zehnjähriges jubiläum, trotzdem keine freude: ein absatz

als ich vor zehn jahren mit dem bloggen anfing, war alles ganz anders. musik war auf dem pc oder dem mp3-player und wurde noch nicht gestreamt. filme lieh man sich in der videothek (die auch nicht umbenannt wurde, als es nur noch dvds und später bluerays gab). das internet erfand sich gerade neu und hieß web 2.0. es wurde wirklich interaktiv (auch so ein wort, was nicht mehr benutzt wird), soziale netze feierten ihren durchbruch (und sind bis heute nicht sozial). es gab noch keine smartphones, das internet war stationär, man loggte sich ein und checkte seine mails. heute bekommt man nur noch werbung in den posteingang oder unangenehme nachrichten. es gab noch icq, dann lange nichts und jetzt whatsapp und viele andere. rss fristete schon damals ein nischendasein, genau wie pgp und tor. wir zogen los, um zu fotografieren, luden die bilder auf flickr und freuten uns einen ast über likes und kommentare – asynchron natürlich. heute sind wir irgendwo und teilen das auf instagram, twitter oder nur privat im messenger. alles passiert im jetzt und morgen ist es schon archiv. unzählige dienste kamen und gingen – kennt noch jemand google buzz? das bloggen war noch neu und aufregend, heute wird man dafür schief angelächelt. filterblasen entstanden und platzten, online-bekanntschaften gaben sich die virtuelle klinke in die hand. heute leben wir alle in unseren blasen und definieren uns über die blödheit der anderen. es gibt keinen austausch mehr, nur noch hass. neue generationen sind heran gewachsen und nutzen ganz andere dienste und wir verstehen es nicht – oder kann mir einer snapchat erklären? es ist alles so normal geworden, so beliebig und gar nicht mehr aufregend. zeit, sich ins private zurück zu ziehen. anzuerkennen, dass analoge freundschaften besser sind als virtuelle. selbst facebook funktioniert vorwiegend lokal, das globale dorf ist gescheitert. auch ich habe keine lust mehr, alles zu veröffentlichen. vielleicht bin ich alt geworden, abgestumpft. immerhin zehn jahre älter, das geht nicht spurlos an einem vorbei. der körperliche verfall beginnt. man muss aktiv was dagegen tun. das ist nicht mehr das locker-leichte studentenleben von einst. und so stapeln sich die nichtssagenden instagram-bilder hier im blog und das persönliche wird rar. politik ist wichtiger geworden, aber öffentlich seine meinung sagen? vermutlich noch wichtiger, aber wozu? inzwischen hat jeder ein facebook-profil und eine meinung und die ist meist rechts oder links oder scheiße. es gibt kein grau mehr, alle sind entweder dafür oder dagegen oder mindestens meta. guck mal, ein lustiger panda auf einer rutsche oder böhmermann hat wieder gepupst. oder ein orangener tüp ist präsident. dieses jahr ist das jahr der negativen rückkopplung. vor zehn jahren lachten wir über die bielefeld-verschwörung, heute ballern reichsbürger auf polizisten. wir sind auf die straße gegangen gegen studiengebühren und vorratsdatenspeicherung, heute feuern nicht nur rechte gegen die amadeu antonio stiftung. ich bin müde und bezweifle das bloggen. aber was sonst hilft gegen die lethargie? vielleicht sollte ich in eine partei eintreten und karriere machen. wer weiß, bei den gestalten? ich habe nur angst, auch eine gestalt zu werden. und frau merkel bleibt kanzler, aber du kannst nicht dagegen sein, weil die merkelgegener alles nazis sind. oder bayern. es gibt keine antworten und lnagsam bezweifle ich, dass es noch fragen gibt. lassen sie uns in zehn jahren noch einmal reden. vielleicht haben wir da antworten.

