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andy weirs marsianer habe ich vor ein paar jahren verschlungen, das neue buch nun also als hörbuch.

die menschheit hat es geschafft, eine kolonie auf dem mars zu errichten, die unterstützungsflüge starten von kenia aus (nähe zum äquator!). die protagnoistin ist auf dem mond aufgewachsen und wäre gern in der EVA-gilde, also jene, die ausseneinsätze absolvieren. nur leider schafft sie es nicht und muss also weiterhin transportaufträge mit kleinen schmuggeleien machen. viele geld wird ihrversprochen für einen sabotageakt, der später die ganze kolonie gefährdet.

das buch ist strikt linear erzählt, es gibt zwar rückblenden und allerlei erklärungen, aber es geht nur vorwärts. es ist ein wirtschaftskrimi mit allerlei wissenschaft. denn wie im marsianer liegt in den physikalischen und astromischen erklärungen das herz des buchs. schweißen in der schwerelosigkeit? kein ding, gib einfach mehr sauerstoff dazu. die produktion von aluminium verbraucht zwar 80% unserer energie, aber als nebenprodukt erhalten wir den sauerstoff für die kolonie gratis. und so geht es weiter. es ist schauerlich präzise – ich habe keine rechte ahnung davon, aber es klingt plausibel – oder zumindest gut erklärt.

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wir reisen mit stasiuk in den osten seiner kindheit. geschickt verwebt er seine erfahrungen: 1960 geboren, aufgewachsen im sozialistischen polen der sechziger und siebziger jahre. in seiner biographie lesen wir von grausamer armeezeit und gefängnis, davon ist im vorligenden band nichts zu lesen. wohl aber von seinem verhältnis zum mangel in den läden, der allgemeinen lethargie im sozialismus, dem grau der städte.

er erinnert sich daran in jenen momenten, da er im fernen osten in der wüste gobi umgeben ist von nichts. denn das ist das eigentliche thema des buchs, die unendliche weite, leere und trostlosigkeit, je weiter er nach osten reist. dabei fängt er im osten polens an, beobachtet seine landsleute bei der religiösität kurz vor ostern, verachtet ihren konsum und ihre scheinheiligkeit. später gehts nach rußland, das er mit dem sowjetunion-bild seiner kindheit vergleicht und doch nur immer gemeinsamkeiten findet. immer weiter geht es, sibirien, mongolei, china. in die endlose weite (ich beginne mich zu wiederholen). wir stehen mit ihm auf einem hügel in der steppe und lauschen auf die stille. wir krabbeln in eine jurte und erinnern uns an die einfachheit des lebens vor dem mauerfall. es sind die parallelen, die so faszinieren.

und in der ferne glänzt china, das langsam die welt erobert, es wird vor allem in jenen kargen regionen sichtbar. und hier wagen wir einen blick in die zukunft, china wird sich uns von osten nähern, wir sollten langsam anfangen, uns damit zu beschäftigen.

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eine geschichte um einen fiktiven hacker in den siebzigern/achtzigern. voll mit realen begebenheiten ergibt sich ein stimmiges bild der anfänge des hackens und phreakens. am anfang stand das kostenlose telefonieren mittels simpler pfeiftöne. das wurde professionalisiert und man baute sich blue boxen, an dieser stelle spielen auch apple-gründer Steve Jobs und Steve Wozniak eine reale rolle. weiter gehts mit dem hacken in die datenbank der telefongesellschaft und das manipulieren von abrechnungsdaten.

natürlich kann ein comic nur an der oberfläche der geschichte kratzen, aber der autor schafft einen spannungsbogen bis zum schluss, indem er bspw meinungen aussenstehnder einholt („vox pop“), die story vom befreundeten radiomoderator erzählen lässt und teilweise recht nerdig ins detail geht. ich lese in anderen rezensionen von kritik am zeichenstiel („Der Seitenaufbau erfolgt nahezu immer im gleichen Bildraster, die Zeichnungen wirken statisch.„, Michael Brake in taz, 1.6.2014) – mir hats gefallen und text und bilder passen stimmig.

