es nicht mehr nur um die Tretmine, sondern vor allem um die Ereignisse des Anschlags. Und am Ende war es dann doch ganz anders.

Zu einseitig, zu plakativ, könnte man den Machern vorwerfen. Denn es ist Krieg und da gehört Sterben nun mal dazu. Wird auch mehrmals im Film gesagt. Und Vertuschung von folgenschweren gehört wohl auch nicht zum Alltag in der Bundeswehr. Oder zumindest werden sie schnell aufgedeckt, wie auch die jüngsten, realen Ereignisse zeigen. Zieht man diese fiktive Ebene ab, bleibt trotzdem ein spannender und gut gemachter Film übrig.

Was ich aber noch wichtiger finde: Dass sowas zur besten Sendezeit thematisiert wird. Denn Redebedarf besteht auf jeden Fall. Das zeigt auch, dass die Regierung offiziell von Krieg spricht, und nicht so heuchlerisch von Friedenseinsatz, wie das Rot-Grün tat. Aber es müssen Taten folgen. Ob das nun ein sofortiger Abzug sein muss, weiß ich nicht. Vielleicht. Oder vielmehr: es gibt keine Alternative. Denn eine Besatzung bleibt eine Besatzung, egal aus welch‘ hehren Zielen sie erfolgt. Und Besatzte werden sich immer gegen die Besetzer wehren. Zumal hier verschiedene Kulturkreise aufeinander treffen, das verschärft die Situation noch.

Einziger Wermutstropfen (der auch in der aktuellen Diskussion fehlt): Die Auswirkung von Krieg und Besatzung in Afghanistan. Zugegeben, das hätte den Rahmen gesprengt, hier ging es um die Heimatfront, um Frage, wie ein Land und die Familien mit toten Soldaten umgehen. Denn egal wie weit weg der Krieg stattfindet, es ist Krieg und da sterben Menschen auf beiden Seiten.

Link +++ Erstausstrahlung!

[xrr rating=6/7]

stell‘ dir vor, es ist politik und alle machen was sie wollen: der eine bombardiert zivilisten und will bis zuletzt keinen fehler darin erkennen. der andere säbelt einen journalisten ab, nur weil der ihm nicht gefällt. am nürburgring soll es nicht mit rechten dingen zugegangen sein, usw, usf…

eine positive nachricht findet sich dann doch noch zwischen all‘ dem unsinn:

Daniel Dettling, Geschäftsführer der umstrittenen Denkfabrik „berlinpolis“, hat erstmals öffentlich zugegeben, dass seine Firma mit der Lobbyarbeit im geheimen Auftrag der Deutschen Bahn und weiterer Kunden im Jahr 2007 „einen Fehler“ begangen habe. (tagesspiegel)

übrigens musste erst lobbycontrol den schwindel aufdecken.

in bad hersfeld, irgendwo zwischen göttingen und frankfurt/main wird gesammelt. für bedürftige, arme und kinderreiche familien und rentner in der ukraine, rumänien und berlin-wedding. organisiert wird das ganze vom christlichen hilfsdienstes bad hersfeld. ab mittwoch können die pakete im wert von jeweils 10€ in verschiedenen supermärkten der region abgegeben werden. steht alles hier.

nun sammelt westdeutschland also wieder für berlin. doch nicht der kommunismus wird diesmal bekämpft, sondern kinder- und altersarmut. wäre es nicht so ernst und dringend, könnte man über diese situation lachen. denn jeden samstag, von 11-13 uhr ist essensausgabe vor der kirche st. pauls an der pankstraße. die aktion laib und seele findet dabei großen zuspruch:

Zu den angebebenen Terminen nutzen jeweils 100 bis 250 Menschen aus dem Einzugsbereich der Gemeinden dieses Angebot. Sie müssen bei ihrem ersten Besuch einen Nachweis ihrer Bedürftigkeit vorlegen, dann bekommen sie für die Folgebesuche eine Karte ausgestellt.

Der Bedarf ist groß und die Gemeinden freuen sich über Unterstützung bei der Beschaffung der Lebensmittel am Tag vor der Ausgabe ebenso wie bei der Ausgabe der Lebensmittel. Auch Lebensmittelspenden sind erwünscht, deren Gültigkeitsdatum darf nicht vor dem Ausgabetermin abgelaufen sein und sie müssen ungekühlt zu lagern sein. (quelle)

und auch wenn ich sonst nicht so der religionsliebhaber bin, hier hat die kirche zu ihren anfängen zurück gefunden. unterstützenswert, nicht nur von bad hersfeld aus.

