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Unendlicher Spaß Cover

Nun bin ich also fertig. Ein paar Tage schon, kann aber immer noch nicht meine Finger davon lassen. Zu groß ist die Versuchung, immer wieder zu blättern und neue Zusammenhänge zu finden. Ein bisschen wie in einem Puzzle. Denn eigentlich werden nur ein paar Wochen beschrieben. Und eigentlich müsste man den Ziegelstein noch mal von vorn beginnen. Das letzte Mal hat mich Ecos Foucaultsche Pendel so herausgefordert und gefesselt, da war ich 17 oder so.

Nach den beiden Einträgen zwischendurch nun also mein abschließender Kommentar: Es geht um Zwänge. Und zwar auf sämtlichen Ebenen. Neben Drogen- und Medikamentenkonsum und -missbrauch auch so abwegiges wie Putzzwang, den Zwang, Haustiere zu töten usw. in scharfen Beobachtungen, herrlich formuliert und wunderbar übersetzt, beispielhaft folgende Sätze:

„Diese Neigung zu verwickelten Abstraktionen nennt sich auch »Marihuana-Denken«, und apropos, das massivem Bob-Hope-Konsum folgende sogenannte Amotivationssyndrom ist eine Fehlbezeichnung, denn Kiffer verlieren nicht das Interesse am praktischen Funktionieren, sondern marihuanadenken sich in Labyrinthe der reflexiven Abstraktion hinein, die die schiere Möglichkeit praktischen Funktionierens infrage stellen, und die geistige Arbeit, hinauszufinden, beansprucht alle verfügbare Aufmerksamkeit und lässt den Bob-Hope-Raucher daher scheinbar lethargisch, apathisch und amotiviert dasitzen, während er sich in Wirklichkeit einen Ausweg aus dem Labyrinth erkämpft. Die den Cannabiskonsum begleitende überwältigende Naschsucht (der sogenannte Kiffhunger) könnte übrigens ein natürlicher Verteidigungsmechanismus gegen diesen Verlust des praktischen Funktionierens sein, denn es gibt ja wohl kein praktischeres Funktionieren als die Nahrungssuche.“
(Endnote (a) zur Fussnote 269)

Dabei beschreibt er neben der eigentlichen Sucht die Auswirkungen auf Nahestehende und vor allem die Gefühle und Auswirkungen beim Aufhören. Oft sitzen wir in Sitzungen der Anonymen Alkoholiker (AA – engl. Alcoholics Anonymous) und hören zu. Leiden mit. Auf eine so authentische Art und Weise, die ich selten zwischen zwei Buchdeckeln fand.

Und obwohl es um viele gescheiterte Existenzen geht, oft um den Bodensatz der Gesellschaft, führen diese selbstbestimmte Leben, sogar Poor Tony Kraus, die wohl tragischste Gestalt der jüngeren Literaturgeschichte.

Ich könnte noch viel mehr schreiben und vielleicht kommt auch noch was, man wird sehen. Muss es wohl noch mal lesen.

[xrr rating=10/10]

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Buchcover invers Unendlicher Spaß

es geht ja unter anderem um heranwachsende in der ETA, einer tennis-sportschule. und die spielen in ihrer freizeit eschaton, a fictional geopolitical game played on four contiguous tennis courts (#). ab S.4641 sind wir beim spiel am interdependenztag, J.d.I.-U. dabei, was in der folge ziemlich ausartet und konsequenzen nach sich zieht. das tolle dabei, The Decemberists haben das im musikvideo ‚Calamity Song‘ verwurstet (via).

  1. auf S.199 ist eine E-Mail abgedruckt, ein versicherter beschreibt einen unfall mit einem flaschenzug. diese ist nahezu identisch mit der von Manfred Krug rezitierten story auf dem schon angejährten Live-Mitschnitt ‚Jazz Lyrik Prosa‘. hat wallace hier geklaut? oder bietet sich diese absurdität einfach an? nein, hier steht, dass es auf Jean Charles zurückgeht und sich wallace und krug nur bedienten.
  1. auf S.405 ist von der ringelpiezeria die rede, das gemeinschaftliche essen nach einem anstrengenden tennis-turnier – eine großartige neuschöpfung von übersetzer ulrich blumenbach.
  1. weil es keine fernsehwerbung mehr gibt, mussten die konzerne sich andere werbeformen einfallen lassen, es wurde der gregorianische kalender abgeschafft und die jahresbezeichnungen gesponsert2 – auf S.530 erfahren wir, dass die freiheitsstatue in new new york city (sic!) jedes jahr ein anderes produkt in der hand hält.
  1. „Der Schlüssel zur erfolgreichen Verwaltung einer Juniorentennis-Academy der Spitzenklasse liegt in der Kultivierung einer Art inversem Buddhismus, einem Dauerzustand der Totalen Sorge.“ (S.653)

  1. [Eine der Erkenntnisse, die man gewinnt, wenn man ein wenig Zeit in einer Entzugsklinik verbringt:] „Dass ‚Hinnehmen‘ meistens vor allem eine Frage der Müdigkeit ist“ (S.295)


