Archive for "berlingeschichten"


Geschichten aus einer viel zu großen Stadt pt. 20

so siehts da jetzt aus auf dem ehemaligen alten zentralvieh- und schlachthof an der s-bahn storkower straße – da haben sich die townhäusler richtig ausgetobt und uniforme blocks hingesetzt, die ganz schön nach 60er-jahre retro-future aussehen. amerikanisches suburbania, ihr wisst schon.

dabei sah es bis vor ein paar jahren noch ganz anders aus, alte baracken und allerlei verlassenes standen rum und erzählten von einer anderen zeit. erzählten ein stück industriegeschichte. heute muss man bei döblin nachlesen oder dieses kleine video schauen:

Geschichten aus einer viel zu großen Stadt pt. 19

im in-szene-bezirk wedding, wo die latte-gläser nur so klirren und die selbstgedrehten (ohne zusätze!) dampfen, da vergisst man schnell, dass es auch alte leute gibt. alte leute geben muss, weil die ja aufgrund technischem fortschritt in der medizintechnik nicht so einfach verschwinden. wenn man aber den ganzen tag malochen ist, da sieht man sie nicht, weil sie morgens noch nicht auf rollator-achse sind und abends schon dem florian silbereisen an der heimischen gernsehapparatur zujubeln. jedenfalls! gestern abend stoppt mich eine rockerbraut, steinalt, mit helm und neben ihrem knallgelben roller auf und ab hüpfend. ob ich ihr nicht die zwei waschmittelpackungen nach oben bringen könnte. die waren doch so billig.

Geschichten aus einer viel zu großen Stadt pt. 18

Heute Morgen in der U9 Richtung Zoo: Ein nachlässig gekleideter Mann mit dreckigem kleinem Köter steigt ein, zeigt den Hitlergruß und beginnt zu palavern. Sehr laut und aggressiv stellt er sich als Leutnant Soundso mit Hund Robert von der Bürgerwehr vor und schreitet dabei mit großen Schritten von einem Ende der U-Bahn zum anderen. Alle [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt.17

gestern aus gewesen. im tiefen prenzlauer berg mal wieder. erst inner tourikneipe stargarder ecke pappelallee. da, wo früher castorf, der eisenhändler war (eine interessante geschichte, hier und hier weiterlesen!). in dieser kneipe jedenfalls das bier für drei euro. happig. alles sieht irgendwie mexikanisch aus, am licht wird gespart und der kellner fragt uns gestikulierend, ob [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt.16

tina veihelmann lebte mithilfe des kiezschreiberstipendiums im soldiner kiez, berlin-wedding zwischen 2006 und 2007. ein paarmal habe ich sie zu dieser zeit gesehen, wie sie auf der bank an der panke saß und sich geschichten erzählen ließ. die geschichten hat sie aufgeschrieben, kann man hier nachlesen oder in einem kleinen büchlein namens “soldiner spaziergang”. darin [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt.15

gestern auf der admiralsbrücke in kreuzberg gesessen. weil auch schon SPON darüber berichtete. aber es war eher langweilig und skuril: da sitzt man auf einer brücke und trinkt bier neben hundert anderen, die auch sitzen und bier trinken. die sonne geht unter und die faschensammler sammeln die leeren bierflaschen. in der pizzeria nebenan gibt es [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt.14

während am freitag in mitte nur gegangen wurde, trieb sich ein fuchs auf der sonnenallee rum und am sonntag wurde eine frau beleidigt, beim sonnenbaden! ansonsten nichts neues, und bei euch so?

Lippi rockt den P-Berg

Der (leider) real existierende Wolfgang Lippert hat schon 1985 erkannt, dass der Prenzlauer Berg das nächste große Ding sein würde. Der spätere Wetten dass..?-Moderator stolziert da musizierend durch den Kiez und wir erkennen so einiges wieder. Mit dabei Ikarus-Busse, die Schönhauser, eine coole Lederjacke und ganz alte Straßenbahnen. und, nunja, frisuren oder so. (via, via)

wie ich einmal mitten im tazkongress stand

am samstag wars, da wollten wir nur zu pictopia, einer ausstellung im weltkulturenhaus. ermäßigten eintritt bezahlt und dann umringt von langhaarigen wollpullis die sich zusammen fanden um zu diskutieren. dabei wollten wir doch nur zur ausstellung! die fanden wir dann auch und fanden sie zu klein. nette bilder, nette sachen, aber viel zu klein. und [...]