9/11

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Die Welt dreht sich seit tausenden von Jahren, inzwischen können wir es erklären und noch viel mehr Technikkram. Aber menschlich sind wir keinen Schritt weiter gekommen. Es sind die alten Fragen nach dem guten Zusammenleben, die uns beschäftigen, die wir noch nicht beantwortet haben. Wir verfallen in archaische Denkmuster, wenn uns etwas Fremdes begegnet, wir antworten mit längst überwunden Geglaubtem. Zeit, die richtigen Fragen zu stellen und bessere Antworten zu finden.

Mit dem ADAC-Hubschrauber nach Sotschi

2014-02-07 08.09.21

Die Nachrichten der vergangenen Monate haben die letzten Reste der alten Bundesrepublik beseitigt. Vorbei sind die Zeiten, als die Helmuts ein geordnetes Land regierten, als die Welt noch in Ordnung war. Die Feinde in Russland waren Kommunisten, die anderen Deutschen auch. Da hatte man einen satten Kontrast zur eigenen Lebenseinstellung, die Identität und das Weltbild war gefestigt. Dann kam die Wende, alles sollte ein paar Jahre weiter gehen, nur das Land war größer. Der Rest der Welt veränderte sich rasant, man brauchte ganze 10 Jahre für ein neues Feindbild, Staaten zerfielen, gingen bankrott, entstanden neu, Bündnisse brachen auseinander, wurden geschmiedet, die Welt drehte sich. In Deutschland zerkloppten die Sozialdemokraten den Sozialstaat, die Christdemokraten schafften die Atomkraft ab und die Grünen begannen Kriege. Plötzlich wurden feste Konstanten zu Unbekannten, Alice Schwarzer macht sich durch Steuertricksereien moralisch angreifbar, Michael Schumacher verliert, der Golf ist womöglich gar nicht das Lieblingsauto und die Amerikaner bespitzeln uns.

2014-01-12 14.48.57

Vielleicht ist diese Winterolympiade ohne Schnee der Beginn einer neuen Zeit. Einer Zeit, in der alles irgendwie irrational wird, keiner Moral, sondern nur dem Geld folgt, der kurzfristigen Rendite. Schmeißt die Ausländer raus und nehmt Euch den Mindestlohn. Beschwer dich nicht über Briefkastenfirmen und Nebentätigkeiten deiner Politiker, du bescheißt doch selbst beim Hartz4. Gründe eine Bürgerinitiative und beschwer dich auf facebook über deinen Nachbarn, aber lass die Großen Politik machen, die können das, die können nichts anderes. Lass dich verzaubern von der Dschungelkönigin und lass die Afrikaner und Syrier sich selbst abschlachten, damit du dich aufregen kannst über sie. Die Panzer dafür verkaufen wir ihnen gerne. Sei gegen Schweinefleisch und Russlands Homophobie. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Aber du kannst es wenigstens kritisch kommentieren auf ZEITonline oder in deinem Blog. Dann geht es dir besser.

2014-01-11 10.54.16

Wir sind langsam an einem Punkt angekommen, an dem wir uns entscheiden müssen. Und ich meine jetzt keine Eurokritische Politik, die sich trauen zu sagen, was nicht gesagt werden darf. Sondern eher, ob wir uns so weiterkapitalisieren wollen oder ob es vielleicht auch andere Werte gibt?

2013-11-27 18.55.53

Notiz am Rande

Das geht mir schon länger durch den Kopf und beschäftigt mich. Doch bisher konnte ich es noch nicht so richtig fassen, geschweige denn formulieren. Es folgt also ein wirres Gedanken-Konglomerat. Ein inneres Vabanquespiel. Ein Wust an Ideen, eine ganze Ideenwüste. Ein Wirrwarr an nachdenklichen Fetzen. Anmerkungen bitte in die Kommentare.

