Let the children have their way
Let the children play

[santana]

liebe berliner eltern,
muss das sein? ich sehe euch regelmäßig auf den spielplätzen dieser stadt. beaobachte euch. rede mit euch. und mache mir so meine gedanken. ich finds ja klasse, dass ihr euch für kinder entschieden habt, ist ja alles nicht mehr so einfach. zukunftsängste und drohender arbeitsplatzverlust machen eine vernünftige familienplanung beinahe unmöglich. der staat wurstelt so rum und bietet auch wenig perspektiven. um so höher ist also euer engagement zu bewerten, ein kind in diese welt gesetzt zu haben. löblich gar.

aber warum redet ihr dann mit euren kindern wie mit erwachsenen? warum gebt ihr ihnen die scheußlichsten namen und denkt keine sekunde daran, wie sie später mal gemobbt werden deswegen? sie werden es schon schlimm genug haben. gibt ja dann kein öl mehr und so was. warum redet ihr mit ihnen in eurem schlechten englisch, nur damit sie irgendwie zweisprachig sind? warum stopft ihr sie in designerklamotten, nur damit sie nicht in hundm rumlaufen müssen? warum klettert ihr dreijährigen noch hinterher, nur damit sie nicht runterfallen? warum trifft man euch nur mit kaffeebecher und faz auf dem spielplatz? warum meldet ihr eure ungeborenen schon im kindergarten an? warum müsst ihr immer alles ausdiskutieren mit ihnen? warum bekommt ihr mit fünfzig überhaupt noch kinder? warum nervt ihr sie mit yoga, ballett und bratschenunterricht? warum muss der kindergarten eine art eliteschmiede sein?
jedesmal, wenn ich als kind im urlaub, auf klassenfahrt oder einfach nur irgendwo anders war, gab es mindestens einen berliner dort. der war lauter, nerviger und meist auch größer als die anderen. ein angeber. ein aufschneider. der zu allem eine meinung hatte. muss also auch an dieser stadt liegen…
am wochenende war familientag im radialsystem im friedrichshain. für fünf euro eintritt gabs unterhaltung der ganz gruseligen art. ein bischen spielen hier, da basteln und zwischendurch theater. vorgetragen von grundschülern. eins war sogar welturaufführung. nochmal zum merken: grundschultheater ist weder kunst noch live-performance noch ausdruckstanz. es bleibt grundschultheater und gehört in die grundschule. in eine miefige turnhalle meinetwegen. die besucher dieser veranstaltung waren dann auch entsprechend: endvierziger mit kleinkindern benehmen sich, als wären sie auf einer vernissage und reden schlau. nein danke.

sicher gibt es verwahrlosung, gewalt und misshandlungen. und das ist auch dringender, thematisiert zu werden. aber zum glück sind das eher ausnahmen und keine trends.
manchmal wünsche ich mir ein bischen normalität, gerade in der erziehung von kindern. sind ja auch nur menschen. und lasst sie kinder sein, solange sie noch welche sind…
dieses posting ist ein direktes update zu dem hier, das ähnlich aggressiv war und das ich dann teilweise in den kommentaren relativiert habe. ich bin also noch belehrbar…