woran merkt man, dass finanzkrise ist? #2

…die leichten frauen des stöhnenden gewerbes auf der oranienburger betreiben nun aggressives marketing in eigener sache, indem sie jeden potenziellen kunden einfach mal anquatschen. ist mir so vorher noch nie passiert. gerade mit dem anwalt telefoniert, ob derartige kaltaquise überhaupt rechtens ist. anwalt meint, ich solle mich doch nicht so prüde aufführen…

Realitätsverlust

Gestern in der Regionalbahn der Grausamkeiten: Hinter mir eine Horde bayerischer Punks, auf dem Weg in die Punkhauptstadt Berlin. Mit Kasettenrekorder und passender Musik. Neben mir ein Freak, der ständig seinen Rubikwürfel löst und immer wieder neu verdreht. Und dazu Sven Regeners kleiner Bruder, in dem Frank nicht den Unterschied zwischen Hippies und Punks erkennt [...]

Warum wird Alkohol in Mitte von weniger weiblichen Jugendlichen getrunken?

Der Tagesspiegel hat eine interessante Statistik veröffentlicht, die ich mir flux mal geklaut habe. Und es ist erschreckend: In den Krankenhäusern Berlins wird gesoffen, dass es einem nur schlecht werden kann. Hier dargestellt sind nur die Jugendlichen, aber auch Erwachse greifen gerne zur Flasche. Vor allem in den bürgerlichen Vierteln. Da geht man zum Trinken [...]

gesprächsfetzen auf einer künstlerparty im friedrichshain

> hi, my name is candle. > candle? really? > yes. > gleich gehts los, die künstler sind noch am aufbauen, kamen zu spät. > äh. ok. habt ihr noch bier? oder soll ich welches holen. > weiß nicht, schau mal auf dem balkon nach. > und ihr kennt euch? wer seid ihr eigentlich? > [...]

lichterfelde, ey!

stell dir vor du bist schüler, wächst im gut bekochten hessen auf und darfst einmal im jahr auf große klassenfahrt ins wilde berlin. tage vorher sieht man dich schon in der tonträgerabteilung des örtlichen karstadts, wie du in die neuesten scheiben von deinen rappenden lieblingsgangstern reinhörst. klar, dass du da mal richtig einen drauf machen [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt.13

dialog heute morgen in der trimm-dich-fit-tram*: (ein testosteronschwangerer endzwanziger setzt sich gegenüber einem testosteronschwangeren endzwanziger. türen schließen. bahn fährt an.) > ey! was willstu? > was hab ich gemacht? > suchst du streit oder so? > nein mann, aber du. > waaas? willstu auf die fresse? > machst du mich an? (die diskussion wird lauter) [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt.12: ausgetrunken

For if we don’t find The next whisky bar I tell you we must die I tell you we must die I tell you, I tell you I tell you we must die Oh, moon of Alabama We now must say goodbye We’ve lost our good old mama And must have whisky, oh, you know [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 11

da fährt also der herr wagner von der großen qualitätszeitung mit der verehrten frau justizministerin brigitte zypries u-bahn in berlin und ihnen passiert nichts! was für eine ausnahme. treiben sich doch da die wildesten typen rum, da, unter der erde. der arme herr wagner musste todesängste ausgestanden haben (link, via c.): Ich stelle mir vor, [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 10

Fast food Feed me fast I’ve been waiting for an aeon And I just won’t last I want fast food I want food fast [Pete Townshend] im kiez herrscht dönerkrieg seit einigen wochen. neben dem etablierten laden des vertrauens hat ein neuer aufgemacht. und der führt die schlacht unerbittlich. mit dem kampfpreis von 79cent versucht [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 9

heute morgen hat mich eine bvg-mitarbeiterin entjungfert. ich wurde nämlich noch nie ohne gültigen fahrschein angetroffen. doch bei fahrtantritt war ich einfach zu müde und unausgeschlafen und entkoffeiniert für sowas. sie haben mich also erwischt und ich war erschrocken, wie anteilslos und unbekümmert ich alles hinnahm. dabei hab ich mir ganze zwei minuten später meine [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 8: gottesbeweis. aber sowas von.

ich habe IHN gesehen! ganz ehrlich jetzt. und er hat mich so verwirrt, dass ich garnicht weiß wo ich anfangen soll. aber alles der reihe nach. eigentlich wollte ich nur nach hause. nach einem weniger erfüllten aber doch anstrengenden arbeitstag. nach innerer aufregung über die lokführer und überfüllten s-bahnen. stand ich jedenfalls an der bushaltestelle [...]