Wir denken in Extremen. Die wenigsten leben Extreme. Aber wir alle (zumindest ich, und ihr so?) spielen in Gedanken Extremsituationen durch. Vielleicht auch nur ich, dann bin ich Psycho und sollte vielmehr zum Arzt und weniger bloggen. Jedenfalls male ich mir immer aus, wie es wäre wenn. Wie ich reagieren würde, wenn das SEK plötzlich meine Wohnung stürmen würde. Und überhaupt – hätten sie dazu einen Grund? Wie wäre das, wenn ich ein so richtig Krimineller wäre – mit gesuchten Freunden und einer Kanone im Gürtel? Wie würde ich dann sprechen, reagieren, handeln? Würde ich tatsächlich ein Anderer sein? Oder Geld zu haben, ich meine richtiges, so viel Asche, dass mir alles egal sein kann – würde es mein Leben beeinflussen, mein Denken? Klar, den ganzen materiellen Mist könnte ich dann anhäufen. Aber ist das nicht alles nur schnöder Mammon? Manchmal stelle ich mir auch vor, wie es wäre, ein richtiges Arschloch zu sein. Jedem eins in die Fresse zu geben, der mir nicht passt. Alle anzupissen, weil ich sie nicht leiden kann. Toll wäre das. Wäre es? Ich weiß es nicht.

Wahrscheinlich müsste ich erstmal alles ausprobieren. Zwar kann man mit Literatur, Filmen, Spielen und Internet in jede nur erdenkliche Rolle schlüpfen. Aber ist es das Gleiche? Das fühlt sich doch alles nur virtuell an. Und wird niemals wirklich die Realität ersetzen.

… ist es auch unmöglich, nicht bei Wikipedia nachzuschauen.

Schon öfters beobachtet, aber noch nicht dokumentiert: Was wären Diskussionen und gesellige Abende mit Freunden und Bekannten ohne Internetanschluss? Kennt jeder, diese Situation: Da sitzt man gemütlich zusammen bei einer Apfelsaftschorle, referiert über die Welt im einfachen und komplexen und plötzlich fehlt ein Faktum. Eine Argumentationskette will gestützt werden mit der Realität, der Wahrheit. Also wird google bemüht, Wikipedia angeschmissen oder zur Not auch die imdb. Denn nichts ist schlimmer als gefährliches Halbwissen. Und bei der alltäglichen Nachrichtenflut merkt man sich ja auch nichts mehr. Die illustre Runde wird also desöfteren jäh unterbrochen für eine Kurzrecherche am heimischen PC oder mobilen Endgerät. Denn das Stev’sche Theorem sagt ganz klipp und klar, dass in einer Runde von mindestens fünf Personen mindestens einer ein iPhone hat.

Nun, was sagt uns das über unser Sozialleben? Verkrüppeln wir unter der Informationsflut, degenerieren unsere Hirne und sind wir schon hochgradig abhängig vom Internetanschluss? Oder bereichern wir nur unsere Konversationen mit edler und reiner Wahrheit?

Platon mit den großen Händen
Platon, der Meister des Dialogs - hätte er sein iPhone zwischendurch benutzt? (gesehen in einem Park in Wroclaw/Breslau)

Was hätte Platon getan? Bei Wikipedia finden sich übrigens einige Merkmale des platonischen Dialogs:

  • Es besteht kein Zwang zur systematischen Vollständigkeit.
  • Ungeklärte systematische Einzelfragen können leichter ausgeblendet werden.

Und Karl Jaspers sagte über Platon:

Dieses ließ er sich in seinen dialogischen Darstellungen frei entfalten, immer mit dem Willen zur Wahrheit des Wesens, aber nicht gebunden an belegbare Tatsächlichkeiten.1

Also doch keine Notwenigkeit zur unmittelbaren Wahrheitsfindung mittels mobilem Internet? Das scheint mir aber gefährlich. Denn Halbwissen ist schon schlimm, aber dieses auch noch zu verbreiten? Auf Halbwahrheiten eine Argumentationskette aufzubauen. Sicherlich kann man nicht alles wissen. Wir haben zwar immer mehr Ahnung von Teilbereichen. Aber universelles Wissen kann sich doch keiner mehr merken! Oder man schafft bewusst Wissenslücken. Fußball ist für mich ein ganzer Wissenskrater, den ich auch nicht mehr füllen will in diesem Leben. Oder der technische Aufbau und die Wirkungsweise eines Induktionsherds – will ich gar nicht wissen. Kaffeemaschine hab ich verstanden und ich ahne, wie das mit Mikrowellen ist. Aber Induktion? So mit Spulen und Zeug?

