Farbeweiß

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Die Capitana

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die geschichte von Mika Feldman de Etchebéhère habe ich zuerst beim kaffeehaussitzer entdeckt und regelrecht verschlungen.

geschickt verschachtelt geschrieben nehmen wir am leben einer frau teil, deren lebensgeschichte auf der einen seite so typisch für das 20. jhd ist und auf der anderen seite so außergewöhnlich. sie kämpfte im spanischen bürgerkrieg und befehligte eine truppe revolutionäre, litt unter den stalinistischen säuberungen, erlebte in berlin den aufstieg der nazis, in paris führte sie ein armes künstlerleben und schrieb ihr leben lang. was will man mehr. und sie hatte ideale, stand auf der richtigen seite und verteidigte ihre ideen um jeden preis. aus unserer trägen 21. jhd-perspektive wirkt das so weit weg, dabei sollten wir alle ein bischen mehr wie mika sein.

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Im Kreis der Gespenster

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fünf erzählungen über das leben und das verlieren. grenzsituationen und menschlichkeit oder der verlust derselben. ein land am rande des wahnsinns jenseits von politik und weltgeschichte. hier geht es um verlust und aus der bahn geworfen werden. unbedingt lesen und über sich selbst nachdenken.

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Die Biene und der Kurt

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seethalers romandebut ist ganz anders als seine späteren bücher. der stil erinnert an wolf haas, so in der art, ein österreicher erzählt dir in der kneipe eine geschichte. der erzähler weiß aber nicht viel über seine figuren und kann über gefühle nur spekulieren. ein sprachlicher kniff, der das ganze buch trägt. die story selbst – gemobbtes mädchen flieht aus der katholischen mädchenschule und tourt mit einem abgehalfterten musiker durch die provinz – ist eigentlich traurig, lebt aber von situationskomik und dramatischen wendungen. irgendwo zwischen tschick und fleisch ist mein gemüse von heinz strunk. das buch funktioniert sicherlich auch als film.

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Lauras Schweigen

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eher zufällig im antiquariat entdeckt und mitgenommen, weil schon mal ein buch von ihr gelesen. hier geht es um eine new yorker familie aus drei geschwistern und anhang, deren mutter als jugendliche von spanien nach kuba und dann usa migriert ist (wurde, es gab eine arrangierte hochzeit). diese mutter ist nun im hohen alter gestorben, nur ihre tochter laura weiß das, behält es aber den ganzen abend für sich. die familie trifft sich, trinkt, geht essen. und am nächsten tag ist beerdigung. soweit die story.

der eigentliche kniff sind jedoch die perspektivwechsel. es gibt innenansichten aller beteiligten, geschichten aus der vergangenheit, meinungen. die stimmung in der runde droht mehrmals zu kippen, zu unterschiedlich sind die charaktere, zu vieles ist passiert früher, zu vieles wurde nicht gesagt. es liegt viel enttäuschung, wut und dominanz in de luft. der tod der mutter jedoch schwebt über allem, ähnlich wie sie ursache der verhaltensweisen ihrer kinder ist. liest sich flott und interessant.

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Schwere Knochen

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tolle geschichte über österreichs unterwelt kurz nach dem krieg. erzählt mit viel schwarzem humor und witz. die erdberger-bande fand sich schon vor dem krieg, kam ins KZ und legte nach kriegsende richtig los. bis zu ihrem untergang in den sechzigern erleben und formen sie das unterwelts-wien der besatzung und neutralität. im mittelpunkt der krutzler, der seine morde immer als notwehr deklariert und damit durchkommt. seine desaströse liebe. dazu allerlei andere schillernde figuren und das menschlich-abgründige. vielleicht nicht historisch-sauber, aber auf jeden fall ein literarisches schmankerl.

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Rückkehr nach Polen: Expeditionen in mein Heimatland

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nach dem ersten buch nun ein selbstversuch. ob der titel ein querverweis auf das buch von didier eribon sein soll, kann man zumindest ahnen, immerhin ist es ähnlich persönlich, wenn auch nicht ganz so wissenschaftlich.

die autorin – geboren in polen und aufgewachsen in deutschland – zieht für ein jahr mit ihrer tochter nach danzig und berichtet. von einem gespaltenen land, den gegensätzen, der politischen spaltung – oft innerhalb einer familie, der jüngeren geschichte zwischen postsozialismus und kapitalismus. aber auch von den alltäglich widrigkeiten. es ist sowohl eine geschichte von migration und anpassung – oft scheitert sie an für sie unbekannten alltäglichkeiten, wird schief angesehen, versteht die codes nicht – als auch beobachtungen von politik, gesellschaft und alltag.

stefan möller arbeitet sich in seinen büchern an einem ähnlichen thema ab, hat eine andere, viel unpolitischere perspektive. smechowski blickt mit einer sehr deutschen perspektive auf das nachbarland, sieht vieles kritisch, ist aber oft auch positiv überrascht. und darum gehts wahrscheinlich: die vorurteile, mit denen man rangeht an ein land sind immer falsch und bestätigen sich, aber am ende ist es doch ganz anders.

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Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 (Hörbuch)

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das buch lässt mich ratlos zurück. es ist hoch interessant, was der protagonist erzählt, eine kindliche sicht auf die bundesrepublikanische gesellschaft der sechsziger jahre, inklusive RAF-terror und katholischer erziehung. zumal der protagonist als fabrikantensohn nicht dem idealbild der 68er entspricht. jedes detail wird analysiert und es werden schlüsse gezogen, die zwar in sich logisch sind, doch von außen völlig verquer wirken. es ist aber mehr als die innenschau eines verwirrten jugendlichen, das macht das buch spannend aber auch schwierig. dazu abhandlungen über popmusik, die beatles im speziellen. über die ddr, die brd. verschiedene erzählstile, mal verhör, mal vortrag, mal essay, ergeben eine abwechslungsreiche, aber keineswegs einfache kost. man muss sich zeit nehmen, vielleicht bin ich auch zu jung, um alle anspielungen zu verstehen, aber man bekommt ungefähr eine ahnung, wie sich eine jugend damals angefühlt hat.