H I N W E I S
in diesem zusammenhang empfehle ich einmal mehr das wunderbare hörspiel Captain Crunch von Evrim Sen und Denis Moschitto, WDR 2010

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nun also noch ein buch über das kreuzberg der 80er. frank lehmann räumt die stühle runter und putzt, karl schmidt kann die kaffeemaschine bedienen und erwin ist neben sich und bekommt einen bauch. sie sind alle künstler in der wiener straße, im café einfalt und in der arschartgallerie. ist schon offen? es sind vor allem die dialoge, die das buch antreibt, das lebensgefühl in der mauerstadt, deren politische realität ist nur randnotiz. man lebt vor allem, macht kunst und redet. und es sind die absurden figuren, so liebevoll und arschig sie auch gezeichnet werden, so viel wahres und reales steckt in ihnen.

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aus skandinavien (hier: norwegen) müssen also nicht nur düstere krimithriller kommen. vorliegendes buch ist eine sechshundertseitige reise in die vergangenheit des autors. immer aus heutiger sicht erzählt mit zahlreichen zeitsprüngen. es geht um seinen vater, der sich verändert hat, um ihr verhältnis im innen und im außen, es ist kompliziert. der tod des vaters kündigt sich früh an. situationen, kindheitserinnerungen, träume und wünsche und ängste werden beschrieben und analysiert. manchmal erschütternd, tragisch, oft auch komisch, eher lakonisch. tief und sprachlich anspruchsvoll geschrieben, sodass ich die anderen bücher dieses autobiographischen projekts auch lesen muss.

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wunderbares buch mit vielen photos und abbildungen. der autor streift durch die stadt und erzählt geschichte und geschichten. natürlich ist er an manchen ecken unglücklich über vergangene bausünden und abgerissenes. er erzählt vom teufelsberg, fährt mit dem 104er von westend nach stralau, spaziert mit einem berufsspaziergänger, berichtet von einem untergetauchten im zweiten weltkrieg, von tempelhof, der invalidenstraße. und vor allem, macht er lust, wieder auf eigene erkundungen durch die stadt zu streifen, abseits der wege, die man immer geht.

vorwerfen kann man dem buch lediglich, dass es nicht viel umfangreicher ist.

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ein mann begeht selbstmord: eine frau versucht dies zu verarbeiten. mehr passiert eigentlich nicht. anderseits passiert ganz viel, aber auf einer anderen ebene, es geht um wahrnehmung, schmerz, zeit. sie trifft einen merkwürdigen mann, augeschneinlich aus der zeit gefallen, unfähig zu kommunikation, deformiert, anders. er spricht wie ihr verstorbener, wie in einem gruselfilm. der autor lässt offen, ob das imaginiert oder real ist. wir bewegen uns in den gedanken der frau, vieles verschwimmt, ist nicht greifbar, weder für sie noch für den leser.

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habe nur den london-teil gelesen und fand es so semi-spannend.

die beiden autoren haben lange recherchiert für ihr buch und mit allen gesprochen, um ihre these zu untermauern, dass spezifischer sound nur zu einer bestimmten zeit an bestimmten orten (hier: städten). funktioniert. und sie fanden gute belege. ansonsten sehr viel namedropping und ein paar insider-geschichten rund um rock und pop. ganz nett.

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2014-03-12 23.45.03

„Nach Krakau kam ich zum Studium; es war Herbst, wie immer, wenn ein neues Studienjahr anfängt. Ich kam zum Studium, ein löbliches pragmatisches Unterfangen, aber es ging mir auch um etwas anderes. Halb unbewußt verlangte es mich auch danach, meine Stadt wiederzufinden, jene Stadt, von der ich wußte, daß sie für immer verloren war. Aber wir suchen ja oft etwas, was nicht mehr da ist.“

war natürlich im reisegepäck bei unserer fahrt in die wohl schönste stadt mitteleuropas. voll mit errinerungen an seine studentenzeit im kommunismus. an die unannehmlichkeiten des alltags, aber auch an die süße jugend. in blumigen wort beschreibt er eine welt, die so fremd und entfernt ist, dass man sich verwundert die augen reibt. dabei ist das alles nur ein paar jahrzehnte her. der besuch in krakau macht klar, dass die stadt nicht alles von dem im buch beschriebenen flair verloren hat. dieses buch ist kein einfaches, man muss sich zeit nehmen für die sätze, mehrmals lesen, aber es lohnt sich.