Aber da drehe ich mich argumentativ im Kreis. Ringelringelreihe. Was mich allerdings irritiert: Ist das denn nett, mitten im Gespräch vor den Rechner zu wechseln? Und wenn ja: Wie lange maximal darf man sich von der Runde entfernen?

Vor ein paar Jahren gabs eine ähnliche Diskussion zum Thema Handy. Da haben sich dann auch im Laufe der Zeit nette Höflichkeiten heraus gebildet. Also nur bei wichtigen Anrufen das persönliche Gespräch unterbrechen. Oder vor die Tür wechseln, um nicht zu stören. Umgangsformen nennt man sowas wohl. Es bleibt spannend.


  1. Karl Jaspers, Plato, Augustin, Kant, Piper, München 1957, S. 25 – gefunden in der Wikipedia []

wer ist john galt? #3

das habe ich längst ausgelesen, aber die abschlußkritik bin ich noch schuldig: Ayn Rands Atlas Shrugged

ein wichtiges (und wuchtiges) stück weltliteratur. gerade vor dem hintergrund weltwirtschaftskrise wieder aktuell geworden. erzählt wird die geschichte geschäftsführerin und erbin einer eisenbahngesellschaft. doch statt mit technischen details muss sie sich mit einer veränderten politik und gesellschaftlichen stimmung auseinandersetzen: die schelte bekommen nun die manager und eigentümer, da sie zu wenig für die öffentlichkeit tun und nur an ihren profit denken. die politik reagiert und greift in den markt ein, reguliert ihn zu tode und nach nur ein paar jahren erlahmt das ganze land (hier: die usa in einer 50er-Jahre zukunftsvision). die besitzer reagieren und verschwinden unerhörter weise, ihre firmen übernimmt der staat und richtet sie zu grunde. nur frau taggart, die eisenbahnmagnatin hält durch und kämpft gegen intrigen, dummheit und engstirnigkeit. währenddessen geht ihr eigener konzern vor die hunde: züge entgleisen, brücken stürzen ein, lukrative strecken werden geschlosen, um politisch motivierte streckenabschnitte bedienen zu können. nach und nach wird klar, wohin all’ die ehemaligen kapitalisten hinverschwunden sind und wer ihr anführer ist, eben jener john galt. das buch gipfelt in der rede galts. diese rede ist tief in der amerikanischen kultur verankert, wird zitiert und auf youtube finden sich mehrere rezitationen. zum beispiel diese hier:

[youtube yOt6rUkU5xY]

im kern geht es um die frage, wieviel staat verträgt der markt, wo muss er eingreifen, muss er überhaupt oder ist es nicht viel besser, dem unternehmer alle freiheiten zu lassen? darüber kann man ewig diskutieren, das ist hoch spannend. und ich habe, der leser ahnt es bereits, eine etwas andere meinung als ayn rand und ihr john galt. sie malt an der stelle zu schwarzweiß. das kann man ihr vorwerfen. und dass ihr buch kein großer literarischer wurf ist. eher ein monstrum. aber im gleichen atemzug muss man sagen, dass sie weit über den neoliberalismus hinaus denkt (ihre philosophie nennt sich objektivismus). sie lässt einen ihrer protagonisten sagen:

“Widersprüche gibt es nicht. Wenn ihr meint, ihr hättet es mit einem Widerspruch zu tun, überprüft eure Prämissen. Ihr werdet feststellen, dass eine davon falsch ist.” (hier gefunden)

und das ist großartig. die ermahnung zum denken. immer wieder neu. ohne feste paradigmen, ohne den ballast von vorgefertigten meinungen. in der tradition von aristoteles und kant. das unterschreibe ich sofort. und auch den ansatz, ihre philosophie in romanform zu gießen statt in unlesbare aufsätze: nobel. nur das ergebnis scheitert an sich selbst. oder zumindest an ihren literarischen fähigkeiten.

nichtsdestotrotz empfehle ich dieses buch all jenen, die selber denken (wollen). man muss ja nicht immer mit der autorin einer meinung sein.

[xrr rating=5/7]

merkwürdige phänomene des alltags #2

in diesem netten büchlein las ich letztens erst über die anstrengungen des menschlichen gehirns, eine ec-karte richtigrum in den automaten zu stecken: das gehirn berechnet umständlich die position des magnetstreifens und muss dann noch die hand koordinieren. ganz ähnlich ergeht es mir an der berliner ringbahn. da bin ich auch immer schwer am überlegen, welcher zug wie rum fährt und wo ich eigentlich hin muss. gehts euch da genauso oder ist mein gehirn falsch geschaltet?

reden wir mal über internetzensur, stoppschilder und kinderpornographie

jeden tag, wenn ich in dieses internet reinschaue, blökt es mich an, dass es bald zensiert werden wird. all jene seiten, die ich regelmäßig lese haben dieses thema. nur ich irgendwie nicht. weil ich jedesmal mit offenem mund dastehe und feststellen muss, wie verbissen da um ein thema herumdiskutiert wird. die einen wollen das halbe internet sperren, weil es da auch kinderpornographie gibt (wie auf dvds, auf festplatten und in so mancher familie – das internet ist nachgewiesen nur ein kanal und glaubt man den kritikern, ein noch nicht mal sehr relevanter). und die anderen kämpfen verbissen gegen die sturheit und verbissenheit deutscher politiker, die mal so nebenbei letzte woche im bundestag die errichtung von zensurinfrastrukturen beschlossen haben. nun hofft man, wie so oft auf das bgh. das ist alles sehr löblich und anfänge von zensur, das lehrt die geschichte, sollte man im keim ersticken.

nur die opfer, die kinder bleiben dabei auf der strecke. auch wenn beide seiten ihre aufrichtigkeit und ihr mitgefühl betonen. und glaubhaft, keine frage. doch was nützt es den kindern, ob das internet nun gesperrt ist oder nicht? solange die ansätze, die wahren gründe, die kinderpronographie und missbrauch begünstigen und fördern, nicht bekämpft werden, so lange haben wir ein problem.

nur wird derzeit aber eher über die verbreitung und darstellung gestritten, die diskussion verfehlt ihr eigentliches ziel. nur, wie können wir zuukünftig missbrauch verhindern? verschärung von gesetzen und verlängerung der haftstrafen für täter? der schlüssel liegt wahrscheinlich eher in prävention, aufklärung, mehr geld für kinder- und jugendarbeit.

Darf man über diese Partei lachen?