über die beiden hatte ich mich ja schon mal aufgeregt. jeder weitere tatort kann das nur bestätigen. diesmal geht es um einen toten reporter im wald, um einen schlitzohrigen bauunternehmer, einen gewieften bürgermeister und um den vom pech verfolgten familienvater (in dieser rolle glänzt ulrich mühe – respekt).

zehn jahre hat dieser tatort erst auf dem buckel und doch wirkt er merkwürdig antiquiert, wie aus einer anderen zeit. zwar gibt es schon computer und handys und autos und telefone. dennoch, so richtig atmosphäre will nicht aufkommen. ich bin mir aber nicht so sicher, woran das eigentlich liegt.

Link +++ Erstausstrahlung: 30.05.1999

[xrr rating=4/7]

niiu_logoder eigentliche grund, warum es in letzter zeit so wenig neues gibt: seit montag wird die roiberhöhle mit niiu beliefert. hä? jaja, richtig gelesen, doppel-i. um es kurz zu machen: das ist eine gedruckte zeitung mit den inhalten aus anderen gedruckten zeitungen. per web legt man die ressorts fest, die man gerne liest, dazu noch ein bisschen internet-inhalte. den rest macht eine schweizer software und morgens liegt die niiu vor er tür und will gelesen werden. beim fontblog gibt es eine gute kritik und auch ein paar bilder davon. und in ihrem eigenen blog berichten die macher von den schwierigkeiten, das ganze auf die beine zu stellen. zugegeben, so perfekt ist das ganze noch nicht. aber technische schwierigkeiten lassen sich in der regel lösen. viel wichtiger bleibt die frage, ob es sich durchsetzen wird. und da steckt viel potential drin: denn es macht mehr sinn, die wichtigsten seiten von mehreren zeitungen zu haben, als nur von einer. es bleibt also spannend.

interessanter ansatz: das ganze buch ist ein dialog der autorin mit ihrem freund. er ist mehr so der wirtschafter, sie die kommunikationsexpertin. und sie reden über allerlei: wie unternehmen kommunizieren, wie kommunikation in der wirtschaft funktioniert und auf keinen fall funktioniert. zugegeben, streckenweise wirkt das gespräch aufgesetzt und wenig realistisch. aber die kernaussage wird rübergebracht: nur wer gute geschichten erzählen kann, verkauft auch gut. hinter jeder werbebotschaft sollte ein plot sein, ein ganzes storyboard, damit es mir der kunde abkauft. kein uninteressanter gedanke, zugegeben. und dann war da noch ihre oma, die sehr oft in ihren geschichten auftaucht: ein kölner original mit ebenerdigen materiellen ansprüchen und lebensweisheiten.

[xrr rating=4/7]

Piktogramme in der Deutschen Bahn - November 2008

und zwar genau hier. aber angenehm war das nicht, ditt könnt ihr mir globen. das krisenmanagement der deutschen bahn war jetzt auch nicht so großartig, immer wieder rinn in zug, raus, dann sollte angeblich ein schienenersatzverkehr mit bussen eingerichten worden sein, stattdessen gings nach einer halben stunde wieder in den zug. und dazwischen das schlecht gelaunte brandenburgische publikum, spaß geht jedenfalls anders. immerhin habe ich den bahnhof in luckenwalde kennen gelernt, hat auch was. am ende hatten wir dann vier stunden verspätung, auch nicht schlecht. zum glück habe ich nur den polizeiruf verpasst…

interessant zu wissen:

Eine bestimmte Schokoladensorte fällt beim Röntgen durch die Spezialisten regelmäßig als sprengstoffverdächtig auf.

[nachtrag:] im oktober kam es in luckenwalde zu einem bösartigen gaunerstück:

„…entwendete ein 30-jähriger Besucher in einem Restaurant […] Chilischoten eines anderen Gastes.“

beim kauf von ware […] gewährt ihnen [beliebiger einrichtungsmarkt] einen rabatt in höhe des mehrwertsteueranteils, der auf den in der filiale ausgezeichneten preis anfallen würde. allerdings kann [beliebiger einrichtungsmarkt] aus gesetzlichen gründen dem kunden nicht die mehrwertsteuer als solche erlassen. der kassenbon wird daher weiterhin eine mehrwertsteuer ausweisen, jedoch bezieht sich diese auf einen entsprechend reduzierten betrag. der kunde ist nicht berechtigt, die erstattung des auf dem kassenbon ausgewiesenen mehrwertsteueranteils zu verlangen.

ergänzende geschäftsbedingung zum thema „mehrwertsteuer geschenkt!“ geniestreich oder gaga-aktion zugekokster marketingler?

jetzt wirds gleich ein bisschen eklig und schockierend und man muss weinen, zumindest fragt man sich, wozu menschen alles in der lage sind.

babys werden auch mal krank. und da ist die nase voller rotz. die meisten wischen dann einfach nur das ab, was rausläuft. man sagt, die höhlenmütter früher haben ihrem neandertalernachwuchs einfach die nase mit dem mund ausgesaugt. da war man nicht so zimperlich.