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 7

gerade den ganzen nachmittag im prenzlberg rumgelungert. da hat sich ja was verändert! kinners, nee! erstmal waren da überall nagelstudius. und kinder! das sieht ja aus wie vor fünf jahren. so viele kinder, dass man aufpassen muss über keins zu stolpern. ich habe insgesamt garkeinen laptop in den cafés gesichtet. und in den arcarden sehen [...]

Ich Hock In Meinem Bonker

Zentrum der Zivilisation, Leben leben um uns herum, und mittendrin ein Stück Land abgesteckt, oder ‘ne Fabrik, in die keiner seine Nase reinsteckt. Verbrannte Erde, Schüsse in der Nacht, Bombenteppich, U-Boot-Jagd. Ernstfall, es ist schon längst so weit, Ernstfall, Normalzustand seit langer Zeit. [fehlfarben] es gibt keine liebe schutzräume mehr in deutschland. es gab mal [...]

damals wär’ das nicht passiert…

eigentlich ist es ja nicht lustig. moralisten und gutmenschen also nicht weiterlesen: symbolbild: umgefallen (lizenz)

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 6

als ich vor mehr als einem jahrhundert zum ersten mal nach berlin kam, haben sie mich schon fasziniert. die untergrundbahnen, die in dieser stadt auch ein wenig über dem untergrund funktionieren. ohne zu nörgeln verrichten sie ihren dienst. man liebt sie nicht, wenn sie rechtzeitig kommen, man meckert nur, wenn sie nicht kommen.

ihr nennt es erziehung

Let the children have their way Let the children play [santana] liebe berliner eltern, muss das sein? ich sehe euch regelmäßig auf den spielplätzen dieser stadt. beaobachte euch. rede mit euch. und mache mir so meine gedanken. ich finds ja klasse, dass ihr euch für kinder entschieden habt, ist ja alles nicht mehr so einfach. [...]

wie ich einmal zur opferwurst wurde

wir erinnern uns: “[..] eine einzelne Wurst, die im Topf zerkocht wird, um zu verhindern, dass später hinein gelegte Würste durch den Kontakt mit dem Wasser ihr Aroma verlieren.” ist schon länger her. damals hab ich noch für eine verbrecherbande gearbeitet, die ganz legal den leuten das geld aus den taschen zogen. von der beute [...]

pixelroiber tickt aus

weil das internet sich gerade eintickert: ich jetzt auch. [06:00] nachdem die ganze nacht hindurch wichtige und empfindliche infrastrukturen meines auges blockiert waren, kann der zuständige einsatzleiter erstmals von einem erfolg sprechen: “wir haben die blockade gelöst, es gab immer wieder einzelne anfälle von akuter schläfrigkeit, aber durch den gezielten einsatz modernster technik, speziell dem [...]

… zwei bratwürste laufen durch die wohnung …

kaminer erklärt eisessen, den falkplatz, die gleimstraße und kaninchen.

neues von der panke

1907 stürmten die Pankgrafen aus dem Berliner Wedding nach Rüdesheim. Eine Meute munterer Männer, die weniger dem Rittertum, sondern mehr dem Riesling frönte. [...] Doch was haben die Pankgrafen, die noch nicht einmal einen echten Adelsanspruch haben, in Rüdesheim zu suchen? Heinrich Schleif, Sektfabrikant in Rüdesheim, wurde auf die spaßigen Grafen aufmerksam, die nicht nur [...]

ubahnfahren im fieberwahn, Teil I

“deutsche melden sich immer seltener krank! sie gehen stattdessen immer öfter auch gesundheitlich angeschlagen zur arbeit…. Je kleiner die Firma, desto seltener seien die mitarbeiter krank.” [quelle] finde ich ja auch. die ganze nacht im fieberwahn wach gelegen, mich hin und her gewälzt und jetzt schon wieder auf arbeit. da herschen zum glück noch keine [...]