Zur Zeit gibt es viel Schelte von allen Seiten für die SPD und ihren bürokratischen Kanzlerkandidaten. Da braucht man nur mal die Zeitung aufzuschlagen oder Blogeinträge lesen. Letztere sind im übrigen viel intelligenter und pointierter, keine Frage. Aus Sicht der SPD heißt es nun reagieren und endlich einmal klare Worte zu sagen und Positionen zu beziehen. Ich befürchte jedoch, dass das nicht passieren wird. Dass das ein sehr langweiliger Wahlkampf wird. Ein Geplänkel unter Technokraten ohne Biss. Die Europawahl war schon stinklangweilig und manchmal, wenn ich schlecht träume und Vollmond ist und es draußen wittert, da wünsche ich mir einen polarisierenden Schröder zurück. Die große Koalition hat alle Erwartungen erfüllt, kein Wunder, waren die nicht sehr hoch. Ein Durchregieren, Gebolze und Gestammel ist das, ohne Feuer. An dieser Stelle käme jetzt ein Fußballvergleich, womöglich mit der deutschen Nationalmannschaft – nur habe ich davon keine Ahnung. Wo ist er denn, der deutsche Obama? Die Aufgaben der Politik waren lange nicht mehr so groß wie in den letzten Monaten, endlich dürfen wieder wirtschaftspolitische Entscheidungen getroffen werden, das öffentliche Nachdenken darüber war gar verpönt vor der Krise. Doch alles was bisher geschah hat den Charme eines montaglichen Besuchs auf dem JobCenter inklusive unmotiviertem Personal. Sicher, jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Aber sind wir wirklich so schlecht und grau und trist? Und wenn ich jetzt noch weiter schreibe, dann mache ich womöglich auch noch Steinmerkel für den verregneten Sommer verantwortlich. Also höre ich mal lieber auf und hoffe auf ein bisschen mehr Mut und Engagement und Spannung im Bundestagswahlkampf. Sonst vergessen wir ganz, hinzugehen.

pixelroiber’s next germany

öfters schon stellte sich an dieser stelle die frage, in was für einer welt wir eigentlich leben wollen in der zukunft. und je länger man darüber nachdenkt, desto schwieriger wird es. ich will mal anfangen und skizzieren, wie ich mir das so vorstelle. ihr widersprecht und ergänzt. kennt ihr ja.

zakaz (Juli 2008)

es wird keine hunde mehr geben und auch keine hundehaufen, zumindest nicht in den städten. die hundesteuer wird so maximiert, dass es sich kein normalsterblicher mehr leisten kann. tiere in kleinen wohnungen zu halten ist menschenverachtend tierquälerei. stillt euren knuddelbedarf mit eigenen kindern, das ist wenigstens volkswirtschaftlich vernünftig. hundebabys bezahlen keine rentenbeiträge.

jeder bürger sollte die funktionen von portalen wie ePetition und abgeordnetenwatch kennen und nutzen können. politik sollte nicht länger in den händen von einzelnen wahnsinnigen sein, sondern jeder einwohner sollte die möglichkeiten zur partiziaption nutzen, so wie es das grundgesetz vorschreibt. nur so wird eine wirkliche demokratie draus.

schon vor der krise schwächelnde und taumelnde geschäftsmodelle müssen nicht gerettet werden, nur weil sie noch weniger funktionieren in einer globalen krise. deswegen: lasst doch opel und karstadt und quelle und wie sie alle heißen sich in ruhe gesundschrumpfen oder zumachen. was sollen millardensubventionen an dieser stelle? verbranntes geld, das in infrastruktur und bildung besser aufgehoben wäre.

das steuerrecht vereinfachen. radikal und ohne ausnahmen. denn je komplexer und löchriger die gesetze, desto findiger sind auch die steuerberater, die garantiert auch bei der nächsten gesetzesänderung ein schlupfloch finden. warum muss das so verworren sein? wieviel lebenszeit hast du, lieber leser, schon mit dem ausfüllen von anlage N vergeudet?

die endgültige trennung von staat und religion sollte langsam mal vollzogen werden. was mischt der staat sich hier ein mit seiner kirchensteuer? religion gehört in die köpfe und familie und in die gotteshäuser und hat sonst nirgends was zu suchen.

die machenschaften der zuckerindustrie sind zu untersuchen und aufzudecken. da sie einen ähnlich hohen schaden verursachen wie die tabakindustrie. wer das nicht glaubt, liest bitte hier.

es gibt noch soviele themen und es bleibt spannend. wir sollten langsam mal anfangen. sonst gehts uns wie den römern: lagen nur rum und aßen und tranken wein. und dabei sind sie untergegangen, auf hohem niveau, aber untergegangen ist untergegangen. und diesmal triffts die ganze menschheit.

