Dr. Kawashima Ranga Yogeshwar sagte gestern, dass es eine der ersten großen Naturkatastrophen sei, die wir nahezu komplett dokumentiert bekommen. Auf allen Kanälen stehen wir daneben, sehen unglaubliche Wassermassen auf uns zukommen und Städte verwüsten. Sehen wir kriegsähnliche Verwüstungen, Retter, Trümmer, explodierende Kraftwerke. Live, unzensiert, gewaltig und hollywoodesk. Auf Twitter erfahren wir vom Überleben von Yuko Yamaguchi (Erfinderin von Hello Kitty), Satellitenbilder zeigen uns das ganze Ausmaß der Schäden, wenn den Nachrichtensendern das Material ausgeht zeigen sie Animationen der Plattentektonik. Wahnsinn. Nur: dass da tatsächlich Menschen sterben, hungern, leiden, trauern, obdachlos sind, das verschwindet hinter den viel beeindruckenderen Bildern von Kaputtem. Und man sieht sich schnell satt, giert nach immer neuen Schreckensmeldungen.

Speicher voll (November 2008)

Die Welt hat sich wieder mal ein Stück geändert, nichts wird so wie früher sein. Das war sicher so ein Schwarzer Schwan-Ereignis. Oder war es vorher klar? Hat das irgendjemand vorher gesehen? War es besonders bescheuert, eine Weltmacht auf einer Kontinentalfalte zu errichten? Wie das alles historisch eingeordnet wird, werden die nächsten Wochen entscheiden. Sicher ist nur: Sicher ist nichts.

3 thoughts on “not enough free space

  1. insgeheim, tief in sich drin hofft man doch irgendwie, dass da die kraftwerke hochgehen. endlich mal was neues, nicht immer der gleiche welteinheitsbrei. ich muss dir da schon zustimmen. die medien haben erreicht wovor viele (auch ich) immer warnen: naivität, ignoranz und vor allem abgestumpftheit bei den konsumenten.

  2. mir scheint es tatsächlich eine ziemlich blöde idee, so eine gegend der welt so dicht zu besiedeln. aber das hat sich wohl irgendwie so ergeben.

    zum kommentar: sogar ich kenne einen gewissen reiz von katastrophenmeldungen. aber ich denke nicht, dass irgendjemand von uns schlimmeres hofft. schon gar nicht tief in uns drinnen, da sieht es glaube ich zum glück besser aus.

  3. volker suhrmann volker strübing hat es – wie so oft – viel besser auf den punkt gebracht:

    Eine schwarze Flutwelle strömt in ein Hafenbecken, spült Autos vom Kai, zerknorkelt Schiffe unter einer Brücke, schwemmt ganze Häuser davon … Ungläubig, schockiert, ensetzt, fassungslos, die Hände um die Lehnen meines Drehstuhls geklammert starrte ich auf den Fernsehschirm: Das war dreister Betrug! Diese angeblich neuen Bilder hatte ich schon mindestens ein Dutzendmal gesehen! Die glaubten wohl, sie könnten mich verarschen! Ich schaltete auf den ersten Kanal zurück, doch auch dort zeigten sie jetzt dieselben alten Aufnahmen, nur dass sie sie mit trauriger Pianomusik untermalt hatten und gelegentlich einen Teddy im Matsch und eine explodierende Reaktorhülle dazwischen schnitten.“

    https://volkerstruebing.wordpress.com/2011/03/15/der-ineere-emmerich/

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