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eine geschichte der unwägbarkeit der argumente. auf der einen seite die wissenschaftler, die die artenvielfalt auf einer insel vor der küste kaliforniens durch eingriffe in die natur bewahren wollen, auf der anderen seite die militanten naturschützer, die das abschlachten von eingeschleppten arten um jeden preis verhindern wollen. dazu die lebensgeschichten der akteure und der inseln. gewohnt großartig miteinander verwoben, nichts anderes sollte man von boyle erwarten. nicht sein bestes buch, aber ein sehr politisches. wobei er zu vermeiden versucht, für eine seite stellung zu beziehen. es ist kompliziert, eine lösung hat er nicht, aber eine tolle geschichte.

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2014-03-11 19.19.20

karl schmidt, am ende bei herrn lehmann, am tag des mauerfalls, hat er sein kunstwerk zertrümmert, nach heftigem schlafentzug und sonstwas. dafür kam er in einer hamburger drogen-wg runter und ist nun wieder voll da. aber ganz ohne drogen geht es auch nicht: starker filterkaffee und zigaretten müssen sein. nach jahren der enthaltsamkeit zieht ihn das schicksal und die alten kontakte ins berlin der neunziger, voll siffigem umbruch- und künstler-wahn, rein in den techno-zirkus und ab durch deutschland auf große tour, bis nach schrankenhusen-borstel. eine tour de force, ein road-trip, ein ritt durch gestrandete lebensentwürfe und gescheiterte und erfolgreiche existenzen. wer eine ausgeklügelte story mit nebenhandlungen und überraschenden wendungen sucht, der ist hier falsch: regener erzählt linear, hier gibt es keine extrawurst für germanisten, es sind aber genau die sprache, die trockenen dialoge und die irren gedanken und kommentare, die dieses hörbuch so unwiderstehlich machen. dazu protagonisten, die es wohl nur in zeiten großer gesellschaftlicher umbrüche gibt. kurzum: lest dieses buch, oder lasst es euch vorlesen, vom autor selbst, ihr werdet es lieben. oder, wie hannah beim großen online-händler kommentiert:

„Ständig hab ich auf Bewegung in der Geschichte gewartet. Vergebens. Und vielleicht ist es auch einfach nicht mehr zeitgemäß. Die endlos Sätze (ein Satz gleich eine Seite oder auch mal drei Seiten) nervt inzwischen doch schon ziemlich. Auch hat man immer wieder das Gefühl, es handele sich insbesondere bei den Figuren Reimund und Ferdi um geistig leicht Zurückgebliebene. Die Art der Sprachewahl mit Anfang 50 ist auch für „Jungegebliebene“ recht niveaulos und primitiv. Beide bekommen oft keinen vernünftigen zusammenhängenden Satz zu Stande. Statt dessen reihen sich Wörter, Wiederholungen und Lückenfüller aneinander und füllen damit die ganze Buchseite. Könnte am ständigen Cannabiskonsum liegen, was auch völlig out ist.“

[xrr rating=7/7]

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1-2012-12-21 11.03.54

Ein interessantes Leben hatte Berthold Beitz auf jeden Fall. Erst Manager in der Erdölindustrie, dann jahrzehntelang Generalbevollmächtigter bei Krupp. Unter den Nazis rettete er hunderten Juden das Leben, später bereitete er den Weg für die Ost-Annäherung der Bundesrepublik. Das Hörbuch ist gut erzählt und vorgetragen, nur manchmal etwas langatmig und pathetisch. Aber spannend auf jeden Fall.