wer ist john galt? #2

Zwischenstand nach 418 Seiten (33%):

Schreiben kann Sie nun wirklich nicht, die gute Frau Rand. Aber die Story ist großartig: In einer nicht allzu fernen Zukunft der 50er Jahre geht die Welt die Bach runter. Fast alle Länder sind offenbar kommunistisch regiert, nur in den USA gibt es noch den guten und bewährten Kapitalismus. Doch auch der zerbröselt langsam. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der Eisenbahnmagnatin Dagny Taggart und einer Handvoll Ihrer Weggefährten. Selbstverständlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, doch die stört die ganze Story. Und die erotischen Andeutungen sind ulkig bis lächerlich.

Davon abgesehen steckt viel Wahrheit in dem Buch: Wie eine kleine Gruppe von Menschen langsam aber systematisch die Wirtschaft eines Landes kaputt regiert unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung. Die Argumente sind ähnlich denen unserer Zeit. Obwohl es mir schwerfällt, Parallelen zum Jetzt zu ziehen. Die letzten verbliebenen guten Kapitalisten tun ihr Möglichstes um gegen die Dummheit und Blindheit anzukämpfen, doch langsam werden sie immer weniger und schwächer. Es ist ein mörderisches Spiel, ausgetragen auf den Rücken der Bevölkerung. Langsam werden Rohstoffe und Güter kanpp, die Gesellschaft droht zu kippen.

In meinen Augen zieht Frau Rand eine zu scharfe Linie zwischen Gut und Böse. Es ist schon schwer genug, sich als Europäer den Kapitalisten als solchen in der Rolle des Weltretters vorzustellen. Amerikaner haben damit sicher weniger Probleme. Aber ich finde, dieses Buch gehört zur Pflichtlektüre jedes Wirtschaftsstudenten. Auch wenn es sich ganz schön hinzieht.

Mehr dazu demnächst, dann auch zum Begriff des Objektivismus von Ayn Rand.

(Kaufen bei amazon + englische Version)


Übrigens: So eine typische John Galt-Sache ist der Beschluss gegen Lohnexzesse im Management.

Wer ist John Galt?

Ich weiß es nicht! Noch nicht.

Aber ich habe gestern angefangen mit lesen. Und wenn ich in ein paar Jahren mit diesem Ziegelstein von Buch fertig bin, dann kann ich die obige Frage sicher beantworten…


Mehr bei USA erklärt ( via), wikipedia, amazon

Das längt überfällige Bildungs-Posting

Drübern bei der FAZ gibt es einen längeren Artikel, der in schönen und klugen Worten ein weiteres Mal die Geschichte vom bösen Fernsehen, bloßgestellten Menschen und sensationsgeilen Zuschauern erzählt. Solcherart Artikel gibt es immer dann, wenn das Privatfernsehen mal wieder eine Tabugrenze überschreitet. Dann überschlägt sich das Feuilleton mit Empörungen und schüttelt verächtlich den Kopf über so viel Dummheit und klopft sich selbst auf die Schulter ob so viel klugem Scharfsinn. Dieser Reflex ist so alt wie Fernsehen selbst und sollte am besten nicht beachtet werden.

Eine andere Frage im Zusammenhang finde ich bemerkenswerter: Wenn wir es nach ungefähr 70 Jahren Fernsehen noch immer nicht schaffen, mit diesem Medium vernünftig umzugehen, was soll dann erst aus uns und dem Internet werden? Ich werd’ mich jetzt erstmal mit Probeabos von FAZ und SZ eindecken, und dann reden wir in Ruhe drüber. Einverstanden?

