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Hinter der Blechwand

wahnsinnig trostlose story über zwei kerle, die sich in den umbruchjahren zwischen mauerfall und jetzt mit schmuggel und handel übers wasser gehalten haben. die globalisierung frisst sich auch in die letzten dörfer ost- und südosteuropas. chinesen importieren billiger als die beiden helden und sie geraten in die hände eines menschenhändlers. sie sind auf den straßen unterwegs zwischen polen, slowakei, ungarn und rumänien. mit einem alten lieferwagen, der erstaunlicherweise das ganze buch durchhält. erdrückend erzählt der roman ein primitives leben, wirft mit rassistischen ressentiments nur so um sich. in zahlreichen rückblenden wird die zeit kurz nach 1989 glorifiziert, als die grenzen zwar offen waren, aber schmuggel gefährlich und höchst lukrativ. wer einmal auf einem markt in osteuropa in den neunzigern stand, kennt dieses gefühl. windige kerle wittern jede gelegenheit, es gibt alles zu kaufen und nie fragt einer, woher es stammt.

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Dojczland: Ein Reisebericht

sehr intelligenter und unterhaltsamer bericht eines trunkenen polen, der auf lesereise durch deutschland allerhand beobachtungen macht. und das liest sich dann ganz anders als zum beispiel stefan möller (viva polonia). stasiuk spielt nicht mit klischees, er lebt sie. er hat angst und komplexe und beobachtet die ängste und komplexe der deutschen. manchmal vergleicht er orte in deutschland mit orten in osteuropa und das ist definitiv großartig. selten solche offenen worte gelesen, abseits jeder politischen korrektheit. und doch nicht böse, eher liebevoll vertraut. sind nicht viele seiten, knapp unter hundert, davon lohnt sich aber jede einzelne!

[xrr rating=9/10]