  1. alle Seitenzahlen beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe bei Rowohlt, 2011 []
  2. Jahr des Whoppers, …des Tucks-Hämorrhoidensalbentuchs, …der Dove-Probepackung, …des Perdue-Wunderhuhns, … der mäuschenstillen Maytag-Spülmaschine, …des Yushityu 2007 Mimetische-Auflösungs-Patronensicht-Hauptplatine-Leicht-Zu-Installieren Upgrades Für Infernatron/InterLace TP-Systeme Für Heim, Büro oder Unterwegs (sic!), …der Milchprodukte aus dem Herzen Amerikas, … der Inkontinenz-Unterwäsche, …des Glad-Müllsacks []

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Buchcover Unendlicher Spaß Paperback

wahnsinn. ich bin noch nichtmal bei der hälfte angelangt, aber doch ziemlich süchtig nach dem buch. der grund auch, warum zur zeit nicht viel passiert. seit zwei monaten, ich muss echt mal an meinem lesetempo arbeiten. wobei ich zweifle, nach diesem ziegelstein andere bücher überhaupt noch ernst nehmen zu können. meine umgebung ist wohl auch schon ein bisschen angenervt von meinen erzählungen aus dem buch. #hach. ich kanns nur empfehlen, es wird euren blick auf die welt schärfen, am anfang ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber mit der zeit gewinnt es an fahrt. um einen eindruck vom inhalt zu gewinnen, eine zusammenfassung der ersten zweihundert seiten:

[JAHR DES GLAD-MÜLLSACKS]: Harold „Hal“ Incandenza ist 18 und Tenniswunder und sitzt vor einer Immatrikulation-Kommission, es kommt der Verdacht auf, dass er geschummelt haben könnte. Weil er superkluge Essays schrieb und lauter abnormal gute Noten hat. Und weil seine Verwandtschaft in seiner alten Schule arbeitet. Als er sich erklären will, verstehen wir Leser zwar seine Sätze, bei der Kommision kommt aber nur Geblubber und wildes Gestikulieren an. Sie sind so erschrocken, dass sie ihn erstmal einweisen. Ob es mit dem Schimmelklumpen zusammenhängt, in den er als Kind herzhaft hinein gebissen hat?

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Ein Abhängiger wartet in seiner Wohnung auf die Lieferung einer unerhörten Menge Dope. Mit dieser will er sich vier Tage lang einschließen und sie wegdampfen. Dumm nur, dass die Lieferung lange auf sich warten lässt. Er hat sich auch fest vorgenommen, danach mit dem Kiffen aufzuhören. Das hat er sich allerdings schon oft gesagt. Es folgen viele Überlegungen und Wendungen, kurz: die ganz normalen Psychosen Abhängiger. Am Ende klingeln Telefon und Tür gleichzeitig.

[1. APRIL – JAHR DES TUCKS-HÄMORRHOIDENSALBENTUCHS]: Hal muss zur Konversation mit seinem Vater („Er Selbst“ – seine Mutter nennt er „Die Moms“).

[9. MAI – JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Kurzes Gespräch zwischen Hal und Mario kurz nach dem Aufstehen.

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Die Geschichte des Gesundheitsattaches Und der Abend, an dem er alleine zu Hause ist und eine merkwürdige Filmpatrone in der Post findet.

[JAHR DER DOVE-PROBEPACKUNG]: Merkwürdige Story um Wardine, Reginald, Dolores Epps, Clenette, Roy Tony, Columbus Epps.
Und die Geschichte von Bruce Green und Mildred L. Bonk, die sich in der High School kennen lernen und am Ende zusammen ziehen in einen Wohnwagen mit Tommy Doocey.

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Gespräch zwischen Hal und Mario kurz vor dem Einschlafen über den Tod ihres Vaters.

[8. Oktober – JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Ein Tag im Leben des Orin Incandenza, Hals Bruder. Eine Nachricht von der Bekanntschaft der letzten Nacht („das Subjekt“), ein Vogel stürzt in den Pool

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Hal ist 17 und kifft heimlich im Gebläseraum. Es geht ganz allgemein um Drogenkonsum an der ETA. Die Frau des Gesundheitsattaches findet ihn, auf den Film starrend.

[HERBST – JAHR DER MILCHPRODUKTE AUS DEM HERZEN AMERIKAS]: Die Geschichte vom Einbruch des Drogensüchtigen Don Gately in das Haus des stellvertretenden Bezirksstaatsanwalts

[3. NOVEMBER – JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Jim Troeltsch, 17 erkrankt kurz vor dem Training, Fieberträume.

[AB DEM JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Die Geschichte von Dr. James O. Incandenza, dem Gründer, Filmemacher und Vater.

[DENVER (COLORADO), 1. NOVEMBER – JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Orin ist Darsteller in einem Werbefilm, könnte auch ein Traum oder ein Trip sein. Ein weiterer Traum und/oder Trip:

Der Schiedsrichter flüstert Aufschlag Bitte. Wir beginnen eine Art Spiel. Aber irgendwie bleibt alles spekulativ. Selbst das »wir« bleibt Theorie: Durch die Umstände der Partie bekomme ich meinen fernen Gegner nie richtig zu sehen.

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Kate Gompert, 21, liegt nach einem erneuten Suizidversuch im Krankenhaus, es folgt die Beschreibung einer Visite.

Ich wollte mir nicht wehtun. Ich wollte mich umbringen. Das ist doch wohl ein Unterschied.

Und die Geschichte von Gerhardt Schtitt („Cheftrainer und sportlicher Direktor an der ETA“), seine Gespräche mit Mario.


danach habe ich aufgegeben, den inhalt nachzuerzählen, lese lieber. entschuldigt also, wenn es so ruhig um mich ist…