hier schreibt der kulturpessimist noch selbst (#5)

jetzt muss ich mich mal selbst loben. vor ein paar jahren nämlich wetterte ich schon gegen tragbare dvd-player. denn das ist die krönung allen schwachsinns. wobei, es gibt doch so einiges, was noch unsinniger daherkommt. der sich selbst rührende kaffeebecher zum beispiel. und dann gibt es noch die zweite kategorie: unsinniges dings, aber mittlerweile unverzichtbar für die menschheit. twitter gehört eindeutig dazu. sarah connor genauso, wie feuchtes toilettenpapier. oder amazon-kaufempfehlungen (“18% der Kunden kaufen diesen Artikel, nachdem sie den nicht erhältlichen Artikel oben gesehen haben.” – sic!). aber unsere alte erde wäre nicht die erde, wenn wir sie nicht ständig mit unnützem zeug zumüllen würden. das war schon immer so. der faustkeil zum beispiel war auch so eine überflüssige erfindung. warum haben die jungs und mädels in der altsteinzeit nicht einfach werkzeug benutzt, wie jede andere kultur auch. und besonders nachhaltig waren diese steine auch nicht, denn sie liegen immer noch in massen rum. innovation jedenfalls sieht anders aus. und wie man hier sieht, sind wir immer noch keinen schritt weiter. ich wünsche euch jedenfalls ein entspanntes wochenende. und kauft nicht allzuviel überflüssiges! schaut mal lieber wieder einen guten film auf dem tragbaren dvd-player.


hier schreibt der kulturpessimist noch selbst (1) (2) (3) (4)

[in eigener sache:] warum bloggen für den arsch ist und ich nicht davon lassen kann

mal ehrlich, da schreibe ich nun schon seit mehr als zwei jahren rum hier. die leserzahlen sind niedriger als die witze von mario barth und das layout/theme inzwischen so löchrig und unsauber und unansehnlich wie amy winehouse. immerhin läuft die datenbank rund und spuckt nicht allzu viele fehler aus. das themenspektrum ist ähnlich weit wie am anfang, wenigstens das konnte ich mir bewahren. kommentare gibts auch einige (danke!danke! an meine treuen leser) und so schreibe ich inzwischen wieder fast jeden tag hier rein, und wenn es nur ein interessantes bild ist. was aber immer wieder unterschätzt wird: auf einen geposteten artikel kommen hundert gelesene. aber ich will hier nicht rumheulen. was ich eigentlich sagen wollte: ich will wegen von tagesaktuellen links, von diesen unsäglichen pressemeldungen oder schnellen klicks. hin zu eher nachgedachten artikeln. mehr politik, mehr meinung und recherche. soviel zum wunschdenken. mal sehen, was draus wird. und ich muss endlich mal die tags, das datum und die kommentarfunktion unter den artikeln richtig anzeigen lassen. sieht ja gruselig aus. so, und nun bald wochenende. ich wünsch euch was.

ganz nett, aber

gerade über darckr gestolpert, das dings setzt auf flickr auf und macht aus dem normalen photostream eine richtige galerie mit schwarzem hintergrund (beispiel). der clou ist aber, dass man zum kommentieren nicht zu flickr wechseln muss. sehr schick und in schwarz. was ich aber will, ist noch einen schritt weiter: wenn ich hier im blog oder sonstwo ein flickr-bild poste, dann will ich auch genau dort den kommentar zum bild haben. nicht erst ein paar klickse weiter. genauso bei eingebetteten videos. kann doch nicht so schwer sein, oder? oder geht es am ende nur um geld und es sind doch nicht alle lieb?

technikmüde?

heute stand ich beim elektronikhändler des vertrauens, weil ich noch einen gutschein habe. und da stand ich dann rum und wußte nix mit mir anzufangen. ich brauche nichts. sowas! entweder viel zu teuer der quatsch oder ich brauche es einfach nicht. früher™ hat mich ein simples kabel schon in blanke exstase versetzt. und nun: rockt alles nicht mehr. eigenartig. werde ich nun alt? bin ich abgestumpft? was ist hier los?