aber man kann auch professionell nase putzen. offenbar aus ungarn kommt ein trend nach polen, die nase mit dem staubsauger auszusaugen, immerhin mit einem aufsatz. da kann man nun selbst entscheiden, ob man das seinem kindchen antun will oder nicht. effizient sieht es zumindest aus: dazu gibt es auch ein großartiges video! Falls mir das wieder keiner glaubt.

frau blum entdeckt ihre mütterliche seite, als sie auf den sohn des ermordeten aufpasst. aber nicht nur, dass er jede nacht schlafwandelt. dazu büchst er auch noch jede nacht aus. frau blum wird vermöbelt vom pösen osteuropäern und perlmann flachst rum, diesmal hat er aber keine zeit für frauengeschichten. in konstanz und umgebung tauchen in letzter zeit exotische tiere auf, ganz großartig: ein gürteltier läuft durchs bild. und am ende wars dann ganz anders als gedacht.

netter tatort. aber bei den beiden steckt mehr drin. es fehlt beiden an substanz, an backround. alles wirkt so halbfertig und steril.

Link +++ Erstausstrahlung: 09.04.2007

[xrr rating=4/7]

gestern kam es in berlin und im fernsehen zum zombiewalk der pösen musikindustrie, die kasper und harlekine und halbtoten trafen sich und taten so, als wären sie relevant. bezeichnend, dass heute morgen im radio bemängelt wurde, dass die atmosphäre in der großen handy-halle („Ruhmeshalle“, „Halle des Volkes“) sei total kalt und kühl gewesen, weil doch alles fürs fernsehen optimiert wurde. das fernsehen wurde entzaubert, hat einer gesagt. knapp hundert jahre nach seiner erfindung. und mit in den abgrund gerissen wird mtv, früher musiksender, dann klingeltonanbieter und nun semilustige serienschleuder. das kann man traurig finden oder ignorieren. robbie williams meint: reality killed the video star und trifft den punkt. da kann bono auch noch so viel gratis konzertieren.

die theorie vom produktlebenszyklus sagt, dass produkte kurz vor ihrem tod noch einmal kurz aufflammen, das würde das gestrige interesse erklären. ansonsten gilt: das wars dann wohl, mtv. war nett.

yahoo und google mögen sich nicht besonders, ahnt man vielleicht. deswegen war es immer krückig, bilder aus der schnellsten bildverwaltungssoftware zum besten (imho) bilderdienst zu schicken. aber es gibt picasa2flickr (gibts auch für mac), hab‘ ich gerade erst entdeckt. und jetzt sagt bitte nicht, dass ihr das schon kanntet… das integriert sich als eigener button und schickt die bilder an den uploader , der muss installiert sein. so einfach kann das leben sein.

kaum ist der bart ab, da gibts auch schon eins auf den hinterkopf: kollege ritter liegt im krankenhaus und stark und weber ermitteln im subsubunternehmersubventionierungssumpf. die hintergründe erinnern leicht an marina lewyckas „caravan“. diesmal hats den fleischkönig erwischt, kurze zeit später verkauft der sohnemann firmenanteile an die pösen ukrainer und die bulgaren sind plötzlich alle weg. welche rolle spielt die exfrau und mutter, warum ist die chefsekretärin die putzfrau von letzter woche und warum sieht gammelfleisch so verlockend frisch aus? viele fragen bleiben unbeantwortet bei diesem berliner tatort. und ganz eigentlich gehts ums rauchen: der juniorchef kaut nikotinkaugummis, um am ende wieder zu quarzen und den nervösen strohmann sieht man nur mit zigarette. was wollen uns die drehbuchschreiber damit sagen? und: ist der pathologe wirklich neu oder hat er sich nur erfolgreich versteckt in vergangenen folgen? es bleibt spannend bis zum nächsten mal. dann ist ritters bart hoffentlich wieder nachgewachsen und der kopf verheilt.

Link — Erstausstrahlung!

[xrr rating=6/7]

das scheint ja nun zum guten ton zu gehören: gratiskonzerte in berlin. nach robbie williams letztens kommt nächste woche u2 zu besuch und spielt dort 20 minuten am brandenburger tor. ulkigerweise musste man sich registrieren, die 10.000 plätze waren nach ein paar minuten natürlich sofort weg. derweil verdienen händler im internet an den gratiskarten und es scheint eine menge menschen zu geben, die bereit sind dafür geld auszugeben. was auch eine menge über die menschheit aussagt. nur wird gutmensch bono diesmal nichts daran verdienen. was auch irgendwie doof ist, zumal sein hochhaus nun offenbar doch nicht gebaut wird. aber vielleicht ist das alles gar nicht so schlimm, immerhin spart er auch eine menge steuern und da kann man schon mal gratis konzertieren. verrückte welt.