[xrr rating=5/7]

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Nettes Büchlein mit einer Auflistung vieler psychologischer Fehler im Denken. Nichts neues, aber in dieser übersichtlichen und kompakten Form doch interessant, sein Schreibstil ist auch ganz locker und frisch. Unbedingt lesen, kann man was lernen fürs Leben. Punktabzug, weil ich mir manches ein wenig ausführlicher gewünscht hätte.

[xrr rating=5/7]


ANLAGE: Die besprochenen Phänomene als Auflistung (frech geklaut von seiner Seite):

  • survivorship bias
  • swimmer’s body
  • overconfidence
  • social proof
  • sunk cost fallacy
  • reziprozität
  • confirmation bias (teil 1)
  • confirmation bias (teil 2)
  • authority bias
  • kontrast-effekt
  • availability bias
  • es-wird-schlimmer-bevor-es-besser-kommt-falle
  • story bias
  • rückschaufehler
  • chauffeur knowledge
  • kontrollillusion
  • incentive superresponse tendency
  • regression zur mitte
  • tragik der allmende
  • outcome bias
  • auswahl paradox
  • liking bias
  • endowment-effekt
  • wunder
  • groupthink
  • neglect of probability
  • zero-risk bias
  • knappheits-irrtum
  • base-rate neglect
  • spielerfehlschluss
  • anker
  • induktion
  • verlustaversion
  • social loafing
  • exponentielles wachstum
  • winner’s curse
  • fundamental attribution error
  • falsche kausalität
  • halo effect
  • alternative pfade
  • prognose-illusion
  • conjunction fallacy
  • framing
  • action bias
  • omission bias
  • self-serving bias
  • hedonic treadmill
  • self-selection bias
  • association bias
  • anfängerglück
  • kognitive dissonanz
  • hyperbolic discounting

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1992 erschienen und gefunden in meinem neuen lieblingsantiquariat. der deutsche titel ist schrecklich und verstellt den blick auf die wesentliche these des autors: dass politik sich immer an den zufriedenen („contentment“) orientiert, also den gesellschaftlichen gewinnern. daher ist es immer schwierig, sozialpolitik für arme und schwache durchzusetzen. er hat das extrem in der us-politik in den achtzigern beobachtet, aber auch anderswo. aus diesem blickwinkel ist bspw. auch die jüngere politik in den usa erklärbar, als tausende gegen obamas reformen waren.

20 Jahre alt, aber immer noch aktuell.

[xrr rating=7/7]

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Der Vorgänger zu seinem 2008 erschienenen Buch Der schwarze Schwan. Viele Thesen und Ideen hatte er also schon Jahre vorher. Sein Hauptgedanke: Wir können den Zufall nicht steuern, tun aber permanent so, sowohl intuitiv als auch in der Wissenschaft. Und das ist schlecht, weil wir somit auf uns selbst hereinfallen. Zufall und Wahrscheinlichkeiten werden außerdem immer falsch eingeschätzt. Er ist Börsenhändler und plaudert munter über seine Erfahrungen, das klingt ganz anders als zum Beispiel das hier. Sein Tip: Mehr nachdenken und danach handeln, aber nicht glauben, dass wir den Zufall im Griff hätten.

[xrr rating=6/7]

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Boris Aljinovic liest eine Novelle von T.C. Boyle – das muss ja spannend werden. Es geht um ein Wolfskind, basierend auf einem wahren Fall, und spielt in Frankreich im beginnenden 19. Jahrhundert. Eine Geschichte, wie man sie schon öfters gehört hat in ihren vielen Varianten. Und doch immer ergriffen ist von der Frage nach Menschlichkeit und Sozialisation. Boyle schreibt im Stile eines Fontane, es weht der Geist der Aufklärung und der Naturwissenschaft, der hehren Erziehungsideale. Linné und Rousseau werden erwähnt. Stellenweise ein bisschen langatmig, aber durchaus höhrenswert, kommt aber nicht an Wassermusik oder Grün ist die Hoffnung ran.

[xrr rating=5/7]